Fair Finance Week 2026: Wer finanziert die Transformation, und wer trägt sie mit?

EventsFair Finance Week 2026: Wer finanziert die Transformation, und wer trägt sie mit?

Vom 27. bis 29. Oktober 2026 findet in Frankfurt am Main die 13. Fair Finance Week statt. Drei Abendveranstaltungen in der Evangelischen Akademie und im Haus am Dom stehen unter dem Motto „Zukunftsbilder für ein gutes Klima in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt“. Ausgerichtet wird die Reihe vom Fair Finance Network, zu dem laut Veranstalter die GLS Bank, Invest in Visions und der Oikocredit Förderkreis Hessen-Pfalz gehören, unterstützt von der Stadt Frankfurt sowie den beiden Akademien. Alle Abende laufen hybrid: vor Ort mit Anmeldung, online im Livestream und anschließend als Aufzeichnung auf YouTube. altii begleitet die Fair Finance Week als Medienpartner.

Warum das Programm für Kapitalentscheider relevant ist

Die Debatte über nachhaltige Finanzierung hat sich in den vergangenen Jahren verschoben. Lange ging es vor allem um Taxonomie, Offenlegung und Labels. Inzwischen rückt eine grundsätzlichere Frage in den Vordergrund: Wie lässt sich die Transformation finanzieren, ohne dass ihre Kosten die gesellschaftliche Akzeptanz untergraben? Für institutionelle Investoren ist das keine akademische Frage. Politische Mehrheiten für Klimaschutz bestimmen, wie stabil regulatorische Rahmenbedingungen, Förderprogramme und damit die Ertragsannahmen vieler Real-Asset- und Infrastrukturinvestments sind.

Das Programm der diesjährigen Fair Finance Week greift genau diese Spannung auf. Es bringt Vertreter von Banken, Entwicklungsfinanzierung, Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft an einen Tisch. Der Erkenntnisgewinn liegt weniger in einzelnen Produkten als in der Frage, wie unterschiedliche Akteure Verantwortung und Risiken in der Finanzierung des Klimaschutzes verteilen wollen.

Dienstag, 27. Oktober: Klimaschutz und gesellschaftliches Klima

Der Auftakt in der Evangelischen Akademie Frankfurt am Römerberg trägt den Titel „Besseres Klima? Streit um Zukunft und Gesellschaft“. Die Veranstalter fragen, ob ökologische Finanzierung zwangsläufig mit sozialen oder wirtschaftlichen Einbußen erkauft werden muss, wer die Transformation bezahlen soll und welche Prioritäten dabei gelten. Nach einem Grußwort von Stadträtin Tina Zapf-Rodríguez diskutieren Dr. Bastian Bergerhoff, ehemaliger Kämmerer der Stadt Frankfurt, Dr. Astrid Herrmann, Direktorin CSR und Sustainable Finance der Evangelischen Bank, Markus Müller, Chefanlagestratege Nachhaltigkeit und Globaler Leiter des Chief Investment Office der Deutschen Bank, sowie Claudia Tober, Geschäftsführerin des cric e.V. Es moderiert Judith Kösters aus der Klimaredaktion des Hessischen Rundfunks.

Die Besetzung ist bemerkenswert, weil sie die Perspektiven eines öffentlichen Haushalts, einer kirchlichen Bank, eines großen Vermögensverwalters und eines Verbands für ethisch-nachhaltige Geldanlage zusammenführt. Gerade die Frage nach der Lastenverteilung zwischen öffentlichem und privatem Kapital dürfte für Allokationsentscheider aufschlussreich sein. Vorab bietet die urgewald-Mitarbeiterin Clara Bautz von 18 bis 19 Uhr einen Workshop zum Thema „Zukunft auf dem Spiel: Investieren für ein besseres Klima“ an, eingebettet in die Fahrradaktion Road2COP31 auf dem Weg zur UN-Klimakonferenz COP31.

Mittwoch, 28. Oktober: Zukunftsbilder 2045

Am zweiten Abend im Haus am Dom geht es um „Zukunftsbilder 2045: Eine Reise in die Welt von morgen“. Ausgangspunkt ist das gleichnamige Buch von Lino Zeddies (Reinventing Society), das anhand bestehender Pilotprojekte skizziert, wie eine Stadt im Jahr 2045 aussehen könnte. Mit ihm diskutieren Stadträtin Tina Zapf-Rodríguez, Prof. Dr. Jan Dieterle von der Frankfurt University of Applied Sciences und Birgit Kasper vom Netzwerk Gemeinschaftliches Wohnen. Moderiert wird der Abend von Sebastian Schreiber (hr INFO).

Der Abend ist weniger finanzmarktnah als die beiden anderen. Für Investoren in Wohnimmobilien und städtische Infrastruktur liefert er dennoch Hinweise darauf, welche Nutzungsformen, Quartierskonzepte und Mobilitätsmodelle in der kommunalen Planung an Gewicht gewinnen.

Donnerstag, 29. Oktober: Globale Partnerschaften und Solarfinanzierung

Der Abschluss, ebenfalls im Haus am Dom, richtet den Blick auf die internationale Dimension: „Klimawandel und Globale Partnerschaften. Wie wir gemeinsam die Krise bearbeiten können“. Am Beispiel von Solarprojekten soll erörtert werden, wie sich Vorhaben gestalten und nachhaltig finanzieren lassen und welche Rolle Staatengemeinschaft, Wirtschaft und Bürger dabei übernehmen. Auf dem Podium sitzen Silvie Kreibiehl, Vorsitzende des Präsidiums von Germanwatch, Martin Ihm, Geschäftsführer der Klimakollekte, und Jan G. Andreas, Senior Portfoliomanager der KfW Entwicklungsbank. Die Moderation übernimmt Melanie Nolte, Vizepräsidentin der IHK Frankfurt.

Für institutionelle Investoren ist dieser Abend der unmittelbare. Die Finanzierung erneuerbarer Energien in Schwellen- und Entwicklungsländern hängt maßgeblich von Strukturen ab, in denen öffentliche Entwicklungsbanken Risiken übernehmen, um privates Kapital zu mobilisieren. Wie Praktiker aus Entwicklungsfinanzierung und Kompensationsmarkt diese Arbeitsteilung bewerten, ist eine Einschätzung, die sich intern weiterdiskutieren lässt.

Organisatorisches

Alle drei Diskussionsabende beginnen um 19 Uhr und enden gegen 21 Uhr, der Einlass ist jeweils ab 18:30 Uhr. Für die Teilnahme vor Ort bitten die Veranstalter um Anmeldung über die verlinkten Veranstaltungsseiten, der Eintritt zum Auftaktabend ist laut Evangelischer Akademie frei. Den Livestream stellt die GLS Bank am jeweiligen Veranstaltungstag ohne Anmeldung über die Übersichtsseite der Fair Finance Week bereit.

Neben Frankfurt zeigen GLS Bank und Partner im Rahmen der Fair Finance Week zwischen dem 25. Oktober und dem 4. November Dokumentarfilme in weiteren Städten, darunter München, Bochum, Berlin, Braunschweig, Stuttgart, Freiburg und Hamburg. Die Reihe besteht seit 2014; das Fair Finance Network selbst entstand 2012 aus der Steuerungsgruppe „Fairtrade Town Frankfurt am Main“. Die Aufzeichnungen der Vorjahresabende, unter anderem zu Vermögenskonzentration und wertebasierter Finanzbildung, sind auf YouTube abrufbar und geben einen Eindruck vom Diskussionsformat.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.