Hochfrequenzhändler rüsten mit Milliarden für KI-Rechenleistung auf

AIHochfrequenzhändler rüsten mit Milliarden für KI-Rechenleistung auf

Die großen elektronischen Marktmacher konkurrieren nicht mehr nur um Nanosekunden, sondern um Rechenleistung. Jane Street, Hudson River Trading (HRT), XTX Markets und Optiver investieren Milliarden in Cloud-Verträge, eigene Rechenzentren und Chip-Startups, wie Bloomberg berichtet. Für institutionelle Investoren ist das relevant, weil diese Häuser einen großen Teil der Liquidität stellen.

Rechenleistung wird zum Wettbewerbsfaktor

Die Händler nutzen maschinelles Lernen zunehmend, um kurzfristige Kursbewegungen vorherzusagen. Große Modelle brauchen dafür viel Rechenleistung, vor allem beim Training auf verrauschten Marktdaten. Laut Bloomberg schätzt ein Manager eines großen Hauses den heutigen Aufwand auf das Zehn- bis Zwanzigfache. Vergleichsmaßstab ist die Zeit vor dem Start von ChatGPT im November 2022.

Im April hat Jane Street rund 6 Milliarden US-Dollar für die KI-Cloud von CoreWeave zugesagt. Zusätzlich investierte das Haus 1 Milliarde US-Dollar in Aktien des Anbieters, so die gemeinsame Mitteilung. Darin begründet Jane Street den Schritt mit dem Training großer Modelle auf riesigen Mengen verrauschter Daten. Daneben betreibt die Firma ein eigenes GPU-Rechenzentrum in Texas mit Flüssigkühlung.

Händler finanzieren ihre eigene Lieferkette

Die Händler mieten nicht nur Kapazität, sie finanzieren auch deren Anbieter. Jane Street führte im August eine Finanzierungsrunde des Chipentwicklers Etched über 700 Millionen US-Dollar an. Zugleich ist das Haus der erste Kunde für dessen Inferenz-Hardware, wie Etched mitteilt. HRT schloss im selben Monat einen mehrjährigen Vertrag mit CoreWeave im Milliardenumfang.

XTX Markets geht den Weg über eigene Infrastruktur. Das Unternehmen baut im finnischen Kajaani einen Campus mit mehreren Rechenzentren für seine Deep-Learning-Modelle. Diese erstellen nach Angaben des Baupartners YIT Preisprognosen für zehntausende Finanzinstrumente. Nach Einschätzung der Redaktion entsteht so eine enge Verflechtung: Die Händler sichern sich Kapazität und beteiligen sich zugleich am Erfolg ihrer Lieferanten.

Was Investoren beobachten sollten

Für Asset Manager sind diese Marktmacher wichtige Gegenparteien, etwa im ETF-Handel. Wer Preise in großem Stil per Modell stellt, braucht verlässliche Rechenkapazität. Nach Einschätzung der Redaktion dürfte der Abstand zwischen wenigen kapitalstarken Häusern und kleineren Marktmachern dadurch wachsen. Das könnte die Liquidität stärker auf wenige Anbieter konzentrieren.

Auch für Investoren in digitale Infrastruktur ändert sich das Bild. Neben Hyperscalern und KI-Laboren tritt eine weitere zahlungskräftige Nachfragegruppe auf, die langfristige Verträge schließt. Die Risiken benennt die Branche selbst: Laut Bloomberg gelten steigende Kosten und schnell alternde Chips als reale Gefahr. Optiver-Chef Jan Boomaars hält Untätigkeit dennoch für riskanter und spricht von einem Investitionszyklus über mehr als zehn Jahre.

Offen bleibt, ob sich der Aufwand in dauerhaft höheren Handelserträgen niederschlägt oder vor allem die Kosten des Marktzugangs erhöht. Aufschluss geben werden die Entwicklung der Geld-Brief-Spannen, die Marktanteile der großen Häuser und ihre Abhängigkeit von wenigen Cloud-Anbietern.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.