Die Märkte preisen für die USA inzwischen einen ganzen Zinserhöhungszyklus ein. Die Schweizer Privatbank UBP hält das für überzogen und sieht im höheren Renditeniveau wieder Einstiegschancen. Für Anleiheinvestoren stellt sich damit die Frage, wie viel Zins- und wie viel Kreditrisiko ein Portfolio jetzt tragen sollte.
Was die Inflationsdaten tatsächlich zeigen
Die US-Notenbank hat den Leitzins am 16. September auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, so das Statement der Fed. Laut UBP hatten die Märkte zu Jahresbeginn noch zwei Senkungen für 2026 erwartet. Inzwischen rechnen sie mit mehr als vier Erhöhungen, den Septemberschritt eingeschlossen.
„Die Erwartungen gehen inzwischen jedoch über das hinaus, was die wirtschaftlichen Fundamentaldaten rechtfertigen“, sagt Mohammed Kazmi von der UBP. Der Chief Strategist der Global Multi-Sector Credit Group sieht weder entankerte Inflationsprognosen noch beschleunigtes Lohnwachstum als Folge der Energiepreise. Auch vom US-Arbeitsmarkt geht nach seiner Einschätzung kein zusätzlicher Preisdruck mehr aus.
Die Verbraucherpreisdaten des BLS vom 14. Oktober 2026 stützen diese Lesart zum Teil. Im September stiegen die Preise um 3,7 Prozent zum Vorjahr, die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel um 2,6 Prozent. Der Preisdruck stammt also vor allem aus dem Energiesektor. Die Fed bezeichnet die Inflation dennoch als erhöht, Fed-Chef Kevin Warsh signalisiert laut UBP weiter eine harte Linie.
Wie die UBP Zins- und Kreditrisiken verteilt
Kazmi plädiert für eine ausgewogene Mischung aus Zins- und Kreditrisiken. Die Unternehmensgewinne hält er für widerstandsfähig, die Bilanzen für solide. Das spricht aus seiner Sicht für Unternehmensanleihen mit gezielt dosierter Duration.
Bei langen Staatsanleihen ist die Bank zurückhaltend. Die Staatsfinanzen haben sich verschlechtert, und die flache Zinskurve vergütet lange Laufzeiten kaum. Die UBP bevorzugt deshalb mittlere Laufzeiten, die Kreditrisiken im Portfolio abfedern können. In den vergangenen Wochen waren Staatsanleihen bei steigenden Risikoaufschlägen tatsächlich wieder als sicherer Hafen gefragt.
Im Kreditsegment nennt die Bank Hochzinsengagements über CDS-Indizes, also Indizes auf Kreditausfallversicherungen. Sie bieten laut UBP einen Renditeaufschlag und mehr Liquidität als direkte Anleihen. Dazu kommen nachrangige Bankanleihen (AT1), Anleihen mit BB-Rating und CLOs, also verbriefte Unternehmenskredite. Ergänzend setzt die UBP auf ausgewählte Schwellenländerwährungen und auf Wandelanleihen entlang der KI-Wertschöpfungskette.
Was Investoren jetzt beobachten sollten
Die UBP geht davon aus, dass der größte zinsbedingte Stress hinter dem Anleihemarkt liegt. Laufende Zinserträge haben nach ihrer Einschätzung seit Jahresbeginn größere Kapitalverluste verhindert. Eine Entwarnung gibt die Bank trotzdem nicht. Der Konflikt zwischen den USA und Iran und die Reaktion der Fed auf anhaltend hohe Energiepreise bleiben Risikoquellen.
Aus Sicht der Redaktion ist die niedrige Kernrate das stärkste Argument der UBP, zugleich aber eine Momentaufnahme. Bleiben die Energiepreise länger hoch, können sie über Vorleistungen und Löhne in die Kernrate wandern. Erste Hinweise liefern die nächste Fed-Sitzung Ende Oktober und die Verbraucherpreise für Oktober, die das BLS am 10. November veröffentlicht.
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