Rund 80 % der Unternehmen weltweit ignorieren Klimawandel

Markets and NewsRund 80 % der Unternehmen weltweit ignorieren Klimawandel

Eine Untersuchung von ODDO BHF AM deckt auf:  Rund 80 % der Unternehmen weltweit ignorieren Klimawandel. Nur 20,5 % der Unternehmen weltweit verfügen über einen glaubwürdigen Transitionsplan, um ihr Geschäftsmodell an die Pariser Klimaziele anzupassen, wie aus einer Untersuchung von ODDO BHF AM hervorgeht, die auf Basis von MSCI-Daten per Januar 2026 durchgeführt wurde. Doch es gibt auch kleine Lichtblicke, denn 1,7 Prozent der untersuchten Unternehmen verfolgen ein Geschäftsmodell, das in hohem Maße auf die Ermöglichung der Energiewende ausgerichtet ist („reine Ermöglicher“). Bei 79,5 % der Unternehmen sind diese Anpassungspläne unzureichend oder nur ansatzweise vorhanden. Das ESG-Research-Team des Assetmanagers hat dabei alle 8.626 Unternehmen, für die ein MSCI ESG-Rating vorliegt, nach einer eigenen Methodik auf das Vorhandensein und die Glaubwürdigkeit eines Transitionsplans hin untersucht.

„Ein Unternehmen, das sich der Transition entzieht oder sie nur unzureichend antizipiert, kann als mit einem Transitionsrisiko behaftet angesehen werden. In einem internationalen Kontext, der sowohl durch die Verschärfung der Auswirkungen der globalen Erwärmung als auch durch neue geopolitische Risiken geprägt ist, werden Übergangspläne für viele Unternehmen und Investoren zu einem echten strategischen Instrument“, betont Valentin Pernet, Global Head of Sustainable Investment Solutions bei ODDO BHF Asset Management.

In Deutschland haben 37 % der Unternehmen einen Transitionsplan, in den USA sind es 12 %

Finnland, Irland, Frankreich, Dänemark und Spanien sind der Untersuchung zufolge die Spitzenreiter: mehr als die Hälfte der Aktiengesellschaften verfügen dort über einen glaubwürdigen Transitionsplan oder werden gar als „Ermöglicher“ eingestuft. Unter den 44 Ländern mit mindestens 20 untersuchten Unternehmen liegt Deutschland mit 37 % auf Platz 11 im oberen Mittelfeld, die USA landen mit 12 % auf dem 32. Platz. Marokko, Katar und Pakistan bilden die Schlusslichter. In diesen Ländern kann noch kein Unternehmen glaubwürdige Strategien zur Anpassung an die Energiewende vorweisen.

Der Untersuchung zufolge verfügt zwar mehr als die Hälfte der analysierten Unternehmen über einen Plan zur Reduzierung ihrer CO2-Emissionen. „Das ist beachtlich, doch erfüllen die Pläne unsere Kriterien für Glaubwürdigkeit und Transparenz oft nur unzureichend. Wir empfehlen den verschiedenen Interessengruppen, die Energiewende in Unternehmen als dynamischen und nichtlinearen Prozess zu verstehen und ihre Fähigkeit zur Transformation von Produktions- und Konsumsystemen anzuerkennen. Denn über die Dekarbonisierung von Betriebsabläufen hinaus wird vor allem die unternehmerische Fähigkeit, sich neu zu erfinden und die Welt aktiv zu verändern, entscheidend sein – sie dürfte den größten Einfluss auf die Energiewende haben“, kommentiert Valentin Pernet.

Branche und Unternehmensgröße beeinflussen Transitionsfähigkeit

Zu den gemeinsamen Merkmalen von Unternehmen ohne glaubwürdigen Transitionsplan zählt häufig ihre Größe. In dieser Gruppe finden sich insbesondere Small- und Mid-Caps. Als weitere Erklärungsmuster gelten fehlende Vorschriften zu Transitionsrisiken oder zur Transparenz im Nachhaltigkeitsbereich sowie die Branchenzugehörigkeit, da die Umsetzung von Transformationskonzepten in bestimmten kohlenstoffintensiven Sektoren schwieriger ist. So hinken Unternehmen aus den Bereichen Energie, Gesundheit, Dienstleistungen, Handel und Baustoffe bei ihren Transformationsplänen häufig hinterher. Das gute Abschneiden europäischer Unternehmen ist der Untersuchung zufolge auch darauf zurückzuführen, dass die Energiewende und das Ziel der Klimaneutralität im Zentrum des europäischen Regulierungsrahmens stehen.

Kriterien für die Definition eines glaubwürdigen Transitionsplans

Die größte Herausforderung bei Transitionsplänen liegt in ihrer Glaubwürdigkeit. Die ESG-Analysten von ODDO BHF AM stützen sich auf mehrere Kriterien, um die Seriosität eines solchen Plans zu beurteilen.

Für Unternehmen auf dem Weg zur Transition gelten die folgenden Kriterien:

  • Keine Beteiligung an „gestrandeten Vermögenswerten“: Ein Unternehmen sollte keine neuen Anlagen für fossile Brennstoffe entwickeln, um eine glaubwürdige Transitionsstrategie nachzuweisen;
  • Transparenz: Ein Unternehmen muss öffentlich über alle seine wesentlichen CO₂-Emissionen berichten;
  • Umfang des Transitionsplans: Der Plan umfasst CO₂-Emissionsziele mindestens für die Emissionskategorien Scope 1 und Scope 2;
  • Ambition des Transitionsplans: Die Ziele zur Reduzierung der CO₂-Emissionen müssen mit dem Pariser Abkommen vereinbar sein.

Zusätzliche Kriterien für Unternehmen, die als Vorreiter der Transition gelten können:

  • Effektive Reduzierung der CO₂-Emissionen in den letzten drei Jahren;
  • Die Ziele des Transitionsplans umfassen alle wesentlichen CO₂-Emissionen, einschließlich Scope-3-Emissionen, sofern diese wesentlich sind.
  • Umsätze und/oder Investitionen in Aktivitäten im Zusammenhang mit der Transition: Sie belegen die Anpassung von Geschäftsmodell und Betriebsabläufen;
  • Einführung geeigneter Governance-Strukturen zur Überwachung und Umsetzung des Transitionsplans.

Ermöglicher der Transition („Greenablers“) werden anhand des folgenden Kriteriums definiert:

  • Ein Geschäftsmodell, das vollständig zur Transition beiträgt und bei dem der überwiegende Teil der Umsätze und/oder Investitionen auf Produkte und/oder Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Energiewende entfällt.

Um Investoren bei der Bewertung transitionsbezogener Herausforderungen für ihre Portfolios zu unterstützen, hat das ESG-Research-Team von ODDO BHF Asset Management eine eigene Methodik entwickelt. Diese ermöglicht es, den Transformationsgrad sowohl auf Portfolioebene als auch auf Ebene einzelner Unternehmen zu analysieren. ODDO BHF AM unterstützt institutionelle Kunden dabei, Anlageprodukte zu definieren, die zu den individuellen Zielen der ökologischen Transition beitragen. „Mit unserer Methodik wollten wir das Fehlen eines klaren Rahmens für die Bewertung des Transformationsstands von Unternehmen ausgleichen. Der Schwerpunkt unserer Analyse liegt auf dem strategischen Engagement, der Entwicklung des Geschäftsmodells zur Transformation unserer Volkswirtschaften sowie den operativen Ergebnissen bei der Dekarbonisierung der Unternehmensaktivitäten“, erläutert der ODDO BHF-Experte Pernet.

Bild © ODDO BHF AM

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.