Monday 3-Oct-2022
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Staatsanleihen profitieren von der aktuellen Krise

OpinionsStaatsanleihen profitieren von der aktuellen Krise

Im Szenario eines verbesserten Konjunkturausblicks und entsprechender Aktienperformance drifteten in den Kernmärkten der Eurozone zum Jahreswechsel die Renditen von deutlich negativ wieder langsam zur Null-Linie. Dieser Trend wurde bereits Ende Jänner gebrochen und nun hat sich die Lage deutlich verändert: Die Flucht in sichere Häfen hat eingesetzt, deutsche Bundesanleihen rentieren wieder bei -0,60 % und nähern sich den Rekordtiefständen vom Sommer 2019. Auch die Kurse der anderen globalen Staatsanleihen gingen zuletzt deutlich fester.

Das betrifft jedoch weniger die Unternehmensanleihen, sondern insbesondere High Yield und die Emerging Markets. Diese sind wesentlich vom Risikoverhalten der Aktienmärkte beeinflusst, das heißt die Renditeabstände zu den Staatsanleihen gehen auseinander, die Kursperformance leidet entsprechend, der gute Start ins neue Jahr ist vorbei.

Der etwas schwächere Euro trägt zu einer aktuell besseren Wertentwicklung von US-Anleihen bei.

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Geld-/Kapitalmarkt: Sichere Häfen und Notenbanken

Die Renditedifferenz zwischen US- und deutschen Staatsanleihen ist im Februar abermals deutlich gesunken. Beide Anleihenmärkte verzeichneten sinkende Renditen, die Rückgänge am US-Staatsanleihenmarkt fielen jedoch deutlicher aus.

Der sich aus China ausbreitende Coronavirus und damit verbundene Abschottungs- und Quarantänemaßnahmen in diversen Ländern, dürften die globale Wirtschaftsleistung vor allem im ersten Quartal 2020 und möglicherweise darüber hinaus stärker belasten als erwartet und neben China auch Europa stark treffen. China ist nicht nur globaler Produzent, sondern zunehmend auch Konsument, ein Beispiel hierfür ist der Autoabsatz in China.

Noch erwarten die global führenden Notenbanken eine schnelle, V-förmige Erholung, aber auch rasche geldpolitische Maßnahmen sind denkbar. US-Staatsanleihen sind aktuell die präferierte Wahl bei der Suche nach einem sicheren Hafen. Unser deutliches Übergewicht von US-Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen macht sich bislang bezahlt.

Staats- und Unternehmensanleihen: Renditeabstände größer

Globale Staatsanleihen bleiben weiterhin stark gefragt, da sich die Unsicherheit hinsichtlich der globalen Wirtschaftsentwicklung deutlich erhöht hat. In den USA werden bis Jahresende 2020 mittlerweile drei Zinssenkungen vom Markt eingepreist und die US-Zinsstrukturkurve (Renditen 3 Monate – 10 Jahre) ist abermals deutlich negativ. Das befeuert einerseits US-Rezessionssorgen, andererseits auch die Erwartungshaltung gegenüber weiterer geldpolitischer Maßnahmen.

Im Rahmen der aktuellen Marktstimmung kam es bei Unternehmensanleihen zur Ausweitung der Renditeabstände. Investoren tendierten aber dazu, Credit-Risiken mittels Derivaten abzusichern. Der Primärmarkt blieb hingegen bis Ende Februar von der Coronavirus-Angst weitestgehend verschont. Der Euro-High-Yield-Markt legte mit bislang über 20 Milliarden Euro an Emissionsvolumen den besten Jahresstart seiner Geschichte hin.

Unsere Übergewichtung von Unternehmensanleihen höherer Qualität gegenüber High Yield bleibt aufrecht.