Die US-Börsenaufsicht SEC hat am 23. Oktober ihre Prüfungsschwerpunkte für das Geschäftsjahr 2027 veröffentlicht. Neben Treuepflichten und Private Credit nennt sie ausdrücklich hoch entwickelte KI und Tokenisierung. Für Asset Manager mit US-Geschäft zeigt das Papier, wo Prüfer in den kommenden Monaten genauer hinsehen.
Was die SEC bei KI prüfen will
Der Bericht der Division of Examinations spricht durchgehend von „Super Intelligence“, kurz SI. Gemeint sind Werkzeuge, die Registrierte für Research, Kundenkommunikation, Portfoliomanagement und Compliance-Überwachung einsetzen. Die Prüfer wollen verstehen, wie diese Werkzeuge Ergebnisse beeinflussen. Maßstab bleiben die bestehenden, technologieneutralen Pflichten.
Konkret nennt die Behörde zwei Stoßrichtungen. Erstens prüft sie, wie Firmen sich gegen KI-gestützte Angriffe wappnen, etwa gegen Phishing oder gefälschte Stimmen und Videos. Zweitens geht es um die Überwachung von KI in Betrugsabwehr, Backoffice, Geldwäscheprävention und Handel. Bei automatisierter Anlageberatung fragt sie, ob Kontrollen und Empfehlungen zu den Angaben gegenüber Anlegern passen.
Bemerkenswert ist, dass die Aufsicht dieselbe Technik selbst einsetzt. Die Prüfabteilung will KI-gestützte Werkzeuge nutzen, um Muster und Risiken in großen Datenbeständen zu erkennen. Das Urteil der Prüfer sollen sie ergänzen, aber nicht ersetzen. Damit wächst auch die analytische Tiefe, mit der Firmen künftig geprüft werden.
Tokenisierung als Thema der Marktinfrastruktur
Tokenisierung taucht im Bericht an zwei Stellen auf. Bei systemrelevanten Clearingstellen zählt sie zu den Hochrisikobereichen, neben Ausfallmanagement und Wertpapierleihe. Unter der Regulation SCI, die die Technikstabilität zentraler Marktsysteme regelt, gilt sie als Trend. Dort steht sie neben KI, verlängerten Handelszeiten und Quantencomputing.
Die Zuspitzung mancher Berichte auf „systemische Risiken“ trägt der Text nur bedingt. Die Pressemitteilung spricht von Risiken einer sich wandelnden Marktinfrastruktur, etwa durch die Reform des Treasury-Clearings. Der Bericht ist zudem eine Stellungnahme der Mitarbeiter ohne Rechtskraft und schafft keine neuen Pflichten. Er zeigt, wohin Prüfressourcen fließen, und kündigt keine Regeln an.
Was das für Anbieter im DACH-Raum bedeutet
Direkt betroffen sind Häuser, die als Investment Adviser bei der SEC registriert sind oder US-Fonds verwalten. Das Prüfprogramm umfasst laut SEC mehr als 34.000 Registrierte (Stand Oktober 2026). Für sie lohnt ein Blick auf die eigene KI-Dokumentation. Welche Werkzeuge laufen wo, wer überwacht sie, und deckt sich die Praxis mit den Kundenangaben?
Ein weiterer Schwerpunkt trifft Anbieter alternativer Anlagen unmittelbar. Die SEC will schwer handelbare und illiquide Produkte genauer prüfen, darunter Private-Credit-Strukturen und ETFs auf weniger liquide Anlagen. Bei Beratern privater Fonds geht es um Offenlegungen zu Kreditlinien auf Fondsebene, verbundenen Dienstleistern und Gebührenberechnungen. Bewertung und Interessenkonflikte stehen dabei im Mittelpunkt.
Offen ist, wie europäische Aufseher die US-Linie aufnehmen. Unsere Einschätzung: Wer KI-Governance und tokenisierte Prozesse jetzt nach US-Maßstab dokumentiert, dürfte auch für europäische Prüfungen besser gerüstet sein. Die SEC behält sich ausdrücklich vor, ihre Schwerpunkte im Jahresverlauf anzupassen.
* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.