Nordkoreanische Hacker haben laut dem On-Chain-Analysten SomaXBT binnen zwei Tagen rund 242 Millionen US-Dollar aus dem Binance-Diebstahl über das Tron-Netzwerk gewaschen. Etwa 140 Millionen davon liefen über vier Cross-Chain-Dienste. Der Fall zeigt, wo die Abwehr gegen Geldwäsche im Kryptomarkt derzeit am schwächsten ist.
Was über den Angriff und die Geldflüsse bekannt ist
Am 29. Oktober 2026 verlor Binance nach eigener Schätzung rund 6,3 Milliarden US-Dollar. Das FBI ordnete den Diebstahl zwei Tage später in einer Warnung der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu. Dieselbe Gruppe hatte die Behörde bereits für den Bybit-Hack im Februar 2025 verantwortlich gemacht. Das FBI erwartet, dass die Beute über DeFi-Protokolle und Sofort-Tauschdienste weiter gewaschen wird.
Auf Tron zeigt sich dieser Weg bereits. Laut SomaXBT wickelte Relay mit 48 Millionen US-Dollar den größten Anteil ab, gefolgt von THORChain, Chainflip und Symbiosis (Stand: 1. November 2026). Das FBI forderte unter anderem die Node-Betreiber von THORChain auf, Transaktionen der gelisteten Adressen zu blockieren. Tron-Adressen enthält die Liste der Behörde allerdings keine.
Warum Bridges das Screening überfordern
Cross-Chain-Bridges verschieben Vermögenswerte zwischen Blockchains, oft ohne zentrale Instanz. Relay gibt an, Adressen mit Risikodaten Dritter und einer eigenen Sperrliste zu prüfen. Trotzdem liefen Millionen über den Dienst. Symbiosis räumte auf X ein, das eigene Screening sei für normale Flüsse gebaut und habe Lücken.
Hinzu kommt das Tempo. Laut Elliptic zahlte die zentrale Tron-Wallet der Angreifer 31 Stunden lang stündlich aus. Wies eine Bridge Einzahlungen ab, schickten neue Wallets die Mittel automatisch erneut los. Eine einmalige Prüfung einer Adresse reicht bei diesem Muster nicht aus.
Auch Sperren durch Stablecoin-Emittenten lassen sich teilweise umgehen. Nach Angaben von Chainalysis hinterlegten die Angreifer Stablecoins in DeFi-Protokollen auf Tron. Im Gegenzug erhielten sie Quittungstoken, die sich nicht einfrieren lassen, und lösten diese später von neuen Adressen ein.
Was Investoren und Verwahrer daraus ableiten
Elliptic hat 2,85 Milliarden US-Dollar als eingefroren oder beschlagnahmt verifiziert, rund 44 Prozent der Beute (Stand: 1. November 2026). Fast alles davon sind Stablecoins. Bitcoin und andere Vermögenswerte ohne zentralen Emittenten lassen sich dagegen nicht sperren. Ob gestohlene Mittel gestoppt werden, entscheidet damit vor allem der Emittent eines Tokens.
Für institutionelle Anleger mit Digital-Asset-Exposure erweitert sich deshalb die Prüfung. Neben Börsen und Verwahrern rücken die Protokolle in den Blick, über die Gegenparteien Liquidität beziehen. Nach Einschätzung von altii wird künftig zählen, ob ein Dienst Sperrlisten laufend und nicht nur punktuell abgleicht.
Worauf es jetzt ankommt
Offen ist, wie THORChain auf die Aufforderung des FBI reagiert. Mitgründer Chad Barraford verwies auf X auf die öffentliche Nachvollziehbarkeit der Blockchain, ließ eine Sperre aber offen. Die Geldwäsche nach dem Bybit-Hack zog sich laut Elliptic über Monate hin, Ähnliches erwartet die Firma auch diesmal. Wie die Bridges in dieser Zeit handeln, zeigt, ob dezentrale Infrastruktur die Anforderungen der Geldwäscheprävention erfüllen kann.
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