Das Paradox, das sich aus der Zinspolitik von Kevin Warsh ergibt

Markets and NewsDas Paradox, das sich aus der Zinspolitik von Kevin Warsh ergibt

„Erst seit wenigen Wochen ist Kevin Warsh Chairman der Federal Reserve, der amerikanischen Notenbank. In dieser kurzen Zeit lässt sich bereits sagen, dass er in einem Punkt die Erwartungen bisher nicht erfüllt hat: Als US-Präsident Donald Trump Warsh im Januar zum Nachfolger Jerome Powells nominierte, haben die Märkte damit gerechnet, dass Warsh auf eine willfährige Zinspolitik einschwenken würde, um Trump für die Nominierung zu danken…Doch jetzt scheint es erst einmal so, dass sich Warsh nicht ohne Weiteres auf eine Geldpolitik der leichten Hand einlassen will.

…Der neue Kurs in der amerikanischen Geldpolitik mündet in eine paradoxe Gleichung: Die Summe aus relativ hohen Zinsen plus hartnäckiger Inflation plus unberechenbarer Kommunikation müsste zu erhöhter Unsicherheit an den Aktienmärkten führen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Diese Kombination wirkt offenbar stützend auf den Aktienmarkt, wobei Risiken aus Inflations- und Zinsentwicklung fortbestehen.

Das hat aus unserer Sicht drei Gründe:

  1. Warshs Bekenntnis zur Unabhängigkeit der Fed reduziert die politische Risikoprämie und stärkt das Vertrauen der Marktteilnehmer.
  2. Warshs Bereitschaft, temporäre Angebotsschocks nicht mit starken Zinserhöhungen zu bekämpfen, schützt die wirtschaftliche Dynamik. Das reale BIP-Wachstum wird für das Gesamtjahr 2026 auf 2,2 Prozent geschätzt. Das ist kein Boom, aber ein solides Wachstum. Dies könnte mittelfristig die Preisstabilität in Mitleidenschaft ziehen, aber dieser Aspekt stellt aus unserer Sicht das schwächere Argument dar.
  3. Warshs Unberechenbarkeit zwingt die Marktteilnehmer, sich stärker an realen Wirtschaftsdaten zu orientieren. Das könnte kurzfristig zu erhöhter Volatilität um die Veröffentlichungszeitpunkte neuer Daten führen. Doch das bedeutet auch, dass der Markt von einer stabileren fundamentalen Basis getragen wird – und nicht vom nächsten Fed-Statement. Das halten wir auf Dauer gesehen für gesünder.

Insgesamt sprechen diese Faktoren im aktuellen Umfeld tendenziell dafür, dass die aktuellen Rahmenbedingungen die Aktienmärkte strukturell unterstützen sollten, wenngleich Unsicherheiten wie die Inflationsentwicklung, eine mögliche geldpolitische Straffung, eine konjunkturelle Abkühlung oder mannigfaltige geopolitische Risiken im Auge behalten werden müssen.“

Bild © ODDO BHF SE

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.