KI-Überzeugung durch Gewinne gestärkt

Markets and NewsKI-Überzeugung durch Gewinne gestärkt

Die Finanzmärkte sind im Juli von erhöhter Volatilität im Technologiesektor und steigenden langfristigen Renditen geprägt worden. Anleger blickten kritischer auf KI-bezogene Investitionen, während geopolitische Spannungen erneut in den Vordergrund rückten. Zugleich blieben die fundamentalen Treiber in der breiteren Wirtschaft und im Technologie-Investitionszyklus widerstandsfähig. „Juli hat unsere Überzeugung für Unternehmen gestärkt, die von Künstlicher Intelligenz profitieren dürften“, schreibt Michaël Lok, Group CIO und Co-CEO Asset Management der Schweizer Privatbank UBP, im aktuellen House View. Die Berichtssaison habe gezeigt, dass sich KI-Ausgaben zunehmend in Umsätzen niederschlagen und zentrale Bereiche des KI-Ökosystems weiterhin solide Fundamentaldaten aufweisen.

KI-Monetarisierung rückt stärker in den Fokus
Die Skepsis gegenüber den Erträgen aus dem Ausbau der KI-Infrastruktur führte im Juli zu deutlicher Streuung innerhalb des Technologiesektors. Besonders betroffen waren Halbleiter, Speicherchipanbieter sowie Industrie- und Energieunternehmen, die mit dem Aufbau von Infrastruktur verbunden sind. Zugleich bestätigte die Berichtssaison aus Sicht der UBP, dass die Monetarisierung voranschreitet: Das Wachstum der Cloud-Umsätze übertraf die Erwartungen und lag im zweiten Quartal im Durchschnitt bei 43 Prozent. „Die Ergebnisse des zweiten Quartals lieferten weitere Belege dafür, dass KI-Investitionen in höhere Cloud-Umsätze und eine stärkere Monetarisierung entlang zentraler Teile der KI-Wertschöpfungskette übergehen“, schreibt Lok. Damit bleibt die langfristige Investmentthese nach Einschätzung der UBP intakt, insbesondere bei ausgewählten US-Technologieführern.

Auch jenseits des Technologiesektors bleibt das Gewinnbild in den USA robust. Ohne Technologie lag das Gewinnwachstum im S&P 500 im zweiten Quartal weiterhin im zweistelligen Bereich, mit einem medianen EPS-Wachstum von 17 Prozent. Selektivität bleibt daher entscheidend: Strukturelle Engagements in Wachstumsthemen werden mit systematischen, optionsbasierten quantitativen Investmentstrategien kombiniert, die laufende Erträge generieren, Marktschwankungen abfedern und eine ausgewogene Risikoallokation ermöglichen sollen.

Weltwirtschaft trotzt höheren Ölpreisen
Auf makroökonomischer Ebene erwartet die UBP, dass sich das globale Wachstum 2026 nach 3,4 Prozent im Vorjahr weiterhin nahe bei 3,0 Prozent ansiedelt. Die Schockwellen aus dem Konflikt im Nahen Osten und die steigenden Gas- und Ölpreise konnten die positive Dynamik letztlich nicht brechen. Die Weltwirtschaft zeigt sich widerstandsfähig, ist aber zunehmend fragmentiert: Die USA und Asien, insbesondere Exporteure neuer Technologien, wachsen weiter solide, während Europa und energieimportierende Schwellenländer anfällig bleiben. „Der Höhepunkt der Inflation liegt wahrscheinlich hinter uns“, schreibt Lok. Voraussetzung für einen allmählichen Rückgang der Inflation in der zweiten Jahreshälfte wäre jedoch, dass die Spannungen im Nahen Osten nachhaltig nachlassen.

Eine vollständige Wiedereröffnung der Straße von Hormus könnte die Aktivität zusätzlich beleben und den Brent-Ölpreis nach Einschätzung der UBP in einer Spanne zwischen 70 und 90 US-Dollar je Barrel halten. Die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft beruhte in der ersten Jahreshälfte auf mehreren Faktoren, darunter strategische Ölreserven, US-Energieexporte, Lageraufbau, Ersparnisse der Verbraucher und fiskalische Maßnahmen. Der Konsum fiel dadurch stärker aus als erwartet, während China wegen der anhaltenden Immobilienkrise eine Ausnahme blieb.

Geduldige, aber wachsame Notenbanken
Die Europäische Zentralbank und mehrere Zentralbanken in den Schwellenländern haben ihre Leitzinsen bereits als Reaktion auf den Inflationsanstieg erhöht. Generell gaben sich die Notenbanken nach wie vor geduldig, doch angesichts der soliden Entwicklung bei Wachstum und Beschäftigung dürfte die Toleranz gegenüber Preisabweichungen begrenzt sein. Bei niedrigeren Ölpreisen könnten die Fed und die Bank of England ihre Zinsen unverändert belassen, während die EZB ihre Sätze im September nach Einschätzung der UBP um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent anheben dürfte.

Aktien könnten trotz höherer Renditen weiter steigen
Für US-Unternehmen bleibt aus Sicht der UBP entscheidend, dass die Gewinnerwartungen seit Jahresbeginn von 12 auf 24 Prozent gestiegen sind. Damit zahlen Anleger trotz eines Anstiegs des S&P 500 um 11 Prozent bis Ende Juli heute angesichts eines KGV von 19,8 weniger als zu Jahresbeginn bei einem KGV von 22,1. Wesentlich für diese Aufwärtsrevisionen waren die Effekte des Anfang 2026 vollständig umgesetzten US-Fiskalprogramms, das die Bautätigkeit in der Strombranche und von Rechenzentren deutlich anschob. „Der Fokus auf das Gewinnwachstum und das Potenzial positiver Gewinnüberraschungen sollte bis Jahresende der wichtigste Treiber der Aktienrenditen bleiben“, schreibt Lok. Trotz Unsicherheit in Bezug auf die Fed, den Nahost-Konflikt und die Anleiherenditen bleiben die Gewinnperspektiven für die UBP der zentrale Orientierungspunkt.

Anleihen: Carry bleibt zentral
Im Anleihebereich war der Juli vor allem von steigenden Renditen geprägt. Dreißigjährige US-Staatsanleihen erreichten im Tagesverlauf 5,28 Prozent und damit den höchsten Stand seit Juli 2007. Öl legte um 24 Prozent zu, die Inflationsprämien bauten sich wieder auf, und die Kurven versteilerten sich. Belastet wurden Treasuries, Investment-Grade-Anleihen, Hochzinsanleihen, AT1s und Schwellenländeranleihen. „Wir bevorzugen weiterhin ausgewählte Hochzins- und Schwellenländeranleihen, um den Portfolio-Carry zu stärken“, so Lok. Im Fokus stehen sorgfältig ausgewählte Anlagechancen an den Lokalwährungs- und Frontier-Märkten.

Bild © UBP

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