Privatbanken: Rekordvermögen der Kunden, schrumpfende Margen

Markets and NewsPrivatbanken: Rekordvermögen der Kunden, schrumpfende Margen

Vermögende Privatkunden besitzen so viel wie nie, doch Privatbanken verdienen an jedem verwalteten Euro weniger. Das zeigt die Ende Oktober 2026 veröffentlichte Studie „Too Rich, Too Thin?“ der Londoner Investmentbank Anglo-Suisse Capital. Für Banken, Vermögensverwalter und Family Offices stellen sich damit Fragen nach Größe, Angebot und Partnern neu.

Mehr Vermögen, weniger Ertrag pro Euro

Das Vermögen der Millionäre weltweit erreichte 2025 laut Capgemini World Wealth Report 2026 einen Rekordwert. Gleichzeitig fiel die Ertragsmarge europäischer Privatbanken nach Daten von McKinsey von 76 auf 73 Basispunkte (Stand: 2025). Die Cost-Income-Ratio der Branche verharrt in den oberen Sechzigern.

Hinzu kommt eine schwächere Kundenbindung. Laut Anglo-Suisse nutzten 2025 nur noch 19 Prozent der vermögenden Kunden einen einzigen Anbieter, 2019 waren es 39 Prozent. Wer mehrere Häuser parallel beauftragt, vergleicht Gebühren und Leistungen genauer. Nach unserer Einschätzung erklärt das einen Teil des Margendrucks, auch wenn die Studie diesen Zusammenhang nicht beziffert.

Auch geografisch verschieben sich die Gewichte. Hongkong hat die Schweiz 2025 beim grenzüberschreitend verwalteten Vermögen laut Studie knapp überholt. Für Schweizer Häuser wächst damit der Wettbewerb um internationale Kunden.

Wo das Angebot hinter der Nachfrage zurückbleibt

Für die Studie hat Anglo-Suisse öffentliche Angaben von 270 Privatbanken an neun Buchungsstandorten ausgewertet. Nur 19 davon bieten Kunden direkten Zugang zu Kryptowährungen, zehn davon über einen Partner. Direkte Privatmarkt-Transaktionen oder Co-Investments ermöglichen 50 Häuser, weitere 122 nur Fondslösungen.

Die Aussagekraft dieser Zählung hat Grenzen. Die USA sind nicht erfasst. Zudem zählt die Erhebung nur öffentlich dokumentierte Angebote, diskrete Lösungen für einzelne Kunden bleiben unsichtbar.

Konsolidierung als naheliegende Antwort

Am stärksten trifft der Druck kleinere Häuser. Die Zahl der Schweizer Privatbanken hat sich laut KPMG Schweiz und der Universität Sankt Gallen seit 2010 fast halbiert. Viele der verbliebenen Institute arbeiten mit einer Cost-Income-Ratio von 80 Prozent oder mehr. Anglo-Suisse erwartet bis Ende 2027 weniger als 75 Schweizer Privatbanken.

CEO Charles Hancock sieht jeden Vorstand vor der Wahl, Käufer, Verkäufer oder Partner zu werden. Bei der Einordnung hilft ein Blick auf den Absender. Anglo-Suisse berät selbst bei Übernahmen und kann von einer Konsolidierungswelle profitieren. Die Zahlen zu Margen und Bankenzahl stammen allerdings von McKinsey und KPMG.

Worauf Entscheider jetzt achten

Für Vermögensverwalter und Family Offices verschiebt sich die Verhandlungsposition. Wer Mandate auf mehrere Banken verteilt, kann Zugang zu Privatmärkten und digitalen Assets gezielter einfordern. Banken müssen entscheiden, ob sie solche Angebote selbst aufbauen, zukaufen oder über Partner beziehen. Anglo-Suisse erwartet, dass Partnerschaften im Kryptogeschäft der Hauptweg bleiben.

Für Asset Manager mit Privatmarkt- oder Digital-Asset-Produkten öffnet sich damit nach unserer Einschätzung ein Vertriebskanal. Banken, die kein eigenes Angebot aufbauen, brauchen verlässliche Produktpartner.

Offen ist, ob Kostensenkung und KI den Margenverfall ausgleichen. Laut Studie erwarten 76 Prozent der Schweizer Privatbanken von KI im kommenden Jahr keine oder nur geringe Einsparungen. Anglo-Suisse will die eigenen Prognosen 2027 überprüfen, dann zeigt sich, wie schnell die Konsolidierung tatsächlich voranschreitet.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.