Ferguson und Schmidt: KI-Imperien hängen am Kapitalmarkt

AIFerguson und Schmidt: KI-Imperien hängen am Kapitalmarkt

Niall Ferguson, Lisa Klaassen und Eric Schmidt beschreiben die USA und China als zwei KI‑Imperien. Der Historiker, die Oxford-Forscherin und der frühere Google-CEO legen ihre These im Essay „Empires of AI“ in Foreign Affairs dar. Über die Vorherrschaft entscheidet demnach weniger der technische Durchbruch als die Finanzierung. Für Investoren rückt damit eine Frage nach vorn: Wer trägt die Schulden des KI-Ausbaus?

Warum die Autoren von Imperien sprechen

Fortschritt bei KI hängt an Energie, Rohstoffen, Chips und Kapital. Diese Ressourcen konzentrieren sich bei wenigen Firmen in den USA und China. Alle anderen sehen die Autoren als abhängige Nutzer. Behörden und Unternehmen bauen auf Modelle, die sie weder prüfen noch dauerhaft sichern können.

Frontier-Labore wie OpenAI und Anthropic vergleichen sie mit den Ostindien-Kompanien. Wie diese verhandeln sie mit Regierungen, bleiben aber an deren Leine. Als Beleg nennen die Autoren eine im Juni 2026 erlassene Anordnung des US-Handelsministeriums. Anthropic sollte ausländischen Nutzern den Zugang zu seinen zwei leistungsfähigsten Modellen sperren, die daraufhin weltweit vom Netz gingen.

Wie der KI-Ausbau finanziert wird

Die Finanzierung unterscheidet sich deutlich. Laut dem im Oktober 2026 erschienenen Essay haben die größten US-Technologiekonzerne für 2026 mehr als 600 Milliarden US-Dollar an Investitionen zugesagt. Ein großer Teil davon stammt aus öffentlichen und privaten Kreditmärkten. China finanziert dagegen staatlich, nach einem von Bloomberg berichteten Planentwurf mit 295 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre, überwiegend aus langlaufenden Staatsanleihen.

Hinzu kommt die Last der Staatshaushalte. Die USA zahlten 2024 rund 881 Milliarden US-Dollar Zinsen und damit mehr als für Verteidigung mit etwa 874 Milliarden. Bei unverändertem Kurs wären die Zinsen 2036 doppelt so hoch wie der Verteidigungsetat. Die Autoren leiten daraus ein „imperiales Trilemma“ ab: Verteidigung, technologische Führung und großzügiger Sozialstaat lassen sich nicht zugleich finanzieren.

Was das für institutionelle Investoren bedeutet

Aus Sicht von altii verschiebt der Essay den Blick von der Technologie auf die Bilanz. Wer Anleihen von Hyperscalern, Private-Credit-Finanzierungen für Rechenzentren oder Infrastrukturfonds hält, finanziert den Ausbau direkt mit. Die Autoren schreiben selbst, dass der Kapitalbedarf für KI die Zinsen in den USA bereits nach oben treibt.

Für europäische Häuser kommt die Frage der Abhängigkeit hinzu. Wer Prozesse auf Modelle aus den USA oder China stützt, übernimmt ein politisches Risiko. Ein Zugang kann sich kurzfristig verteuern oder ganz wegfallen, wie der Fall Anthropic zeigt.

Warum Taiwan der Engpass bleibt

Das größte Risiko sehen die Autoren in Taiwan. Der Chipfertiger TSMC ist der zentrale Knoten der KI-Lieferkette und liegt rund 145 Kilometer vor der chinesischen Küste. Neue Werke in Phoenix, Kumamoto und Dresden sollen die Insel ersetzbar machen. Bis sie in großem Umfang produzieren, bleibt ein gefährliches Zeitfenster offen.

Als Ausweg schlagen die Autoren eine KI-Entspannungspolitik nach dem Vorbild des Kalten Kriegs vor. Dazu gehören Obergrenzen für Modellfähigkeiten bei Cyberangriffen und biologischem Design. Ob China solche Grenzen akzeptiert, solange es technologisch zurückliegt, ist offen. Aus altii-Sicht zeigt der Fortschritt der Werke in Arizona und Dresden, wie lange dieses Zeitfenster noch besteht.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.