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Verlust an Biodiversität

OpinionsVerlust an Biodiversität

von Klaus Glaser, Global Portfolio Advisor und Experte für Corporate Social Responsibility bei der Raiffeisen KAG.

Aktuell hält uns die globale Gesundheitskrise um Covid-19 im Bann, ihre Auswirkungen sind unmittelbar zu spüren. Und danach wird wieder vermehrt das Augenmerk auf eine weitere globale Krise und deren Bekämpfung – überwinden wäre wohl utopisch – gerichtet werden, die Klimakrise. Eine dritte globale Herausforderung, wahrscheinlich die nachhaltigste, komplexeste, bedrohlichste, bleibt dabei oft im Hintergrund: der Verlust an Biodiversität.

Eine populäre Umschreibung von Biodiversität mit Artenvielfalt ist zu kurz gegriffen, denn Biodiversität bezieht zusätzlich noch die genetische Vielfalt (Mikroebene) und übergeordnet die Vielfalt der Ökosysteme mit ein. Die globale Herausforderung ist bekannt, schon 1992 wurde auf dem „Erdgipfel“ in Rio de Janeiro das wichtigste multilaterale Vertragswerk und somit die aktuelle völkerrechtliche Grundlage von 196 Mitgliedsstaaten beschlossen: die UN-Biodiversitätskonvention (Convention on Biological Diversity, CBD). Alle zwei Jahre folgen Konferenzen mit verschiedenen Protokollen, etwa das Nagoya-Protokoll von 2010.

In der Präambel des CBD-Abkommens verpflichteten sich (hier stark verkürzt) „die Vertragsparteien … im Bewusstsein des Eigenwerts der biologischen Vielfalt … besorgt darüber, dass die biologische Vielfalt durch bestimmte menschliche Tätigkeiten erheblich verringert wird … die biologische Vielfalt zum Nutzen heutiger und künftiger Generationen zu erhalten und nachhaltig zu nutzen“.

Die drei gleichwertigen Ziele sind dabei

  • die Erhaltung der biologischen Vielfalt,
  • die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und
  • die ausgewogene und gerechte Aufteilung … etwa derVorteile und Ressourcen.

Die Konvention geht dabei weit über die rein ökologischen Erfordernisse hinaus, indem sie auch soziale, wirtschaftliche, wissenschaftliche, erzieherische, kulturelle und ästhetische Belange anspricht.

Die wesentlichen Ursachen für den – nun bereits vermehrt sichtbaren – Verlust an biologischer Vielfalt sind die Schrumpfung und Degradierung von Habitaten, die Übernutzung von Böden, die Einführung nichtnativer Arten, die allgemeine Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Das ist im Wesentlichen vom Menschen gemacht.

BIODIVERSITÄTS-STRATEGIE ÖSTERREICH

Auch Österreich hat die CBD übernommen und 2014 die „Biodiversitäts-Strategie Österreich 2020+“ veröffentlicht. Diese beinhaltet zwölf Ziele in fünf Handlungsfeldern, die sich an internationalen Zielsetzungen orientieren, sowie einen umfangreichen Maßnahmenkatalog für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Österreich. In dieser Strategie wird einerseits das Strategiefeld umfangreich dokumentiert, entschlossene Maßnahmen weichen jedoch gerne Evaluierungen, Erörterungen und Bildungsmaßnahmen. Ein Bericht des österreichischen Umweltbundesamts bescheinigt Fortschritte in einigen, aber nicht allen Zielen und kommt zum Schluss, dass weiterer dringender Handlungsbedarf gegeben und die Intensivierung der Aktivitäten zum Schutz der Biodiversität unverzichtbar ist.


Quellen und Links