Wie Anleger mit attraktiven Öl-Aktien die KI-Rallye absichern können
Der Konflikt zwischen den USA und Iran eskaliert, Tanker werden angegriffen und der Ölpreis zieht wieder an. Trotzdem ist von Panik keine Spur. Das könnte sich ändern, wenn neben der Straße von Hormus auch der zweite Flaschenhals des globalen Ölhandels unter Druck gerät. Für Anleger werden Ölaktien damit zur überraschenden Ergänzung im KI-Depot.
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran ist mit Wucht zurück. Nach mehreren Wochen relativer Ruhe griffen die USA iranische Luftabwehr-, Radar- und Marineziele an. Teheran antwortete mit Raketen und Drohnen gegen amerikanische Stützpunkte in Bahrain, Jordanien, Kuwait und Irak. Zwei mit saudischem Öl beladene Supertanker wurden in der Straße von Hormus attackiert. Und der Ölpreis? Brent sprang kurzzeitig auf 97 Dollar, fiel anschließend aber wieder zurück. Die weltweit wichtigste Handelsroute brennt und der Ölmarkt zuckt nur noch mit den Schultern. Offenbar hat er inzwischen eine gewisse Hormus-Hornhaut entwickelt.
„Je schwieriger Hormus wird, desto mehr Öl muss über das Rote Meer transportiert werden. Damit wird ausgerechnet der Ausweichweg zum nächsten Angriffsziel. Würden beide Routen gleichzeitig erheblich gestört, wären 150 Dollar je Barrel kein abwegiges Szenario mehr.“
Hormus-Hornhaut
Vor dem Krieg liefen rund 20 Prozent des weltweit verbrauchten Öls durch die Straße von Hormus. Wenn eine Meerenge mit dieser Bedeutung tatsächlich geschlossen wird, müssten die Preise eigentlich explodieren. Zu Beginn des Konflikts kursierten deshalb Prognosen von 150 oder sogar 200 Dollar je Barrel. Tatsächlich erreichte Brent in der Spitze rund 126 Dollar und liegt aktuell wieder deutlich darunter. Der Grund ist ebenso einfach wie erstaunlich: Trotz Blockade, Drohungen und Angriffen gelangt weiterhin viel Öl durch die Meerenge. Tanker fahren nachts, schalten ihre Transponder aus oder übergeben ihre Ladung außerhalb der Gefahrenzone von Schiff zu Schiff. Allein am Montag sollen wieder 17 Millionen Barrel die Straße von Hormus passiert haben. Gleichzeitig fördern die USA mit zuletzt 13,9 Millionen Barrel täglich so viel Öl wie nie zuvor. Strategische Reserven wurden freigegeben und China, der größte Ölimporteur der Welt, hat seine Nachfrage deutlich reduziert. Hinzu kommt die Hoffnung, dass auf jede Eskalation irgendwann doch wieder eine Verhandlung folgt. Der Ölmarkt handelt derzeit weniger den Krieg als die Wahrscheinlichkeit des nächsten Waffenstillstands. Doch seine Gelassenheit ist riskant. Die iranischen Ölexporte sind von rund zwei Millionen Barrel täglich im März auf zuletzt kaum mehr als 250.000 Barrel eingebrochen. Die Reserven der Verbraucherländer sind nicht unbegrenzt und jeder Tanker, der Hormus passiert, fährt mit großen Risiken durch die Meerenge.
„Der globale Energiesektor wird auf Basis der erwarteten Gewinne mit etwa dem 12- bis 13-Fachen bewertet. Der Gesamtmarkt ist deutlich teurer. Einzelne europäische Ölkonzerne und Produzenten kommen sogar nur auf einstellige Gewinnmultiplikatoren.“
Meerengen werden zum Engpass
Saudi-Arabien kann einen Teil seines Öls über eine Pipeline quer durch das Land zum Hafen Yanbu am Roten Meer transportieren. Damit lässt sich die Straße von Hormus umgehen. Nur führt dieser Ausweg direkt zum nächsten Nadelöhr: Bab al-Mandab und dem Golf von Aden. Dort kontrollieren die Huthi große Teile der jemenitischen Küste. Auf der gegenüberliegenden afrikanischen Seite operiert Al‑Shabaab. Zwischen beiden Gruppen gibt es trotz erheblicher religiöser Unterschiede inzwischen Hinweise auf Waffenlieferungen, technische Schulungen und eine pragmatische Zusammenarbeit. Von einer gemeinsamen Seeblockade kann bislang keine Rede sein. Doch an den Märkten genügt häufig schon die glaubwürdige Gefahr, um Versicherungsprämien, Frachtraten und Risikozuschläge kräftig steigen zu lassen. Die Ironie liegt auf der Hand: Je schwieriger Hormus wird, desto mehr Öl muss über das Rote Meer transportiert werden. Damit wird ausgerechnet der Ausweichweg zum nächsten Angriffsziel. Im zweiten Quartal liefen bereits rund 8,1 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte täglich durch Bab al‑Mandab. Ende vergangenen Jahres waren es nur 5,4 Millionen. Würden beide Routen gleichzeitig erheblich gestört, wären 150 Dollar je Barrel kein abwegiges Szenario mehr. Für 200 Dollar müsste die Unterbrechung fast vollständig sein und länger anhalten. Unmöglich ist das nicht. Wahrscheinlich ist es bislang auch nicht. Aber gerade für unwahrscheinliche, schmerzhafte Ereignisse schließt man schließlich eine Versicherung ab.
„Wer KI-Aktien und Ölaktien mischt, setzt auf die Zukunft und versichert sich gleichzeitig gegen die Gegenwart.“
Barbell statt Barrel
Genau hier kommen Ölaktien ins Spiel. Viele Anleger meiden sie aus strukturellen Gründen. Fossile Energie gilt als Geschäft von gestern, während künstliche Intelligenz die Zukunft verkörpert. Diese Einschätzung spiegelt sich in den Bewertungen. Der globale Energiesektor wird auf Basis der erwarteten Gewinne mit etwa dem 12- bis 13-Fachen bewertet. Der Gesamtmarkt ist deutlich teurer. Einzelne europäische Ölkonzerne und Produzenten kommen sogar nur auf einstellige Gewinnmultiplikatoren. Gleichzeitig verdienen diese Unternehmen bei Ölpreisen um 90 Dollar bereits sehr gutes Geld. Steigt Brent über 100 Dollar, wachsen freie Cashflows, Dividenden und Aktienrückkäufe. Ölaktien benötigen also keinen Ölpreis von 150 Dollar, um attraktiv zu sein. Aber sie besitzen genau für dieses Szenario einen eingebauten Gewinnhebel. Damit werden sie zum Gegenpol der hoch bewerteten KI‑Aktien. Entspannt sich der Konflikt, sinkt der Ölpreis und mit ihm der Inflationsdruck. Das hilft den Technologiewerten. Eskaliert der Krieg, steigen Öl, Inflation und möglicherweise die Zinsen. Das belastet die Bewertung der KI-Gewinner, während Ölproduzenten zusätzliche Gewinne einfahren.
Anleger müssen sich deshalb nicht zwischen künstlicher Intelligenz und fossiler Energie entscheiden. Die Kombination aus beiden, eine sogenannte Barbell-Strategie, könnte derzeit klüger sein als die Wette auf nur eine Seite. Wer KI-Aktien und Ölaktien mischt, setzt auf die Zukunft und versichert sich gleichzeitig gegen die Gegenwart.
* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.