Tether hat am 30. Oktober seine Zahlen für das dritte Quartal 2026 vorgelegt. Der Herausgeber des Stablecoins USDT meldet einen operativen Nettogewinn von 1,5 Milliarden US-Dollar und einen fast verdoppelten Reservepuffer. Für institutionelle Investoren zählt weniger der Gewinn als die Frage, wie belastbar die Deckung des größten Stablecoins ist.
Der Puffer wächst stärker als der Gewinn
Laut der Mitteilung von Tether übersteigen die Vermögenswerte die Verbindlichkeiten zum 30. September um 7,95 Milliarden US‑Dollar. Ende Juni waren es noch 4,1 Milliarden. Der Umlauf von USDT blieb mit rund 184 Milliarden US-Dollar weitgehend stabil. Gemessen an den Verbindlichkeiten entspricht der Puffer damit gut 4 Prozent.
Der Zuwachs des Puffers um 3,8 Milliarden ist mehr als doppelt so groß wie der Quartalsgewinn. Nach unserer Einschätzung erklären vor allem Kursgewinne bei Bitcoin und Gold die Differenz. Im zweiten Quartal wirkte dieser Effekt vermutlich in die Gegenrichtung. Laut der Mitteilung zum ersten Quartal lag der Puffer Ende März noch bei 8,23 Milliarden.
Was die Bestätigung von BDO abdeckt
Den Bericht zu Finanzzahlen und Reserven hat die Prüfungsgesellschaft BDO nach dem Standard ISAE 3000 (Revised) bestätigt. Die Bestätigung gilt für Vermögen und Verbindlichkeiten zum Stichtag. Eine Prüfung der Erträge über das Quartal ist sie nicht. BDO weist zudem darauf hin, dass die Bewertung normale Marktbedingungen unterstellt.
Der Bericht weist für die ersten neun Monate ein Finanzergebnis von 1,66 Milliarden US-Dollar aus. Tether selbst nennt für denselben Zeitraum 4,5 Milliarden US-Dollar operativen Gewinn. Die Mitteilung erklärt die Differenz nicht. Der operative Gewinn bleibt damit eine Angabe des Unternehmens.
Aufschlussreicher ist die Zusammensetzung der Reserven. Den größten Teil bilden US-Schatzwechsel und Reverse-Repo-Geschäfte, also kurzlaufende und liquide Anlagen. Gold, Bitcoin und besicherte Kredite machen zusammen gut ein Fünftel der Reserven aus. Diese Positionen schwanken im Wert oder lassen sich unter Stress schwerer liquidieren.
Was Entscheider daraus ableiten
Im Euroraum ist USDT nur eingeschränkt zugänglich. Tether hat für USDT keine Zulassung nach der EU-Verordnung MiCA beantragt. Nach einer Erklärung der ESMA dürfen Handelsplattformen in der EU solche Stablecoins nicht mehr zum Handel anbieten. Relevant bleibt USDT dennoch als Liquiditätsquelle im globalen Kryptohandel und als großer Käufer kurzlaufender US-Staatsanleihen.
Für Banken und Asset Manager mit Kryptobezug bleibt die Stabilität von USDT deshalb ein Marktrisiko. Ein Vertrauensverlust würde nach unserer Einschätzung Rücknahmen auslösen. Tether müsste dann in großem Umfang Schatzwechsel verkaufen.
Die Erträge hängen stark am kurzfristigen Dollarzins. Sinkt er, schrumpft die Zinsmarge auf die Reserven. Der Puffer dagegen folgt zunehmend den Kursen von Bitcoin und Gold. Für die Einschätzung von Gegenparteirisiken ist deshalb entscheidend, ob Tether den Puffer künftig aus laufenden Erträgen aufbaut oder weiter aus Bewertungsgewinnen.
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