Schwellenländeranleihen profitieren von Umschichtungen aus US-Dollar-Anlagen
Eine schrittweise Kapitalverlagerung weg von konzentrierten US-Dollar-Anlagen könnte für Schwellenländeranleihen zusätzlichen Auftrieb sorgen. Diese Einschätzung vertritt die Co-Head des Emerging Markets Debt-Teams bei Lazard Asset Management. Unterstützt wird die Anlageklasse durch robuste Fundamentaldaten und weiterhin attraktive Erträge.
Marktentwicklung im zweiten Quartal 2026
Im zweiten Quartal legten die drei großen Segmente des Schwellenländeranleihenmarktes deutlich zu und erholten sich von den Verlusten zu Beginn des Iran-Kriegs. Staats- und staatsnahe US-Dollar-Anleihen aus Schwellenländern erzielten mit 4,63 Prozent die höchste Rendite. Lokalwährungsanleihen stiegen trotz eines stärkeren US-Dollars um 3,85 Prozent, während Unternehmensanleihen in US-Dollar 2,42 Prozent erzielten.
Lokalwährungsanleihen: Hohe Realrenditen und stabile Fundamentaldaten
Lokalwährungsanleihen profitierten im zweiten Quartal sowohl von positiven Zins- als auch Währungsentwicklungen. Die Renditen sanken um 27 Basispunkte auf 6,10 Prozent, Schwellenländerwährungen legten um 0,6 Prozent zu, obwohl der US-Dollar-Index um 1,2 Prozent stieg. Regionale Unterschiede waren deutlich: Lateinamerikanische Währungen performten besser als europäische und asiatische.
Der mittelfristige Ausblick bleibt konstruktiv, da reale Renditen historisch hoch sind und günstige Export-Import-Preisverhältnisse die Devisenreserven stabil halten. Kapitalflüsse seit Jahresbeginn wirken unterstützend. Die robuste Konjunktur mit soliden Produktions-, Auftragseingangs- und Arbeitsmarktdaten sowie niedriger als erwarteter Inflation spricht ebenfalls für die Anlageklasse. Ein moderater Zinsschritt der US-Notenbank dürfte den Ausblick kaum beeinträchtigen.
Unternehmensanleihen mit solider Kreditqualität und regionalen Unterschieden
Die Kreditqualität der Schwellenländer-Unternehmensanleihen bleibt insgesamt solide mit Zahlungsausfällen von rund einem Prozent, konzentriert auf zwei brasilianische Emittenten. Das Marktumfeld wird durch geringe Nettoemissionen unterstützt. Im ersten Halbjahr wurden Anleihen im Volumen von rund 288 Milliarden US-Dollar begeben, davon 90 Milliarden US-Dollar im Hochzinssegment.
Lateinamerika entwickelte sich im zweiten Quartal besonders positiv, gestützt durch einen politisch günstig bewerteten Wahlausgang in Kolumbien und höhere Ölpreise. Argentinien profitierte von wirtschaftlichen Anpassungen und Ratinganhebungen. Asien erzielte positive Erträge, blieb aber aufgrund eines höheren Investment Grade-Anteils hinter anderen Regionen zurück.
Auswahl und Diversifikation als Schlüssel
Die attraktiven Renditen von Schwellenländer-Unternehmensanleihen bieten einen gewissen Puffer gegenüber moderaten Anstiegen der US-Treasury-Renditen oder Credit-Spreads. Obwohl Spreads auf Indexebene am engeren Ende historischer Bandbreiten liegen, sind die Fundamentaldaten vergleichsweise stärker. Unterschiede innerhalb der Länder, Emittenten sowie Marktverwerfungen schaffen ein differenziertes Umfeld.
Langfristig wird ein schwächerer US-Dollar und steilere Zinskurven in den Industrieländern erwartet, bedingt durch steigende Haushaltsdefizite. Ein ausgewogener Anlageansatz mit Fokus auf Länder-, Währungs- und Emittentenauswahl erscheint daher angemessen zur Nutzung von laufenden Erträgen und Diversifikation.
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