ESMA klärt Auslegungsfragen zu MiCA, Crowdfunding und Clearing

Digital Investing and CryptoESMA klärt Auslegungsfragen zu MiCA, Crowdfunding und Clearing

Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA hat am 16. Oktober 2026 fünf neue Fragen und Antworten veröffentlicht. Sie betreffen Krypto-Dienstleister nach MiCA, Crowdfunding-Plattformen und das aktive Konto nach EMIR. Für Compliance-Teams zählen solche Klarstellungen, weil sie zeigen, wie die Aufsicht die Regeln im Alltag liest.

Kundengelder und Gebührenmodelle im Blick

Für Krypto-Dienstleister (CASPs) geht es um Kundengelder. Geklärt wird, ob sie diese auf Zahlungskonten halten dürfen, die Zahlungsdienstleister ohne Banklizenz führen (Q&A 2949). Den Rahmen setzt Artikel 70 der MiCA-Verordnung zur Verwahrung von Kundengeldern. Wie eng die Aufsicht diesen Artikel liest, zeigt eine frühere Antwort: Zinsen auf solche Gelder stehen den Kunden zu (Q&A 2486).

Die Crowdfunding-Frage betrifft Plattformen, die Registrierungs-, Mitglieds- oder Zugangsgebühren verlangen (Q&A 2950). ESMA spricht von „Investment Club“-Modellen. Geklärt wird, wie die europäische Crowdfunding-Verordnung ECSPR auf sie anzuwenden ist.

Rechenfragen zum aktiven Konto nach EMIR

Drei Antworten betreffen die Active Account Requirement (AAR) aus der EMIR-3-Reform. Sie verpflichtet bestimmte Gegenparteien, Zinsderivate in Euro und Zloty auch über ein Konto bei einer zentralen Gegenpartei in der EU zu clearen. Die neuen Q&As klären Rechenwege. Gefragt ist, ob die „one-half“-Regel je Derivateklasse oder über alle Klassen gilt (Q&A 2936).

Eine zweite Antwort betrifft die Berechnung des ausstehenden Clearingvolumens (Q&A 2937). Davon hängt ab, ob ein Haus der Pflicht zum repräsentativen Clearing unterliegt. Die dritte regelt, wie Laufzeiten berechnet und Geschäfte den Laufzeitbändern zugeordnet werden (Q&A 2938). Bereits im Juli 2025 hatte ESMA festgehalten, dass auch Häuser mit 85 Prozent EU-Clearing repräsentativ clearen müssen (Q&A 2517).

Was Entscheider jetzt abgleichen sollten

Laut ESMA erläutern Q&As bestehende Vorschriften, ohne neue Pflichten zu schaffen. Nach Einschätzung von altii richten sich nationale Aufseher in der Praxis dennoch daran aus. Banken und Asset Manager mit Zinsderivatebüchern sollten ihre AAR-Berechnungen gegen die neuen Antworten prüfen. Krypto-Anbieter sollten die Kette prüfen, über die sie Kundengelder halten.

Der Takt dürfte zunehmen. ESMA hat Innovation und digitale Finanzen ab 2027 zur strategischen Aufsichtspriorität erklärt. Parallel liegen der EU-Kommission ESMAs Vorschläge zur Überarbeitung von MiCA vor. Offen bleibt, wie viel der Auslegung später in den Verordnungstext selbst wandert.

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