Roland Berger: Restrukturierungsfälle steigen, KI bleibt Pilot

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In der deutschen Wirtschaft nehmen Sanierungsfälle zu, und sie werden schwieriger. Das zeigt die im September 2026 veröffentlichte Restrukturierungsstudie von Roland Berger. Befragt wurden 130 Fachleute aus dem deutschsprachigen Raum. Für Kreditgeber und Investoren in Private Debt oder Private Equity verschiebt sich damit die Risikolage im Portfolio.

Stagnation als Grundannahme

65 Prozent der Befragten erwarten für die kommenden zwölf Monate eine unveränderte Wirtschaftsleistung, 29 Prozent einen Rückgang. Nur 6 Prozent rechnen mit Wachstum. Als größte Belastung nennen die Experten Bürokratie und Regulierung, Energiepreise haben gegenüber dem Vorjahr deutlich an Gewicht gewonnen. Mehr als die Hälfte hält die Unternehmen für schlecht auf eine weitere Abschwächung vorbereitet.

Die Lage zeigt sich direkt im Sanierungsgeschäft: 83 Prozent der Praktiker beobachten steigende Fallzahlen, mehr als 60 Prozent längere Verfahren. Den größten Handlungsbedarf sehen die Befragten in der Automobilindustrie, danach im Maschinen- und Anlagenbau. Spürbar zugenommen hat der Druck auch in der Chemie sowie in Pharma und Gesundheitswesen.

Was längere Verfahren für Kapitalgeber bedeuten

Die Befragten berichten von komplexeren Finanzierungs- und Gläubigerstrukturen. Einvernehmliche Lösungen werden dadurch langsamer und binden mehr Liquidität. Für Kreditgeber heißt das: Problemkredite bleiben länger in der Bearbeitung. Die Abstimmung zwischen Banken, Fonds und Gesellschaftern wird aufwendiger.

Nach unserer Einschätzung betrifft das nicht nur Finanzierer großer Industrieunternehmen. Schwierigkeiten bei Herstellern übertragen sich über Zulieferer und Dienstleister auf weitere Kreditnehmer, gerade bei regional tätigen Instituten. Frühwarnsysteme und die Bearbeitung von Problemkrediten gewinnen damit an Gewicht.

Zugleich erwartet eine deutliche Mehrheit mehr Verkäufe und andere strukturelle Lösungen. Daraus können Gelegenheiten für Special-Situations-Strategien und Distressed M&A entstehen. Voraussetzung sind belastbare Geschäfts- und Liquiditätsplanungen, die die Experten als wichtigsten Erfolgsfaktor nennen.

KI beschleunigt die Analyse, entscheiden bleibt Menschensache

Drei Viertel der Befragten erwarten, dass KI Diagnose und Umsetzung beschleunigt. Verankert ist sie bislang kaum: 45 Prozent berichten von einzelnen Pilotprojekten, kein Befragter von einem breiten Einsatz. Als Bedingungen nennen die Experten nachweisbare Qualität, Vertraulichkeit und Transparenz.

Nur 4 Prozent erwarten durch KI eine höhere Erfolgsquote. Verhandlung, Vertrauen und Führung bleiben aus Sicht der Befragten menschliche Aufgaben. Roland-Berger-Partner Adrian Pielken sagt sinngemäß, KI verändere die Arbeit der Restrukturierer, ihre Verantwortung bleibe dieselbe.

Worauf Investoren jetzt achten

Die Studie beruht auf einer Befragung von Restrukturierungsexperten und ist keine Ausfallstatistik. Ihre Aussagekraft liegt in der Richtung der Einschätzungen. Ob sie sich in Insolvenz- und Ausfallzahlen niederschlagen, zeigen die kommenden Quartale.

Für Allokationsentscheidungen ist vor allem die Branchenkonzentration relevant. Wer über Kreditfonds oder Beteiligungen bei Zulieferern der Autoindustrie engagiert ist, dürfte Covenants und Liquiditätsreserven genauer betrachten. Offen bleibt, ob KI-gestützte Analyse Krisen früh genug erkennt, solange die Spielräume für eine Sanierung noch groß sind.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.