Thursday 6-Oct-2022
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„Risk-off-Szenario“ dominierte die Märkte

Opinions„Risk-off-Szenario“ dominierte die Märkte

Trotz der Zinswende in den USA liegen die US-Märkte sehr gut – zumindest relativ zu den übrigen Regionen. Das liegt hauptsächlich an der Währungsentwicklung mit einem schwachen Euro. Damit kommen wir zum aktuellen Krisenherd: Italien!

Im Zuge des Chaos um die Regierungsbildung stiegen die Renditen 10-jähriger italienischer Staatsanleihen um über 100 BP auf über 3 Prozent und auch der Euro verlor deutlich. Die sich auch 2018 gut entwickelnde Peripherie (z.B. Italien, Spanien und Portugal) ist wieder deutlich unter Druck geraten. Die Unterstützung durch zuletzt erfolgte Rating-Verbesserungen ist verpufft, nun dominiert das Szenario einer neuerlichen Euro-Krise.

Konsequenz ist die Flucht in sichere Häfen wie deutsche Bundesanleihen und US-Treasuries. Riskantere Investments wie Emerging-Market- und Unternehmensanleihen gehen zurück. Dieses „Risk-off-Szenario“ dominierte die Märkte in der zweiten Maihälfte.

Die vollständige Ausgabe von Raiffeisen Capital Management’s märkte | unter uns finden Sie links als PDF.

Geld-/Kapitalmarkt – Schwächere Konjunkturaussichten und Chaos in Italien belasten Europa

Ausgehend von sehr hohen Niveaus verdüstern sich die Konjunkturindikatoren insbesondere in Europa. Alles beherrschend ist jedoch aktuell die Divergenz zwischen europäischen Peripherie-Renditen und Kerneuropa (Deutschland), verursacht durch die politischen Querelen in Italien. Diese haben in den letzten Tagen die ansonsten marktdominierenden Zentralbanken an Bedeutung überstrahlt. In der Folge sind Insbesondere die Renditedifferenzen (Spreads) von italienischen Staatsanleihen massiv angestiegen.

Im Zuge dieser Spreadausweitungen reagierten auch die Risikoprämien anderer europäischer Peripherieländer durchaus signifikant. Fundamental beurteilen wir die Situation Italiens im Sinne von Verschuldung des Unternehmenssektors und Finanzierungsstruktur gut. Die sich nun stellende Frage ist, inwiefern aus vorübergehenden Refinanzierungsschwierigkeiten veritablere Probleme für italienische Emittenten (Banken, Unternehmen und Staat) entstehen könnten.

Der geldpolitisch begründete Anstieg des US-Dollar erhielt gegenüber dem Euro durch dessen nun wieder angedachte Krise weiteren Antrieb.

Staats- und Unternehmensanleihen – Im Bann der Italien-Krise

Die Italien-Krise wirkt sich auch auf die europäischen Credit-Märkte (Unternehmensanleihen) aus. Dort sind die Risikoprämien in den letzten Wochen stark angestiegen. In den europäischen High-Yield-Indizes beträgt das Gewicht italienischer Emittenten rund 10 Prozent und belastet somit dieses Segment vergleichsweise deutlich. Vielen Emittenten fällt es im aktuellen Umfeld schwerer, sich zu refinanzieren. Das zieht auch die Spreads am Sekundärmarkt weiter mit nach oben. Wir nehmen hier vorerst keine Positionierung ein. Gegenüber Investment-Grade-Anleihen wie High-Yield-Unternehmensanleihen behalten wir eine abwartende Haltung bei. Die Übergewichtung in US-Anleihen und in europäischen inflationsindexierten Anleihen bleibt gegenüber nominalen Euro-Staatsanleihen unverändert bestehen. Vorerst nehmen wir keine explizite Positionierung gegenüber der europäischen Peripherie ein, zumal der künftige politische Pfad für uns derzeit noch zu wenig prognostizierbar ist.