KI-Agenten im Versicherungskern: Anbieter uneins über Steuerung

AIKI-Agenten im Versicherungskern: Anbieter uneins über Steuerung

Wo die Steuerung autonomer KI-Agenten in der Versicherungs-IT sitzen soll, ist unter den Anbietern von Kernsystemen umstritten. Das zeigt die Marktstudie „KI im Kern“ von Sollers Consulting, für die elf Anbieter aus dem DACH-Raum befragt wurden. Für Versicherer wird daraus eine Architekturentscheidung, die sie lange binden dürfte.

Drei Modelle für die Orchestrierung

KI-Agenten übernehmen innerhalb vorgegebener Workflows eigenständig Aufgaben und verknüpfen mehrere Arbeitsschritte. Die befragten Anbieter halten eine Koordination und Kontrolle dieser Agenten für nötig. Uneinig sind sie über den Ort dieser Orchestrierung, wie das IT Finanzmagazin aus der Studie berichtet.

Einige Anbieter verankern die Steuerung in ihrer Kernplattform. Andere setzen eine eigene Schicht darüber, die in der IT-Landschaft des Versicherers liegt. Dazwischen gibt es hybride Ansätze. Die Wahl bestimmt, wie sich künftige KI-Anwendungen und Systeme verbinden und kontrollieren lassen.

Beim Fundament herrscht dagegen Einigkeit. Das Kernsystem soll deterministisch, regelbasiert und nachvollziehbar bleiben. Es bleibt das System of Record für geschäftskritische Daten und Transaktionen, KI ergänzt es um Assistenz-, Wissens- und Automatisierungsfunktionen.

Wo KI kurzfristig Nutzen bringt

Für die kommenden zwölf Monate sehen die Anbieter den größten Nutzen in zwei Feldern: Dokumentenverarbeitung und Wissensmanagement. KI liest Daten aus unstrukturierten Dokumenten aus und macht vorhandenes Unternehmenswissen zugänglich. Sachbearbeiter erhalten Unterstützung bei Recherche, Datenerfassung und Kommunikation.

Mindestens ebenso wichtig ist der Effekt auf die Softwareentwicklung der Anbieter selbst. KI hilft beim Programmieren, im Anforderungsmanagement, in der Business-Analyse und bei der Qualitätssicherung. Jannik Harms, IT-Projektmanager bei Sollers, sieht Auswirkungen „entlang des gesamten Software Development Lifecycles“. Einführungs- und Migrationsprojekte könnten sich dadurch verkürzen.

Was die Studie offenlässt

Martin Seibold, Partner und Head of DACH bei Sollers, dämpft die Erwartungen an autonome Agenten. Viele Prozesse würden schon aus Kostengründen weiterhin klassisch automatisiert, sagte er Versicherungswirtschaft heute.

Die Studie gibt zudem die Sicht der Systemanbieter wieder, nicht die der Versicherer. Wie groß die Zeit- und Kostenvorteile tatsächlich ausfallen, lässt sich daraus noch nicht beziffern.

Was Entscheider daraus ableiten können

Nach Einschätzung von altii reicht die Orchestrierungsfrage über die Versicherungs-IT hinaus. Wer die Steuerung der Kernplattform überlässt, vertieft die Abhängigkeit von einem Anbieter. Eine eigene Schicht verlangt dagegen Kompetenz und Governance im eigenen Haus.

Praktisch geht es darum, wer Regeln, Berechtigungen und Protokolle der Agenten verwaltet. Im Kernsystem sind sie an dessen Releasezyklen gebunden. Eine eigene Schicht lässt sich über mehrere Systeme hinweg nutzen, muss aber selbst betrieben und geprüft werden. Vor einer ähnlichen Abwägung stehen Asset Manager bei ihren Portfolio- und Fondsbuchhaltungssystemen.

Für Investoren in Versicherer und deren IT-Dienstleister wird damit ein Kriterium sichtbar, das in keiner Bilanz steht. Zu beobachten ist, welche Architektur sich in den nächsten Kernsystem-Ausschreibungen durchsetzt. Offen bleibt auch, ob die Aufsicht eigene Anforderungen an die Kontrolle von Agenten formuliert.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.