US-Wirtschaft im Wandel: Von der Lohn- zur Vermögensökonomie

Edition AIUS-Wirtschaft im Wandel: Von der Lohn- zur Vermögensökonomie

US-Wirtschaft bleibt trotz Herausforderungen robust

Die US-Wirtschaft zeigt sich trotz hoher Zinsen, einem schwächeren Arbeitsmarkt und politischer Unsicherheiten weiterhin widerstandsfähig. Neben Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz wird die Konjunktur vor allem vom privaten Konsum gestützt. Dessen Fundament verschiebt sich jedoch zunehmend: Laufende Einkommen verlieren an Bedeutung, während Vermögenspreise eine immer größere Rolle spielen. Damit transformieren sich die USA schrittweise von einer Lohn- zu einer Vermögensökonomie.

Konsum zunehmend durch Vermögenswerte getrieben

Analysen der US-Konsumfunktion weisen seit 2019 auf einen signifikanten Strukturbruch hin. Vor 2018 wurde das Konsumwachstum primär durch verfügbare Einkommen getragen, während der Einfluss von Vermögen geringer war. Aktuell ist das Verhältnis umgekehrt: Der Beitrag der Einkommen ist zurückgegangen, während Vermögenspreise den Konsum stärker beflügeln. Kapital- und Immobilienmärkte sind dadurch zu zentralen Triebkräften geworden.

Ursachen für die Verschiebung

Dieser Wandel ist nicht nur eine Folge der Corona-Pandemie. Die Kraft des Einkommenskanals nimmt ab, da der Beschäftigungsaufbau verlangsamt ist, die restriktive Migrationspolitik das Arbeitskräfteangebot einschränkt und wirtschaftspolitische Unsicherheiten die Unternehmensnachfrage bremsen. Technologischer Wandel, insbesondere Automatisierung und Künstliche Intelligenz, erhöht die Produktivität, verschiebt aber die Wertschöpfung zugunsten von Unternehmensgewinnen gegenüber Löhnen.

Verändertes Verhalten der Haushalte

Die Haushalte reagieren heute sensibler auf Vermögensgewinne: Ein zusätzlicher Dollar Vermögen führt zu einem Anstieg des Konsums von etwa 5,5 Cent, doppelt so viel wie vor 2019. Gleichzeitig ist die Sparquote der privaten Haushalte von über sechs auf rund drei Prozent gesunken.

Zwei Phasen des Wandels seit 2019

Bis Mitte 2022 dominierten Immobilienmärkte den Vermögenseffekt: Niedrige Zinsen und Nachholbedarf ließen Hauspreise und Home-Equity-Kredite steigen. Seit der geldpolitischen Wende der Fed änderte sich das Bild, der Immobilienmarkt wurde gebremst, während Aktienmärkte durch Disinflationshoffnungen und KI-bezogene Euphorie stark zulegten. Seit Mitte 2022 erklärt das Finanzvermögen den größten Teil des Konsumwachstums.

Auswirkungen auf das Risikoprofil und die Geldpolitik

Die zunehmende Bedeutung volatiler Aktienmärkte im Vergleich zu Immobilien verändert die Risikostruktur des Konsums. Der geldpolitische Transmissionsmechanismus wirkt vermehrt über Vermögenspreisbewertung und Zinserwartungen statt über den Hypothekenmarkt, wodurch der Konsum stärker für Kapitalmarktschwankungen anfällig wird und Fed-Kommunikation an Bedeutung gewinnt.

Neue politische und wirtschaftliche Dimensionen

Für die Politik eröffnen sich neue Möglichkeiten, technologische Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt durch breitere Kapitalmarktteilhabe abzufedern, ohne direkte Umverteilung via Steuern oder Transfers. Kapitalgedeckte Alterssicherungssysteme und private Wertpapieranlagen gewinnen dadurch auch konjunkturelle Relevanz.

Die Geldpolitik wird durch den veränderten Transmissionsmechanismus komplexer: Zinsschritte beeinflussen verstärkt die Nachfrage über Vermögenspreise, wodurch diese für die Federal Reserve zu bedeutenden Steuerungsgrößen werden, ohne direkt zur Zielgröße zu werden.

Folgen für Kapitalmärkte und Konjunktur

Wenn Vermögenspreise den privaten Konsum und somit die Konjunktur maßgeblich bestimmen, haben starke Börsenkorrekturen nicht nur für Investoren, sondern auch für die Gesamtwirtschaft erhebliche Auswirkungen. Auch die Eigenschaften einzelner Anlageklassen verändern sich: Konsumwerte, traditionell als defensiv betrachtet, reagieren zunehmend auf Faktoren, die Technologie- und Halbleiterwerte beeinflussen.

Die Kapitalmärkte prägen die US-Konjunktur zunehmend selbst. Steigende Unternehmensgewinne fördern die Börsen, höhere Vermögen stützen den Konsum, und ein robuster Konsum verbessert die Gewinnerwartungen. Diese Rückkopplung verlängert Aufschwünge, macht das System aber gleichzeitig anfälliger für scharfe Stimmungswechsel, wodurch die US-Wirtschaft dynamischer und fragiler wird.

Über Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement

Die Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement GmbH gehört zu den größten unabhängigen Finanzportfolioverwaltungen in Deutschland mit Sitz in München und Frankfurt. Seit der Gründung 2004 fokussiert sich das Unternehmen auf diskretionäre Vermögensverwaltungsmandate für Family Offices und institutionelle Anleger sowie auf Publikumsfonds für das institutionelle und semi-institutionelle Kundensegment.


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