Eine Einschätzung zu Hugo Boss von Dirk Sammüller, Fondsberater des Greiff Special Opportunities: Die Frasers Group hat heute angekündigt, ihren Anteil an Hugo Boss von aktuell knapp 48 auf über 50 Prozent ausbauen zu wollen. Zeitpunkt und Weg bleiben offen. Damit rückt das abgelaufene 38-Euro-Angebot in den Hintergrund. Vielmehr preist der Markt jetzt einen vermeintlich schleichenden Weg zur Aktienmehrheit. Es ist vermutlich ein weiterer Versuch der Briten, der den Minderheitsaktionären erneut keine Prämie zubilligt.
Unsichtbare Schwelle 38 Euro
Die Übernahmeofferte von 38 Euro lag seinerzeit nur rund vier Prozent über dem Kurs vor der Ankündigung. Vorstand und Aufsichtsrat lehnten sie damals als zu niedrig ab. Seither hat sich der Aktienkurs des Metzinger Traditionsunternehmens kaum bewegt. Was nicht zuletzt auch an einem auf Derivaten basierenden technischen Boden liegt. Frasers hat einen Teil seines Zugriffs auf Hugo-Boss-Aktien über sogenannte Put-Optionen aufgebaut – vereinfacht eine Art Versicherung, die Frasers anderen Anlegern verkauft hat: Fällt der Kurs unter 36 bzw. 38 Euro, dürfen sie ihre Aktien zu diesem Preis an Frasers abgeben. Frasers bekäme die Stücke dann günstig geliefert. Der Mechanismus greift aber nur, wenn der Kurs unter diese Schwelle rutscht. Solange die Aktie darüber notiert, nicht zuletzt, weil Hugo Boss mit dem eigenen Rückkauf den Kurs stützt, lohnt sich die Abgabe für die Mitaktionäre nicht. Frasers geht somit leer aus und behält nur die kassierte Prämie. Die 38 Euro sind damit nicht nur der alte Angebotspreis, sondern auch eine unsichtbare Schwelle, über der ein günstiges Aufstocken für Frasers deutlich schwerer wird.
Schleichender Weg zur Mehrheit
Ein Überschreiten der 50-Prozent-Marke binnen zwölf Monaten erachten wir dennoch für wahrscheinlich, zumal auch der von Boss initiierte Aktienrückkauf Frasers Beteiligung nach Einziehung der Aktien passiv erhöht. Darüber hinaus dürfte sich Frasers mit Rücksetzern unter die Strike-Niveaus begnügen, um seinen Hugo Boss-Anteil weiter auszubauen. Ein nachgebessertes Angebot im Zeitraum der sogenannten zwölfmonatigen Schamfrist kann nahezu ausgeschlossen werden, da ansonsten für alle im Rahmen des Übernahmeangebots angedienten Aktien ein entsprechender Nachschlag bezahlt werden müsste. Der eigentliche Werthebel liegt ohnehin in einer späteren Strukturmaßnahme, etwa einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (ab 75 %) oder einem Squeeze-out (ab 95 %). Ob es allerdings jemals dazu kommen wird, darf bei der aktiven und opportunistischen Beteiligungshistorie der Briten durchaus bezweifelt werden.
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