Bei der weiteren Entwicklung der Künstlichen Intelligenz spricht laut Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group, vieles für ein Szenario zwischen einem ausgewogenen Pfad und einem möglichen KI-Superzyklus. So würden erste Produktivitätsgewinne sichtbar und die Investitionen in Infrastruktur steigen. Auch das politische Umfeld in wichtigen Volkswirtschaften wirke bislang eher unterstützend als bremsend. Gleichzeitig schaue der Markt jedoch zunehmend darauf, wo aus technologischem Fortschritt tatsächlich wirtschaftlicher Mehrwert entstehe. Ein Verlauf mit stetigem, aber ungleichmäßigem Fortschritt sei aus heutiger Sicht gut vorstellbar. „Die frühen Signale deuten auf eine konstruktive Entwicklung hin“, so Braun. „Entscheidend ist, ob KI die Produktivität in der Breite hebt und damit Gewinne, Investitionen und Wachstum stützt.“
Insgesamt unterscheidet Braun in seiner Analyse zwischen vier möglichen Basisszenarien:
1. KI-Superzyklus: Wenn KI zum Wachstumstreiber der Gesamtwirtschaft wird
Im konstruktivsten Szenario setze sich KI branchenübergreifend durch. Unternehmen organisieren Abläufe neu, automatisieren Routinetätigkeiten und nutzen KI für operative, analytische und kreative Aufgaben. Unterstützende Regulierung, staatliche Anreize und gut verfügbare Finanzierung könnten diesen Trend zusätzlich verstärken. Sinkende Kosten für Rechenleistung und der Ausbau von Datenzentren würden dann einen selbsttragenden Investitionszyklus in Gang setzen, in dem Produktivität, Gewinne und weitere Investitionen einander stützen.
Für die Märkte wäre das nach Einschätzung von Braun das positivste Bild. „Wenn sich KI wirklich breit durchsetzt, kann daraus ein struktureller Wachstumsschub entstehen, der weit über den Technologiesektor hinausreicht“, so der Experte.
2. Der ausgewogene Pfad: KI-Einsatz schreitet voran, aber nicht überall gleich schnell
Ebenso plausibel sei ein Szenario, in welchem die Einführung von KI voranschreitet, aber je nach Branche und Unternehmen unterschiedlich schnell. Einige Firmen würden rasch skalieren, andere würden durch hohe Kosten, begrenzte Stromkapazitäten, unzureichende Datenbasis, veraltete Systeme oder regulatorische Unsicherheit gebremst werden. Der Fortschritt wäre real, aber ungleichmäßig. Die Entwicklung würde eher einer Treppe gleichen als einer geraden Aufwärtsbewegung.
Braun sieht darin kein negatives Szenario, sondern eher den realistischsten Mittelweg: „KI dürfte sich nicht überall gleichzeitig durchsetzen. Wahrscheinlicher ist ein Verlauf, bei dem Vorreiter schnell profitieren, während andere erst nach und nach folgen.“
3. Wenn die Blase platzt: Investitionen laufen den Erträgen davon
In einem deutlich schwierigeren Szenario würden Investitionen den tatsächlichen Erträgen vorauslaufen, während Politik oder Finanzierungsbedingungen restriktiver würden. Höhere Zinsen, strengere Kreditvergabe, nachlassende Risikobereitschaft oder schärfere Regulierung könnten neue Projekte erschweren. Gleichzeitig könnten Verzögerungen beim Ausbau von Datenzentren, Überkapazitäten in Teilen der Lieferkette oder Zweifel an den Renditen großer KI-Unternehmen Vorhaben aufstauen. In dieser Welt wäre nicht die Relevanz von KI das Problem, sondern die Diskrepanz zwischen Erwartungen und wirtschaftlicher Realität.
„Der Markt kann viel verzeihen, solange die Erträge folgen“, erläutert Braun. „Wenn Renditen aber hinter den Investitionen zurückbleiben, wird aus Euphorie schnell Ernüchterung.“
4. Rückkehr in eine Welt vor ChatGPT: Wenn KI wichtig bleibt, aber kein echter Wendepunkt wird
Das vierte Szenario beschreibt eine Welt, in der KI nie zum erhofften Katalysator wird. Unternehmen würden Anwendungen testen, einzelne Prozesse verbessern und bestimmte Aufgaben automatisieren, doch der große Produktivitätssprung bliebe aus. Die Einführung geschähe nur punktuell, die wirtschaftlichen Effekte wären begrenzt und KI würde die Arbeitsweise vieler Firmen nicht grundlegend verändern. Selbst bei unterstützender Politik und günstiger Liquidität könnte sich das Kapital dann stärker auf etablierte Technologien und klarere Renditeprofile konzentrieren. KI würde in diesem Fall Erwartungen prägen, aber die gesamtwirtschaftliche Dynamik nicht entscheidend verändern.
„KI kann relevant bleiben, ohne sofort die große makroökonomische Wende auszulösen“, so Braun. „Für Anleger ist genau diese Unterscheidung wichtig.“
Fazit
Nach Einschätzung von Braun lässt sich die weitere Entwicklung entlang zweier Fragen einordnen: Wie breit setzt sich KI in der Wirtschaft durch und wie unterstützend bleiben Politik und Finanzierungsbedingungen? „Im Moment spricht vieles für ein Szenario, das zwischen einem ausgewogenen Pfad und einem KI-Superzyklus liegt“, resümiert Braun. Gleichzeitig bleibe ein Verlauf mit stetigem, aber ungleichmäßigem Fortschritt aus heutiger Sicht gut vorstellbar. „Aber der Markt wird sehr genau darauf achten, ob die wirtschaftlichen Effekte mit dem Tempo der Investitionen Schritt halten“, so der Experte.
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