UBP Marktkommentar: Zinserwartungen am Anleihenmarkt erscheinen hoch

Edition AIUBP Marktkommentar: Zinserwartungen am Anleihenmarkt erscheinen hoch

Zinserwartungen am Anleihenmarkt

Anhaltend hohe Energiepreise und eine robuste Konjunktur haben die US-amerikanische Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die australische Zentralbank kürzlich zu Zinserhöhungen veranlasst. Die UBP sieht jedoch bislang keine Anzeichen für einen selbstverstärkenden Inflationsprozess, keine Entankerung der Inflationsprognosen oder beschleunigtes Lohnwachstum infolge der Energiepreisentwicklung. Aktuelle US-Arbeitsmarktberichte deuten ebenfalls auf keinen zusätzlichen Inflationsdruck vom Arbeitsmarkt hin.

Verschiebung der Zinserwartungen in den USA

Die Zinserwartungen haben sich in den USA deutlich verändert: Während zu Jahresbeginn für 2026 noch Zinssenkungen erwartet wurden, rechnen die Märkte nun mit mehr als vier Zinserhöhungen, inklusive des bereits im September erfolgten Schritts. Obwohl Fed-Chef Warsh eine restriktive Linie verfolgt, zeigen sich andere Notenbankmitglieder angesichts der Neubewertung geduldiger. Die UBP erwartet daher eine Normalisierung und Erholung der Zinsmärkte im weiteren Verlauf.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Anlagestrategie

Die Zinsanhebungen spiegeln nach Einschätzung der UBP eine stärkere US-Wirtschaft wider als von der Fed angenommen. Das nominale Wachstum inklusive Preisentwicklung hat sich in den letzten beiden Quartalen auf über sechs Prozent beschleunigt. Staatliche Ausgaben und Investitionen in Künstliche Intelligenz stärken die Konjunktur und führen zu einer Erholung im verarbeitenden Gewerbe.

Unternehmensgewinne sind widerstandsfähig und Bilanzen solide, was den gezielten Einsatz von Unternehmensanleihen mit ausgewogenem Zinsrisiko empfiehlt. Bei Staatsanleihen bevorzugt die UBP mittlere Laufzeiten, da sich die staatliche Finanzlage verschlechtert hat und die flache Zinskurve bei zunehmender Schuldenlast keine attraktiven Prämien für lange Laufzeiten bietet.

Risikofaktoren und Zinserträge

Unsicherheiten durch geopolitische Konflikte, etwa zwischen den USA und Iran, sowie die Reaktion der Fed auf anhaltend hohe Energiepreise könnten weiterhin Schwankungen verursachen. Dennoch geht die UBP davon aus, dass der stärkste zinsbedingte Stress im Anleihensegment überwunden ist. Laufende Zinserträge tragen nach wie vor dazu bei, Kursschwankungen abzufedern und Kapitalverluste zu begrenzen.

Selektive Chancen im Anleihesegment

Im Unternehmensanleihemarkt sieht die UBP Chancen insbesondere in Hochzinsengagements über Kreditausfallversicherungsindizes (CDS), die aktuell Renditeaufschläge und höhere Liquidität im Vergleich zu direkten Anleiheinvestments bieten. Bevorzugt werden außerdem nachrangige Bankanleihen (Additional Tier 1), Anleihen mit BB-Rating sowie gebündelte Unternehmenskredite (Collateralised Loan Obligations, CLOs), die attraktive Prämien ohne erhöhte Ausfallrisiken ermöglichen.

Ergänzend bieten ausgewählte Schwellenländerwährungen Potenzial durch physische Nachfrage nach Edel- und Industriemetallen, Zufluchtsfunktion und attraktive laufende Erträge aus Zinsdifferenzen. Diese können in einem geopolitisch unsicheren Umfeld zur Diversifikation beitragen.

Positive Aussichten für Wandelanleihen

Wandelanleihen, die Anleihe- und Aktiencharakteristika kombinieren, bleiben laut UBP attraktiv. Unternehmen des S&P 500 steigerten im zweiten Quartal 2026 ihren Gewinn je Aktie um 33 Prozent, übertreffen damit die Erwartungen und stützen einen positiven Ausblick für das dritte Quartal.

Das globale Wandelanleiheuniversum bietet vielfältige Möglichkeiten entlang der KI-Wertschöpfungskette, von Halbleitern und Hardware über Infrastruktur und Cybersicherheitssoftware bis zu spezialisierten Cloud-Anbietern, neuen Energielösungen und kritischen Rohstoffen. Im Industriesektor bevorzugt die UBP Unternehmen, die Rechenzentren energieeffizienter machen, sowie europäische Verteidigungsunternehmen, die von steigenden Militärbudgets und neuen Bereichen wie der Raumfahrt profitieren.


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