Ein neuer Bericht von The Block Research im Auftrag von Coinbase zeigt, wie stark Stablecoins außerhalb der Banköffnungszeiten genutzt werden. Zugleich belegt er, dass die größten US-Banken die Technik für ihr eigenes Settlement erproben. Für Asset Manager und institutionelle Investoren stellt sich damit die Frage, wie schnell sich die Infrastruktur des Dollar-Zahlungsverkehrs verschiebt.
Was der Bericht misst
Der Bericht „The Always-On Dollar“ erschien Mitte Oktober 2026 bei The Block. Laut der Studie fielen in den zwölf Monaten bis Ende Juli 2026 rund 73 Prozent des gefilterten Transfervolumens außerhalb der US-Banköffnungszeiten an. Gemeint sind Nächte, Wochenenden und Feiertage. Die Autoren verweisen darauf, dass klassische Zahlungssysteme etwa ein Drittel der Zeit geschlossen sind.
Das bereinigte Transfervolumen erreichte im dritten Quartal 2026 laut Bericht 891 Milliarden US-Dollar. Herausgerechnet sind Börsen, DeFi-Anwendungen und automatisierte Transaktionen. Seit Anfang 2023 hat sich der Wert mehr als vervierfacht. Die Zahl beschreibt damit vor allem Zahlungen und kaum den Handel mit Kryptowerten.
Warum die großen US-Banken mitziehen
Nach Angaben des Berichts testen sieben der zehn größten US-Banken Stablecoins oder tokenisierte Einlagen für das Settlement. Tokenisierte Einlagen sind Bankguthaben, die auf einer Blockchain übertragen werden. Anders als Stablecoins bleiben sie Verbindlichkeiten der jeweiligen Bank. Für Banken und Zahlungsdienstleister liegt der Nutzen laut Studie auch in der Liquidität: Sie müssten weniger Geld vorab für Überweisungen bereithalten.
Ein Arbeitspapier der BIZ vom 13. Oktober 2026 zeigt zudem, dass Stablecoins und Bankeinlagen teilweise um dieselben Mittel konkurrieren. Höhere Einlagenzinsen bremsten in den untersuchten US-Daten von 2019 bis 2025 das Wachstum der Stablecoins. Einen Rückgang der gesamten Einlagen oder Kredite belegt die Studie ausdrücklich nicht. Nach unserer Einschätzung dienen die Tests der Banken dennoch auch dem Schutz ihrer Refinanzierung.
Was Investoren jetzt einordnen sollten
Der Bericht stammt von einem Auftraggeber, der vom Wachstum der Stablecoins profitiert. Coinbase ist an den Reserveerträgen des Stablecoins USDC beteiligt. Die Studie räumt selbst ein, dass eine breite Verbreitung die Kreditvergabe der Banken schwächen könnte. Ausblicke wie die Rolle von KI-Agenten bis 2030 sind Modellszenarien und keine belastbaren Prognosen.
Regulatorisch rückt der nächste Schritt näher. Der GENIUS Act, das US-Gesetz für Zahlungs-Stablecoins, tritt spätestens am 18. Januar 2027 in Kraft. Die Ausführungsregeln der Aufsicht lagen zur Frist im Juli 2026 nur als Entwürfe vor. In der EU gilt für E-Geld-Token bereits seit Mitte 2024 die MiCA-Verordnung.
Für Asset Manager im DACH-Raum zählt vor allem die Abwicklung. Setzen US-Großbanken tokenisierte Einlagen produktiv ein, ändern sich Abwicklungszeiten und Liquiditätsplanung auch für europäische Gegenparteien. Wer Dollar-Geschäfte mit US-Häusern abwickelt, sollte deren Pilotprojekte daher im Blick behalten. Offen ist, ob Banken und Stablecoin-Emittenten künftig auf gemeinsamen Netzen abwickeln oder getrennte Systeme entstehen.
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