Banken und KI-Agenten: Das größere Risiko sitzt im eigenen Haus

AIBanken und KI-Agenten: Das größere Risiko sitzt im eigenen Haus

Mehrere Großbanken sperren derzeit persönliche KI-Agenten ihrer Kunden aus. Die größere Aufgabe liegt laut dem Evident Banking Brief vom 29. Oktober 2026 jedoch bei den eigenen Agenten. Wie Banken diese einhegen, zeigt Investoren, wie sie Produktivität und Kontrolle abwägen.

Warum Banken ihre eigenen Agenten einhegen

JPMorganChase, Bank of America, RBC und PNC haben Agenten von außen untersagt, etwa Metas Muse. FIS-Chefin Stephanie Ferris nennt den Grund: Banken können kaum erkennen, ob ein solcher Agent echt oder gefälscht ist. Intern wächst nach Darstellung von Evident ein zweites Problem. Banken übertragen ihren eigenen Agenten größere Aufgaben und mehr Freiheiten.

JPMorganChase-CIO Lori Beer sagte auf dem Evident AI Symposium in New York, die Technik laufe den Fähigkeiten voraus, sie zu steuern. Ihre Bank entscheidet deshalb laufend, welche Vorhaben sie stoppt. Daraus entstehen 15 Schutzregeln, etwa dazu, wie Agenten ihre Identität nachweisen und welche Rechte sie erhalten. Goldman-Sachs-CIO Marco Argenti verankert die Regeln nach dem Zero-Trust-Prinzip der IT-Sicherheit fest in der Umgebung der Agenten.

Dauerhaft eingehegt bleiben sollen die Agenten nicht. Bei Nubank bearbeitete ein Agent zunächst verlorene Karten und beantwortet inzwischen alle Kundenfragen zur Kartenverwaltung. Rohan Ramanath, bei Nubank für KI zuständig, vergleicht das mit der Beförderung eines Analysten.

Was TD Bank im Kreditgeschäft zeigt

Wie Agenten mit klaren Grenzen arbeiten, zeigt TD Bank U.S. Die Bank hat am 22. Oktober 2026 TD Credit Assist vorgestellt. Das System erstellt den ersten Entwurf einer gewerblichen Kreditanalyse in unter 30 Minuten. Bisher dauerte das bis zu drei Arbeitstage.

Spezialisierte Agenten werten die Unterlagen einer Kreditprüfung aus und liefern einen Entwurf mit Quellenverweisen. Die Kreditanalysten prüfen ihn, hinterfragen ihn und treffen die Entscheidung. In Tests bestanden laut TD 95 Prozent der Entwürfe die Prüfung durch Fachexperten (Stand: Oktober 2026). Ted Paris, bei TD für Analytics und KI zuständig, sieht Potenzial, weitere Schritte im Kreditprozess zu automatisieren.

Worauf Investoren jetzt achten sollten

Für Asset Manager und institutionelle Investoren verschiebt sich damit die Frage an Banken. Die Zahl der gemeldeten KI-Anwendungsfälle sagt wenig. Aussagekräftiger ist, ob ein Institut Zuständigkeiten, Rechte und Prüfschritte für seine Agenten klar regelt. Ferris formulierte dafür eine einfache Regel: Ohne benannten Verantwortlichen für das Ergebnis darf kein Agent laufen.

Offen bleibt die Kostenseite. ING-CTO Daniele Tonella sagte, höhere Ausgaben für KI-Tokens müssten sich in mehr Ertrag oder niedrigeren Kosten zeigen. Bank-of-America-CTIO Hari Gopalkrishnan hält verlässliche Prognosen der Token-Kosten derzeit kaum für möglich. Nach Einschätzung von altii werden Governance und Kostenkontrolle bei Agenten zu Kriterien, nach denen Investoren Banken und Dienstleister vergleichen.

Am 17. November 2026 will Evident den ersten AI Index für Asset Management veröffentlichen. Er erfasst 30 große Vermögensverwalter und soll zeigen, welche Häuser beim KI-Einsatz führen. Damit ließe sich erstmals vergleichen, wie weit die Branche bei denselben Fragen ist.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.