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8 von 10 Anlegern: Keine Erträge mit Staatsanleihen

Press Releases8 von 10 Anlegern: Keine Erträge mit Staatsanleihen

Acht von zehn Anlegern (85 Prozent) finden, dass Staatsanleihen ihre Aufgabe zur Generierung stabiler Erträge immer weniger erfüllen. Jeder zweite Anleger (51 Prozent) denkt, dass Bundesanleihen zunehmend ihre Funktion zur Absicherung in Abwärtsmärkten verlieren. Die überwiegende Mehrheit der Anleger äußert die Befürchtung, dass sich die Renditen verzinslicher Papiere – angesichts der Geldpolitik der Notenbanken – künftig weniger aus freien Marktkräften ergeben. Dies legen die Ergebnisse der Umfrage Alternativen zu Staatsanleihen im DACH-Raum der Frankfurter Investmentboutique Tungsten TRYCON nahe, für die 75 Anleger befragt wurden.

Keine Aussicht auf Rendite

Traditionell nehmen Staatsanleihen hoher Bonität in institutionellen und privaten Portfolios vornehmlich eine Rolle zur Erwirtschaftung stabiler Erträge ein sowie eine Schutzfunktionin ruppigen Marktphasen.

Acht von zehn Anlegern (85 Prozent) denken allerdings, dass Rentenpapiere ihre Ertragsfunktion zunehmend verlieren. Die Zinsstrukturkurve für Bundesanleihen liegt in Deutschland ausnahmslos im negativen Bereich. Deutsche Staatsanleihen rentieren auf rekordniedrigen Ständen, per 8. Dezember bei minus 0,59% p.a. für 10-jährige sowie minus 0,80% p.a. für 3-jährige Laufzeiten. Jeder zweite Anleger (51 Prozent) sieht zudem die Rolle von Staatsanleihen als Absicherungsinstrument gefährdet. „Viele Sparer und Anleger sind derzeit damit konfrontiert, dass Anleihen kaum mehr in die Kategorie risikofreier respektive risikoloser Anlagen fallen – ohne bald absehbares Ende“, kommentiert Michael Günther, Portfoliomanager von Tungsten TRYCON.

Schmerzgrenze längst erreicht

Die sich im Wandel befindlichen Rendite-Risiko-Eigenschaften von Anleihen bedeuten für Anlegerportfolios eine sehr hohe Herausforderung, bestätigt ein Drittel (33 Prozent) der befragten Investoren. Ein weiteres Drittel (35 Prozent) hält dieses Umfeld für eine hohe Herausforderung.

„Angesichts expansiver Notenbankpolitik, fortgesetzter Anleihekaufprogramme und Diskussionen über Zinskurvensteuerungen steigt unter Anlegern offensichtlich die Befürchtung, dass sich die Renditen verzinslicher Papiere immer weniger aus freien Marktkräften ergeben“, so Pablo Hess, ebenfalls Portfoliomanager von Tungsten TRYCON. Auf einer Skala von 0 (aus freien Marktkräften) bis 10 (weniger aus freien Marktkräften) lag die Einschätzung der Befragten im Schnitt bei 7,8 Punkten.

Da absehbar ist, dass das Volumen von Anleihen mit negativer Rendite weiter steigt, haben ähnlich gelagerte Untersuchungen bereits die Gefahren einer sogenannten „Zombifizierung“ der Wirtschaft durch anhaltend niedrige Zinsen konstatiert.

Die „Schmerzgrenze“ ist indes für eine Vielzahl der Investoren bereits erreicht: Knapp die Hälfte der Anleger (49 Prozent) hat sich bereits vor Unterschreiten des Zinsniveaus 10-jähriger Bundesanleihen in den Minusbereich mit Umschichtungen zugunsten einer stärkeren Allokation in alternative Anlagen beschäftigt oder diese bereits angestoßen.

Das Emissionsvolumen aller Staatsanleihen im DACH-Raum beläuft sich auf 2,28 Billionen Euro, davon entfallen 1,91 Billionen Euro auf Deutschland, Anleihen der 16 Bundesländer mitgerechnet. Der Anteil nicht negativ verzinster deutscher Staatsanleihen liegt bei unter 5 Prozent.

Staatanleihen sind schwer kompensierbar

Bei der Frage, welche Eigenschaften von Investments angesichts dieses Marktumfelds an Bedeutung gewinnen, liegen die Themen positive Renditeerwartung (79 Prozent der Anleger), Unkorreliertheit mit Aktien und moderate Volatilität (beide 64 Prozent) sowie Absicherung in Baissemärkten (57 Prozent) und tägliche Liquidität (56 Prozent) recht nahe beieinander (Mehrfachnennungen waren möglich). „Uns ging es vornehmlich darum, Eigenschaften liquider oder illiquider Anlageformen zu identifizieren, die diese aus Anlegersicht als Ergänzung oder potenziellen Ersatz zu Staatsanleihen qualifizieren“, erläutert Michael Günther die Motive der Umfrage. „Einige der verlorengegangenen Vorteile von Staatsanleihen lassen sich so vielleicht zurück ins Portfolio holen. Andere Faktoren, wie etwa zur Erfüllung von Risikokapitalquoten und aufsichtsrechtlicher Vorgaben sind dagegen oftmals schwer kompensierbar”.

Ausblick: Wie sich Anleger positionieren

Jeweils etwa die Hälfte der Anleger denkt, dass entweder Gold/Edelmetalle oder Liquid Alternatives sowie Immobilien die meisten der genannten Eigenschaften am besten vereinen. Weitere Neuausrichtungen könnten über Infrastrukturinvestments (29 Prozent), Private Equity (28 Prozent) oder Private Debt (24 Prozent) erfolgen (Mehrfachnennungen waren möglich). 

Zwar können alternative Anlagen zumeist keine staatlichen Garantien versprechen. Aufgrund fehlender Ertragsaussichten von Staatsanleihen rechnen die Studienautoren jedoch damit, dass im Corona-Umfeld und in den kommenden 12 bis 18 Monaten diejenigen Anlageklassen eine Aufwertung erleben, die eine hinreichende Robustheit mit positiven Diversifikationseigenschaften verbinden.


Über die Umfrage „Alternativen zu Staatsanleihen im DACH-Raum“

An der Umfrage nahmen 75 Anleger, darunter vornehmlich institutionelle Investoren, Vermögensverwalter und Anlageberater (75 Prozent) sowie einige Privatanleger, im Zeitraum 20.11. bis 7.12.2020 teil.

Über Tungsten TRYCON

Die in Frankfurt am Main ansässige Tungsten Capital Management GmbH ist eine BaFin-regulierte, unabhängige Asset Management Gesellschaft mit einem verwalteten Vermögen von über 500 Millionen Euro. Mit dem Tungsten TRYCON AI Global Markets bietet die Gesellschaft einen Fonds, der Anlegern Zugang zu neuen Datenanalyse-Technologien und Künstlicher Intelligenz (KI) bietet. Der Fonds wurde mehrfach mit internationalen Awards ausgezeichnet. Die beiden Portfoliomanager Pablo Hess und Michael Günther forschen seit dem Jahr 2000 am Themenfeld „Künstliche Intelligenz“ sowie an deren Anwendung auf die Finanzmärkte.