Gewinne stützen die Märkte: Zinsen und KI-Finanzierung im Fokus
Der August 2026 zeigte an den globalen Aktienmärkten eine positive Entwicklung. Besonders Rohstoff-, Technologie- und Energiewerte verzeichneten deutliche Kursgewinne, während Versorger-, Immobilien- und Basiskonsumgüterwerte vergleichsweise schwächer blieben.
Für den September bleibt die Grundtendenz trotz wachsender Risiken konstruktiv. Die jüngste Zinserhöhung der US-Notenbank wurde von den Märkten weitgehend als unbedeutend angesehen, was zu freundlichen Kursentwicklungen und leicht fallenden Renditen führte. Markttechnisch hat sich das Anleger-Sentiment hingegen eingetrübt, da der Anteil pessimistischer Marktteilnehmer erheblich gestiegen ist, was als möglicher Unterstützungseffekt interpretiert wird.
Das aktuelle Marktumfeld weist Parallelen zu vorangegangenen Phasen mit hohen Zinsen, hohen Energiepreisen und ersten Belastungen auf dem Immobilienmarkt auf. Im Unterschied zu 2007 sind die Bankbilanzen jedoch heute deutlich robuster. Die Widerstandsfähigkeit der Aktienmärkte resultiert vor allem aus einer starken Gewinnentwicklung großer Unternehmen. Kursanstiege basieren überwiegend auf Gewinnwachstum statt auf steigenden Bewertungsmultiplikatoren. Für die nächsten sechs Monate wird eine stabile Gewinnentwicklung erwartet, während sich das Umfeld in zwölf Monaten verschlechtern könnte, wenn hohe Zinsen die Unternehmensgewinne und die Konjunktur belasten.
Branchenspezifische Entwicklungen
- Japan: Stabile Zuflüsse aus dem Ausland und von Privatanlegern, gute Gewinnentwicklung und steigende Aktienrückkäufe prägen den Markt. Das Kreditwachstum der Banken bleibt solide, während die Währungsentwicklung zuletzt weniger Druck ausübte.
- Energie und Öl: Angebotsengpässe aufgrund von Ausfällen russischer Raffineriekapazitäten, Sanktionen und Risiken bei Pipelines sowie Terminals stützen die Preise. Die Nachfrage bleibt robust.
- Halbleiter und KI-Infrastruktur: Der Sektor notiert unter den Höchstständen, zeigt aber weiterhin gute Gewinnperspektiven. Strengere Sicherheitsvorgaben für KI dürften den Ausbau der Rechenkapazitäten nicht wesentlich bremsen.
- Versorger: Der steigende Strombedarf durch Rechenzentren und KI-Anwendungen steht begrenzten Kapazitäten gegenüber, was das Branchenprofil strukturell beeinflusst.
- Agrarrohstoffe und Düngemittel: Angebotsstörungen und hohe Gaspreise stützen die Preise, insbesondere bei stickstoffbasierten Düngemitteln.
- Rohstoffwährungen: Australischer Dollar, norwegische Krone und mexikanischer Peso zeigen gegenüber dem Euro einen Aufwärtstrend.
Weitere Marktentwicklungen und Risiken
- US-Verschuldung und Zinslast: Zinszahlungen machen bei circa fünf Prozent Zinsniveau bereits einen hohen Anteil des US-Haushalts aus. Ein weiteres Ansteigen des Zinsniveaus würde die Belastung erhöhen und könnte bei einem Rückzug ausländischer Käufer zu einer Vertrauenskrise am Anleihemarkt führen.
- Immobilienmarkt: In den USA steigt der Bestand unverkaufter Häuser, und in Deutschland bleibt die Lage bei Gewerbeimmobilien angespannt. Zwar sind bislang keine Kreditausfälle bei Banken festzustellen, mittelfristig ist dies aber möglich.
- Saisonalität und Liquidität: Eine schwächere Marktphase im Herbst ist möglich, da die zweite Septemberhälfte saisonal zu den schwächeren Perioden zählt. Zudem kann ein großer Börsengang vorübergehend Liquidität entziehen.
- Konjunktur 2027: Hohe Realzinsen könnten Konsum und Unternehmen zusätzlich belasten, was das Risiko einer konjunkturellen Abschwächung erhöht.
- Finanzierung des KI-Ausbaus: Ein hohes Volumen an Anleiheemissionen im KI-Segment und gestiegene Kreditausfallprämien bei Technologieunternehmen deuten auf steigende Kreditrisiken hin. Finanzierungsprobleme einzelner großer KI-Anbieter könnten eine breitere Marktkorrektur auslösen.
- Gasversorgung im Winter: Teilweise niedrige Füllstände in den europäischen Gasspeichern erhöhen das Risiko regionaler Engpässe bei einem kalten Winter.
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