Texas war bis zum Sommer der Ort, an dem Big Tech seine größten KI-Rechenzentren baute. Nach der Wahl vom 3. November regieren dort künftig Demokraten, die den Ausbau bremsen wollen. Für Investoren in digitale Infrastruktur wird ein sicher geglaubter Standort damit zum politischen Risiko.
Was sich in Texas politisch verschiebt
Laut MIT Technology Review gewann Gina Hinojosa die Gouverneurswahl gegen Amtsinhaber Greg Abbott. James Talarico setzte sich bei der Senatswahl gegen Ken Paxton durch. Im texanischen Repräsentantenhaus stellen die Demokraten erstmals seit 24 Jahren die Mehrheit. Beide Kandidaten hatten Rechenzentren zu einem zentralen Wahlkampfthema gemacht.
Die Wende begann allerdings schon vor der Wahl. Am 21. September wies Abbott die Umweltbehörde TCEQ an, keine Genehmigungen mehr für Rechenzentren zu erteilen. Der Stopp gilt, bis der Netzbetreiber ERCOT und die Wasserbehörde TWDB ihre Audits abgeschlossen haben, ein Enddatum gibt es nicht. Betreiber sollen zudem ihre Netzinfrastruktur selbst bezahlen und Haushalte nicht mit höheren Stromrechnungen belasten.
Hinojosa geht weiter. Sie unterstützte 2023 noch Steuervorteile für Rechenzentren, warb im Wahlkampf aber für ein vollständiges Moratorium. Auch Abbott wollte die finanziellen Anreize für die Branche in der nächsten Legislaturperiode streichen.
Warum das die Projektpipeline trifft
Die Vorhaben in Texas gehören zu den größten weltweit. Allein Nexus Hubbard, überwiegend für Anthropic geplant, ist laut MIT Technology Review auf 6.400 Megawatt ausgelegt (Stand: November 2026). Solche Projekte brauchen Genehmigungen für Luft, Wasser und Netzanschluss. Genau diese Verfahren stocken nun.
Hinzu kommt die Finanzierung. Banken und Kreditgeber prüfen Rechenzentrumsprojekte laut dem Bericht bereits strenger. Nach unserer Einschätzung verteuert politische Unsicherheit die Finanzierung weiter, weil Zeitpläne und Auslastung schwerer zu kalkulieren sind.
Texas steht damit nicht allein. Ballotpedia zählte für den Wahltag 41 lokale Abstimmungen zu Rechenzentren in zehn Bundesstaaten, 28 davon zielten auf Beschränkungen (Stand: 2. November 2026). Der Widerstand gegen steigende Strompreise und Wasserverbrauch ist damit ein landesweites Thema.
Worauf Investoren jetzt achten
Ob die Wende tatsächlich zum Stillstand führt, ist offen. In Texas entscheiden Städte, Countys und Landesbehörden gemeinsam über Projekte. Einige Countys mit vielen Rechenzentren, etwa Ellis County bei Dallas, stimmten republikanisch. Zudem haben Bauarbeitergewerkschaften Teile der demokratischen Kampagnen unterstützt und dürften einen pauschalen Stopp nicht mittragen.
Für Infrastrukturfonds, Private-Credit-Anbieter und Betreiber verschiebt sich damit die Standortlogik. Günstiger Strom und schnelle Genehmigungen galten als texanischer Vorteil, beides ist jetzt politisch verhandelbar. Wer in Rechenzentren investiert, wird nach unserer Einschätzung genauer prüfen, wer die Netzkosten trägt und wie belastbar Genehmigungen sind.
Zu beobachten sind die Ergebnisse der ERCOT-Audits und die ersten Entscheidungen der neuen Gouverneurin. Ebenso wichtig wird, was das neu besetzte Parlament in seiner kommenden Session beschließt. Davon hängt ab, ob Texas für KI-Infrastruktur nur teurer wird oder aus den Planungen fällt.
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