Die philippinische Zentralbank hat den Leitzins am 22. Oktober überraschend um 50 Basispunkte auf 5,50 Prozent angehoben (Stand: 22. Oktober 2026). Fast zeitgleich hat Degroof Petercam Asset Management (DPAM) seine Einschätzung nach einer Research-Reise nach Manila verschickt. Für Investoren in Lokalwährungsanleihen geht es um eine Frage: Wie viel Laufzeit verträgt der Markt derzeit?
Eine Zentralbank, die schneller handelt als erwartet
Die Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP) hat damit zum vierten Mal in Folge gestrafft, seit April um insgesamt 125 Basispunkte. Alle 27 von Reuters befragten Ökonomen hatten nur 25 Basispunkte erwartet. Die BSP begründete den Schritt mit breiter werdendem Preisdruck. Die Inflation war im September wieder auf 7,2 Prozent gestiegen, nach 6,1 Prozent im August.
Lucas D’Hulst, Buy-Side Fixed Income Analyst bei DPAM, hatte vor der Sitzung eine Anhebung um 25 Basispunkte für realistisch gehalten. Seine Grundaussage trägt trotzdem. Er sieht im Leitzins den verlässlichsten Stabilitätsanker des Landes. Eine Zentralbank, die früh und entschlossen handelt, stützt aus seiner Sicht die laufenden Erträge am kurzen Ende der Zinskurve.
Warum das lange Ende eine Risikoprämie braucht
Am langen Ende sieht DPAM mehr Unsicherheit. Die Regierung will das Haushaltsdefizit bis 2030 auf 3,5 Prozent des BIP senken. Ein Teil dieser Konsolidierung beruht laut DPAM aber auf geringeren öffentlichen Investitionen, was langfristiges Wachstumspotenzial kostet. Zudem dürfte der Bruttofinanzierungsbedarf 2027 nach DPAM-Schätzung um rund 21 Prozent steigen, gedeckt vor allem über länger laufende Anleihen.
Dem steht ein struktureller Impuls gegenüber. Ab dem 29. Januar 2027 nimmt JPMorgan philippinische Staatsanleihen in Landeswährung in den Index GBI-EM auf. Die Gewichtung wird schrittweise auf 1,78 Prozent angehoben. Wie viel Nachfrage dadurch am langen Ende ankommt, ist offen, zumal DPAM die Liquidität jenseits von fünf Jahren als begrenzt beschreibt.
Peso und Politik bleiben die Schwachstellen
Die größte Schwäche sieht DPAM in der Außenwirtschaft. Die Zahlungsbilanz wies von Januar bis August ein Defizit von 5,9 Mrd. US-Dollar aus. Die Rücküberweisungen aus dem Ausland wachsen nur noch um rund 2 Prozent. Der Peso fiel kurz vor der Zinsentscheidung auf ein Rekordtief, und die BSP betont, dass sie mit dem Leitzins keinen Wechselkurs verteidigt.
Hinzu kommt das Amtsenthebungsverfahren gegen Vizepräsidentin Sara Duterte. Einen Termin für das Urteil hat das Senatsgericht bislang nicht festgelegt. DPAM hält eine kleine taktische Peso-Position rund um das Urteil für vertretbar, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. Auch nach einer Verurteilung bliebe das Duterte-Lager aus DPAM-Sicht Favorit für die Präsidentschaftswahl 2028.
Worauf Anleiheinvestoren jetzt achten
Längere Laufzeiten würde DPAM erst eingehen, wenn mehrere Signale zusammenkommen. Eines davon war eine Zinspause im Oktober, die ausgeblieben ist. Vorsichtiger wollte DPAM werden, falls die BSP eine Serie weiterer Erhöhungen signalisiert. Nach unserer Einschätzung ist diese Bedingung zum Teil erfüllt: Gouverneur Eli Remolona hält weitere Zinsschritte ausdrücklich offen.
Die nächsten Prüfsteine sind die BSP-Sitzung am 17. Dezember und das Urteil im Senat. Zum Jahresende fällt zudem die Entscheidung, ob die Kapitalerleichterungen für Banken verlängert werden. Ob die Indexaufnahme im Januar das lange Ende stabilisiert, hängt davon ab, wie lange die BSP restriktiv bleiben muss.
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