Digitaler Euro: EZB vergibt das Netz an Nexi, Telekom und Telefónica

Digital Investing and CryptoDigitaler Euro: EZB vergibt das Netz an Nexi, Telekom und Telefónica

Die Europäische Zentralbank hat die Netzwerkdienstleister für den digitalen Euro ausgewählt. Den Zuschlag erhielten zwei Bietergemeinschaften: Nexi mit Deutsche Telekom Business Solutions sowie Telefónica mit Indra. Damit steht die Leitungsebene des Projekts, bevor die EU über dessen Rechtsgrundlage entschieden hat.

Wer das Netz des digitalen Euro betreibt

Die beiden Anbieter verbinden Zahlungsdienstleister und nationale Zentralbanken mit der Plattform des digitalen Euro und deren Komponenten untereinander. Das geht aus der Mitteilung der EZB vom 30. Oktober 2026 hervor. Der Vertrag mit Nexi und der Telekom-Tochter gilt seit dem 28. September 2026 und deckt zunächst den Pilotbetrieb ab. Telefónica und Indra folgen im Mai 2027.

Ab 2029 sollen beide Anbieter für eine mögliche Ausgabe bereitstehen. Jeder Zahlungsdienstleister, der den digitalen Euro anbietet, kann zwischen den beiden Netzen wählen. Laut der Bekanntmachung auf dem EU-Vergabeportal TED liegt der Höchstwert beider Verträge bei 355,32 Millionen Euro (Stand: Ausschreibung 2025). Das ist eine Obergrenze, kein zugesagter Umsatz.

Die Netzverträge schließen eine Lücke in der Architektur. Bereits im Oktober 2025 hatte die EZB Rahmenverträge für fünf Kernkomponenten vergeben, darunter Betrugsabwehr, Offline-Zahlungen und eine App mit Entwicklungsbaukasten. Ohne Netz bleiben diese Bausteine voneinander und vom Markt getrennt.

Warum die EZB auf zwei Anbieter setzt

Die Doppelvergabe folgt einem bekannten Muster. Auch der Zugang zu den TARGET-Diensten T2, T2S und TIPS läuft über zwei Netzwerkdienstleister, nämlich Nexi-Colt und SWIFT. Direkt angebundene Teilnehmer schließen dort mit mindestens einem der beiden einen Vertrag. Das senkt die Abhängigkeit von einem einzelnen Betreiber und schafft Wettbewerb beim Anschluss.

Nexi tritt damit in zwei Infrastrukturen des Eurosystems als Netzbetreiber auf. Die EZB betont zudem, dass die Verträge beweglich bleiben. Sie kann die bestellten Leistungen im Pilot und in späteren Phasen an den Bedarf anpassen.

Was Banken und Investoren jetzt beobachten sollten

Rechtlich ist der digitale Euro noch nicht beschlossen. Die EZB will für eine erste Ausgabe im Lauf des Jahres 2029 bereit sein, sofern die EU die nötige Gesetzgebung 2026 verabschiedet. EZB-Direktor Piero Cipollone nannte im Interview mit Milano Finanza für 2027 einen Pilotbetrieb.

Für Banken und Zahlungsdienstleister wird die Anbindung damit greifbar. Wer den digitalen Euro anbietet, muss sich für mindestens eines der beiden Netze entscheiden. Für Asset Manager und institutionelle Investoren ist der Schritt vor allem ein Signal.

Die EZB bindet sich an langlaufende Infrastruktur, bevor die politische Entscheidung gefallen ist. Nach unserer Einschätzung erhöht das den Druck auf die Verhandlungen in Brüssel, ersetzt sie aber nicht. Offen bleibt, ob Parlament und Rat die Verordnung bis Jahresende verabschieden. Gelingt das nicht, gerät der Zeitplan für 2029 unter Druck, den die EZB an genau diese Bedingung knüpft.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.