Quantenbedrohung: Das Rennen hat bereits begonnen
Digitale Vermögenswerte gelten derzeit als sicher, doch die Gefahr durch Quantencomputer ist real und verlangt Aufmerksamkeit. Codes, die Zahlungen, Banktransaktionen und digitale Vermögenswerte schützen, könnten in Zukunft von Quantencomputern entschlüsselt werden. Der sogenannte „Q-Day“ bezeichnet den Zeitpunkt, an dem solche Rechner die Sicherheitssysteme knacken können. Obwohl dieser Tag ungewiss ist, erfordert die Vorbereitung eine dringend zu adressierende Herausforderung.
Das Potenzielle Risiko
Die Verschlüsselung erfüllt zwei wesentliche Funktionen: Sie macht Daten unlesbar und signiert Transaktionen. Bei digitalen Vermögenswerten stellen die Codes die Schlüssel dar, welche den Zugang ermöglichen. Algorithmen, die Quantenangriffen standhalten, existieren bereits, und einige Regierungen fordern ihre Einführung. Trotz der zeitlichen Unsicherheit ist ein aktives Handeln notwendig.
Besonders kritisch ist das Risiko, dass verschlüsselte Daten heute abgefangen und später, wenn Quantencomputer verfügbar sind, entschlüsselt werden könnten. Diese „heute sammeln, später entschlüsseln“-Strategie erhöht die Gefährdung für langfristig relevante Informationen. Zudem besteht die Gefahr falscher Signaturen, die eine unautorisierte Bewegung digitaler Vermögenswerte ermöglichen könnten.
Parallele Migrationsbedarf
Banken müssen zweigleisig agieren: Zum einen die kryptografischen Systeme, die Kundendaten und -vermögen schützen, zum anderen die Kernbankensysteme, die oft veraltet und komplex miteinander verbunden sind. Die Geschwindigkeit des Migrationsprozesses wird von der langsameren Ebene bestimmt.
Im Mittelpunkt steht die kryptografische Agilität – die Fähigkeit, Verschlüsselungs- oder Signaturverfahren auszutauschen, ohne den Betrieb zu stören. Dafür ist eine detaillierte Kenntnis der Schlüsselorte notwendig, einschließlich Backups. Digitale Vermögenswerte erhöhen die Komplexität, da Schlüssel nicht frei geändert werden können und organisatorische Abläufe und Zustimmungen eingehalten werden müssen.
Sygnum empfiehlt, die Migrationsprogramme bis 2027 weit voranzutreiben, um vor den Zeitplänen großer Netzwerke zu liegen. Ein wesentlicher Kostenfaktor ist die Entflechtung und Prüfung kryptografisch abhängiger Systeme.
Verantwortung des Verwaltungsrats
Für die Führungsebene sind drei Fragen entscheidend: Kennt man die kryptografischen Risiken? Gibt es einen Migrationsplan? Besteht die notwendige Agilität zur Umsetzung? Sobald die Aufsicht Behörden diese Risiken in den Berichtspflichten verankern, wird das Thema auf der Auditing-Agenda prominent.
Gegenüber Kunden ist es wichtig zu kommunizieren, dass digitale Vermögenswerte aktuell sicher sind und die Vorbereitungen für den Umstieg auf quantensichere Sicherheitstechnologien laufen. Kunden erwarten von ihrem Anbieter einen Plan, der Risiken frühzeitig adressiert.
Ausblick bis 2030
Bis 2030 bis 2035 wird quantenresistente Kryptografie Standard bei Zahlungen, Verwahrung und Kommunikation sein. Netzwerke und Verwahrstellen sollen dann Vermögenswerte problemlos und mit Zustimmung der Kunden auf neue Signaturen umstellen können. Die Fähigkeit, Kryptografie bei Bedarf zu ändern, wird entscheidend sein. Institutionen, die diese Agilität jetzt entwickeln, sind künftig gut vorbereitet.
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