Die Aktien der großen Speicherhersteller sind Mitte Oktober 2026 deutlich gefallen. Auslöser waren eine Ankündigung des chinesischen Herstellers CXMT und eine südkoreanische Zeitungskolumne, die für 2029 ein Überangebot an Speicherchips erwartet. Für Investoren mit KI-Infrastruktur im Portfolio stellt sich damit die Frage, wie lange der aktuelle Speicherzyklus trägt.
Woher die Prognose für 2029 stammt
Die Warnung geht auf keine Studie eines Analystenhauses zurück. Sie stammt aus einer Meinungskolumne der südkoreanischen Wirtschaftszeitung Maeil Business Newspaper. Der Autor beruft sich nach der Übersetzung von CNBC auf zwei Fachleute. Genannt werden ein Professor der Seoul National University und Ahn Ki-hyun vom Branchenverband Korea Semiconductor Industry Association.
Beide erwarten für 2029 eine Welle neuer Kapazitäten. Ab 2030 könne der Superzyklus enden und die Branche in einen Abschwung geraten, heißt es in der Kolumne.
Der Markt reagierte heftig: Laut CNBC verlor SK Hynix binnen fünf Handelstagen 26 Prozent, Samsung 22 Prozent (Stand 15. Oktober 2026). Der südkoreanische Leitindex KOSPI fiel am 13. Oktober zeitweise unter 6.000 Punkte, berichtet KED Global.
Warum China das Bild verschiebt
Den ersten Impuls gab CXMT. Der chinesische DRAM-Hersteller kündigte am 10. Oktober an, bis Ende 2026 ein Servermodul auf Basis einer dichteren Zellarchitektur vorzustellen. Fachleute in Korea werten das laut Herald Corporation als Vorankündigung. Angaben zu Ausbeute und Liefermengen fehlen bisher.
Gewicht hat dagegen der Marktanteil. Nach Daten von TrendForce erreichte CXMT im zweiten Quartal 2026 einen Anteil von 9,5 Prozent am weltweiten DRAM-Umsatz. Im Vorquartal waren es noch 7,6 Prozent. Der Hersteller verlagert sein Geschäft zudem von Smartphones zu Servern, also in das Kerngeschäft der etablierten Anbieter.
Was Entscheider daraus ableiten können
Nach unserer Einschätzung ist die Prognose ein Szenario einzelner Fachleute, kein Branchenkonsens. TrendForce beschreibt für das laufende Jahr ein Angebot, das der Nachfrage hinterherläuft. Neue Fabriken brauchen laut CNBC drei bis fünf Jahre bis zur Produktion. Gerade deshalb fallen heute beschlossene Kapazitäten in das Zeitfenster um 2029.
Das Muster ist aus früheren Zyklen bekannt. Knappheit treibt die Preise, die Hersteller bauen aus, und das zusätzliche Angebot drückt Jahre später auf die Margen. Offen ist, ob Langfristverträge mit Rechenzentrumsbetreibern diesen Ablauf diesmal abfedern.
Worauf es jetzt ankommt
Für institutionelle Anleger zählt der Abstand zwischen Gegenwart und Prognose. Die Kurse preisen ein Risiko ein, das frühestens in drei Jahren eintreten könnte. Zugleich zeigt die Reaktion, wie empfindlich hoch bewertete KI-Werte auf Zweifel an der Dauer des Zyklus reagieren. Für Fondsmanager mit Halbleiter- oder Infrastrukturexposition rückt die alte Zyklik der Speicherbranche damit wieder in den Blick.
Zu beobachten ist vor allem zweierlei. CXMT muss bis Jahresende zeigen, ob das angekündigte Servermodul marktreif ist. Die Investitionspläne von Samsung, SK Hynix und Micron für 2027 und 2028 entscheiden dann, wie groß das Angebot um 2029 tatsächlich wird.
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