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Schwellenländer – Wo ist 2019 Wachstum zu finden?

OpinionsSchwellenländer – Wo ist 2019 Wachstum zu finden?

Lateinamerika ist die einzige Schwellenländerregion, die sich besser entwickeln dürfte als im vergangenen Jahr. Anjeza Kadilli, Economist bei Pictet Asset Management, schaut sich die Länder mit den besten Aussichten an.

LATEINAMERIKA VERSPRICHT WIRTSCHAFTSWACHSTUM

Während die Lage für die Schwellenländer insgesamt schwierig ist, sticht Lateinamerika als einzige Region hervor, die sich 2018 besser entwickeln dürfte. Vor allem Brasilien, Kolumbien und Peru sind in puncto Wachstum die vielversprechendsten Märkte (Abb. 1).

ABB.1 – IM VERGLEICH ZU 2018 WIRD LATEINAMERIKA AN DEN ANDEREN SCHWELLENLÄNDERN VORBEIZIEHEN

Veränderung reales BIP-Wachstum: Prognose 2019 abzüglich Schätzungen 2018 (% im Jahresvergleich)
Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Januar 2019

Chile wird seine wirtschaftliche Leistung 2018 nicht wiederholen können, aber das Wachstum dürfte 2019 stark bleiben. Dies legen zumindest die absoluten Zahlen in Abbildung 2 nahe.

ABB. 2 – WACHSTUM IN LATEINAMERIKA GEHT HAUPTSÄCHLICH VON KLEINEREN LÄNDERN DER ANDENREGION AUS

Tatsächliches und prognostiziertes reales BIP-Wachstum LATAM

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream, Januar 2019

In absoluten Zahlen dürfte das BIP-Wachstum in Lateinamerika 2019 (2,6%) über dem der Region EMEA liegen (2,0%) – das wäre das erste Mal seit 20131.

Die Inflation in der Region dürfte sich weiter innerhalb der Zielspanne bewegen, trotz Risiken wie fallenden Rohstoffpreisen. Das gibt den Währungshütern die Möglichkeit, ihren lockeren geldpolitischen Kurs beizubehalten.

Eine neue Phase politischer Stabilität

Zwischen 2016 und 2018 fanden in allen vier Ländern Wahlen statt. Es ist also davon auszugehen, dass es in diesem Jahr keine größere politische Instabilität geben wird.

Die Wahlen haben zur Einsetzung konservativerer Regierungen geführt, die bereit sind, den öffentlichen Sektor zu reformieren und die Wirtschaft durch langfristige politische Maßnahmen zu beleben. Kolumbien zum Beispiel hat die Unternehmenssteuer gesenkt. In Chile werden neue Gesetze zur Beschleunigung des Unternehmensgründungsprozesses verabschiedet. In Brasilien hat Präsident Jair Bolsonaro die Kürzung der öffentlichen Ausgaben zu einer seiner Hauptprioritäten erkoren.

CHINA AUF DEM VORMARSCH

Es lauert jedoch eine Gefahr, der sich diese Länder nur schwer entziehen können: ihre zunehmende Abhängigkeit von China bei den Exporten, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell herrschenden globalen Handelsspannungen. Wie in Abb. 3 zu sehen ist, ist China der wichtigste Handelspartner für Brasilien, Chile und Peru. 

Bei allen vier Ländern, in Kolumbien etwas weniger, haben die Exporte nach China seit 2000 zugenommen (Abb. 3). Im gleichen Zeitraum haben die Exporte in die USA abgenommen, vor allem aus Kolumbien (Abb. 4).

ABB. 3 UND 4 – EXPORTE NACH CHINA NEHMEN ZU; EXPORTE IN DIE USA HABEN ABGENOMMEN

Abb. 3 (links) – Exporte nach China in % der Gesamtexporte des Landes und wichtigste Handelspartner/Abb. 4 (rechts) – Exporte in die USA in % der Gesamtexporte des Landes

Quelle: Pictet Asset Management, CEIC, Datastream. *Prozentsatz der Gesamtexporte des Landes, basierend auf Daten vom 31.12.2018 für August 2018.

China hat seinen Einfluss weltweit ausgebaut und Importe von Rohstoffen wie Metallen oder wie im Fall Brasiliens von Getreide erhöht, um die Binnennachfrage zu decken. Die lateinamerikanischen Länder konnten somit auch außerhalb ihrer Nachbarländer nach Handelspartnern Ausschau halten. Die USA hingegen haben weniger Rohöl importiert, weil sie die Produktion im Land selbst erhöht haben – dadurch wurden die kolumbianischen Exporte belastet. 

Ausblick auf 2019


Quelle: Pictet Asset Management, Januar 2019

Wir kommen zu dem Schluss, dass das Wirtschaftswachstum in Lateinamerika in diesem Jahr stärker ausfallen dürfte als 2018. Haupttreiber werden vermutlich kleinere Länder wie Chile, Kolumbien und Peru sein. Brasilien, das größte Land in der Region, wird ebenfalls wachsen, wenngleich in gemäßigterem Tempo. Alle diese Länder haben neue Regierungen, die wirtschaftlich glaubwürdige Pläne haben. Trotz Risiken wie der zunehmenden Abhängigkeit von Exporten nach China und der unvermeidlichen Abhängigkeit von Rohstoffpreisen glauben wir, dass diese Länder Chancen für langfristig orientierte Anleger bieten.

AUSGESUCHTE GRAFIK UNSERES SPEZIALISTENTEAMS FÜR SCHWELLENLÄNDERANLEIHEN

von Karen Lam, Senior Client Portfolio Manager

Aus Bottom-up-Perspektive sehen wir attraktive Chancen bei rohstoffbezogenen Titeln. Da es sich dabei um Exporteure handelt, profitieren sie in der Regel von Abwertungen lokaler Währungen. Das ist einer der Gründe, warum wir Rohstoffe mit 7% in unserem Portfolio von Unternehmensanleihen aus Schwellenländern übergewichtet haben2.

Ein weiterer attraktiver Sektor in Lateinamerika ist die Zellstoff- und Papierindustrie, vor allem in Chile und Brasilien. Für die Branche sprechen die starken Kursfundamentaldaten. 

ABB. 4 – IN LATEINAMERIKA SEHEN WIR IN DER ZELLSTOFF- UND PAPIERINDUSTRIE ANLAGECHANCEN

Lateinamerikanische Unternehmensanleihen in Hartwährung nach Branche und Sensitivität gegenüber Wechselkursveränderungen

Quelle: JP Morgan, 31.12.2018. Daten sind dem auf Lateinamerika bezogenen Teil des JPM CEMBI DB Index entnommen.

MARKTBEOBACHTUNG

DATEN ZUR MARKTBEOBACHTUNG

31.12.2018

Quelle: Datastream, Bloomberg, Daten vom 31.12.2018, in USD. Angaben zu den Aktienindizes auf Basis der Wiederanlage der Nettodividenden; Angaben zu Anleihen- und Rohstoffindizes auf Basis der Gesamtrendite. Die Entwicklung der Wechselkurse wird als Performance-Berechnung basierend auf den Währungskursen herangezogen.


Quellen:
1) Pictet Asset Management, CEIC, Datastream; Schätzungen für 2018 per 03.01.2019
2) Pictet Asset Management, 31.12.2018

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Anjeza Kadilli

Anjeza Kadilli kam 2015 zu Pictet und arbeitet als Ökonomin im Economic Analysis Team von Pictet Asset Management, wo sie für die makroökonomische Analyse von Schwellenländern, insbesondere Lateinamerika, zuständig ist. Sie hat einen PhD in Econometrics von der Universität Genf, wo sie ebenfalls einen MSc und BSc in Economics erwarb. Während ihres PhD-Studiums war sie auch Gaststudentin an der Universität von Südkalifornien, der Riksbank und der HEC Montreal.

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