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Nachhaltiges Investieren: Welche Vorteile aktive Investmentansätze bieten

OpinionsNachhaltiges Investieren: Welche Vorteile aktive Investmentansätze bieten

Gemeinsam mit einem Partner aus der Versicherungswirtschaft hat GLS Investments das Potenzial aktiver und passiver Investments untersucht und ist der Frage nachgegangen, ob eine Auflage eines passiven Investmentangebots mit gleichbleibendem Nachhaltigkeitsanspruches für uns als GLS Investments infrage kommen würden. Im Folgenden hat Benedikt Engel, Werkstudent im Team der Portfolioberatung, die Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst.

Nachhaltigkeit nimmt eine immer bedeutendere Rolle für viele Anleger*innen ein. Zur Transformation der Wirtschaft nimmt die Finanzbranche eine Schlüsselrolle ein. In den letzten Jahren sind nachhaltige Anlagen immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Infolgedessen ist der Markt für nachhaltige Fonds dynamisch gewachsen. Seit 2011 hat sich das Volumen nachhaltiger Publikumsaktienfonds im europäischen Markt etwa verelffacht, von ca. 100 Mrd. auf über 1.100 Mrd. Euro.

Verstärkt bewerben Anbieter von Investmentfonds – sowohl für Fonds mit aktiven als auch passiven Ansätzen – die positive soziale oder ökologische Qualität ihrer Investments. Doch wie entfalten Investitionen die größtmögliche soziale oder ökologische Wirkung? Ist eine passive oder eine aktive Anlagestrategie sinnvoller, um möglichst nachhaltig zu investieren? Eine Analyse passiver und aktiver Investmentansätze zeigt: Für wirkungsorientiertes Investieren ist der aktive Ansatz unabdingbar.

Aktiv versus Passiv – eine kurze Übersicht

Worin bestehen die Unterschiede der beiden Investmentansätze? Aktives Investieren zielt darauf ab, durch die aktive Auswahl von Emittenten nach bestimmten Kriterien eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. Passives Investieren hingegen setzt auf effiziente Märkte und vertraut auf die Marktrendite. Passive Investmentstrategie orientieren sich also an Marktindizes, um dem Markt eng zu folgen.

Da aktive Investoren den aus ihrer Sicht angemessenen Marktpreis für die potenziellen Investments ermitteln müssen, sind sie auf aufwendige Recherchen angewiesen. Bei Kursschwankungen können aktive Portfoliomanager unmittelbar reagieren und ihr Portfolio neu gewichten. Passiv gemanagte Portfolios hingegen folgen einem Marktindex und damit zugleich dem Preis, der durch aktiv agierende Portfoliomanager gesetzt wird. Das bedeutet: Je größer der Anteil passiver Investments am Markt, umso mehr verliert der Preis an Aussagekraft. Nur aktive Manager betreiben eine umfassende Informationsrecherche und sorgen somit dafür, dass „Der Preis“ alle Informationen enthält.

Aktive nachhaltige Fonds dürften langfristig eine bessere Performance erzielen

Es gibt sowohl konventionelle als auch nachhaltige Fonds mit jeweils einer aktiven oder passiven Investmentstrategie. Dennoch gibt es zwischen konventionellen und nachhaltigen Fonds bei der Frage der Allokation der Titel beträchtliche Unterschiede – dies wirkt sich wiederum auf die zu erwartende Performance aus. Vergleicht man konventionelle und nachhaltige Fonds, so lässt sich insbesondere in der Gewichtung ein genereller Trend feststellen. So tendieren nachhaltige Fonds dazu, in Aktien mit langfristig geringerem Risiko und Unternehmen aus dem Energiesektor zu investieren. In ihrem Portfolio befinden sich stattdessen eher Small-Cap Unternehmen mit tendenziell niedrigeren Dividendenrenditen. Charakteristisch für nachhaltige Strategien sind eine breite Diversifizierung zur Risikostreuung und eine Übergewichtung des Technologiesektors.

Eine Untersuchung hinsichtlich der Perfomance konventioneller und nachhaltiger Fonds liefert weitere interessante Ergebnisse. Während im US-Markt ESG-gewichtete Indizes eine lediglich insignifikant niedrigere Rendite als gleich gewichtete Indizes erbringen, verhält es sich in Europa genau umgekehrt. Die Berücksichtigung quantifizierbarer Unternehmensmerkmale spielt hier eine wichtige Rolle. Eine nähere Betrachtung zeigt, dass nur die Fonds mit hohen ESG Scores höhere Renditen erzielen, die einen besonderen Wert auf die jüngste positive Kursentwicklung („Momentum“) sowie die Qualität des Geschäftsmodells gelegt haben.

Es lässt sich also festhalten, dass die Performance nachhaltiger Fonds eine Frage der Zeit zu sein scheint. Kurzfristig ist bei einer Verfolgung von ESG Zielen eine sinkende Rendite zu erwarten. Das Verfolgen von ESG-Zielen verspricht wiederum eine bessere Qualität des Portfolios. Langfristig wendet sich das Blatt und die Rendite steigt.

Das Wirkungspotenzial aktiver und passiver Anlagestrategien unterscheidet sich deutlich

Aktive und passive Investmentstrategien unterscheiden sich hinsichtlich ihrer tatsächlichen sozial-ökologischen. Aktive Investoren können die Realwirtschaft auf verschiedenen Wegen zu mehr Nachhaltigkeit transformieren. So können sie durch das Adressieren von sozialen oder ökologischen Themen auf Hauptversammlungen, das Handeln von Unternehmen beeinflussen. Das zeigt sich etwa in Aktionärsabstimmungen. Passive Anleger weichen demgegenüber nicht von der Entscheidung des Managements ab. Die Unternehmenspolitik direkt zu beeinflussen und in nachhaltige Bahnen zu lenken, ist passiven Anlegern somit kaum möglich.

Ebenfalls könnten Unternehmen mit schwacher ESG-Performances zu einem nachhaltigeren Handeln bewegt werden, wenn sie befürchten müssten, am Kapitalmarkt sich nur zu höheren Kosten refinanzieren zu können. Passive nachhaltige Investments meiden Unternehmen, die ihren Kriterien nicht entsprechen. Sobald eine Umstellung auf Nachhaltigkeit günstiger ist als die daraus folgenden Einbußen am Markt, hat das Unternehmen jedoch einen Anreiz, den Kurs zu wechseln: es stellt auf eine nachhaltigere Produktion um, um den ESG-Kriterien entsprechen zu können. Leider wirkt dieser Mechanismus bisher nachweislich schwach. Es zeigen nach wie vor genügend Investoren wenig Interesse an nachhaltigen Anlagen. Sie kompensieren schlicht die umgeleiteten Geldströme, da insbesondere konventionelle Anleihen eine im Schnitt größere erwartete Rendite aufweisen. Dies belegen sowohl theoretische als auch evidenzbasierte Forschungsergebnisse. Die Refinanzierungskosten für nachhaltige Unternehmen liegen am Kapitalmarkt momentan noch auf demselben Niveau wie für konventionell agierender Marktteilnehmer.

Während also passive Anleger nur eine direkte Wirkung erzielen können, wenn eine hinreichend große Zahl der Anleger am Markt ebenfalls nachhaltig investiert, können aktive Anleger auf einem direkteren Weg Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen und diese zugunsten einer sozialeren und ökologischeren Agenda verändern. Das gilt besonders für Investitionen in ineffiziente Märkte mit eher jungen und kleinen Unternehmen. Hier entfalten aktive Anlagen ihre größte Wirkung auf die Ausrichtung von Unternehmen.

Fazit: Aktive Ansätze haben einen höheren Impact

Ist der aktive Ansatz dem passiven also überlegen? Die Ergebnisse dieser Recherche legen nahe, dass eine Gleichgewichtung der einzelnen Titel im Portfolio die Perfomance positiv beeinflusst. Was das wirkungsorientierte Investieren betrifft, so ist das Defizit der passiven Strategie die Stärke des aktiven Managements: Im engen Austausch und mittels aktiver Mitgestaltung der Unternehmenspolitik kann es noch konventionelle Unternehmen in ihrer Wende zur Nachhaltigkeit bestärken. Zudem kann aktives Management Ineffizienzen in kleinen, nachhaltigen Märkten und Emerging Markets ausnutzen. Gerade für die GLS Investments bedeutet all das: Der aktive Ansatz ist unabdingbarer Bestandteil einer nachhaltigen Anlagestrategie.

Über den Autor

 

Benedikt Engel arbeitet seit Ende letzten Jahres bei der GLS Investments als Werkstudent im Team der Portfolioberatung. In dieser Funktion hat er sich mehrere Monate mit dem Investmentansatz der GLS Investments und der Frage, wie damit die größtmögliche Wirkung erzielt werden kann, beschäftigt. Er studiert parallel im Master Economics an der Universität Heidelberg und hat seine Bachelorarbeit bei einem nachhaltigen Fondsanbieter zu Sustainable Finance verfasst.

Über die GLS Investments

Die GLS Investment Management GmbH, kurz GLS Investments, vereint als 100%ige Tochter der GLS Bank die Kompetenzen zum Management sozial-ökologischer Investmentfonds. Sie gehört zu den strengsten Akteuren am Markt und ist verantwortlich für das GLS Anlageuniversum, das auf Basis eines mehrstufigen, integrierten sozial-ökologischen Auswahlprozesses erfolgt. Anschließend prüft und bewertet ein Team aus Finanzspezialisten die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Unternehmen. Diese Expertise fließt in das Management der vier bereits bestehenden Investmentfonds. Die GLS Investments hat ihren Sitz in Bochum und ist weltweit tätig. Die bisher aufgelegten Investmentfonds investieren aktuell rund 1,3 Mrd. Euro in Unternehmen und Länder, die eine positive gesellschaftliche Wirkung entfalten und nachhaltige Entwicklung fördern (Stand Juli 2022).