Berentzen bestätigt Übernahmegespräche – Billiger Griff nach teurer Regalfläche

Markets and NewsBerentzen bestätigt Übernahmegespräche – Billiger Griff nach teurer Regalfläche

Eine Einschätzung zur Berentzen-Gruppe von Dirk Sammüller, Greiff Capital und Fondsberater des Greiff Special Opportunities: Die Berentzen-Gruppe verhandelt mit der Sazerac Company über ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien. Kein Preis, keine Mindestannahmeschwelle, kein Zeitplan, keine Finanzierungszusagen, nur die Bestätigung zuvor gestreuter Gerüchte und das Versprechen, den Kapitalmarkt gesetzeskonform zu unterrichten. Die Aktie springt heute um mehr als 20 Prozent nach oben.

Es geht ums Regal

Der amerikanische Familienkonzern, der im vergangenen Jahr nach Brown-Forman griff, dürfte sich wohl kaum für eine Likörmarke mit Achtziger-Jahre-Charme interessieren. Er interessiert sich für das, was normalerweise nicht zum Verkauf steht, nämlich den Zugang zum Regal. Berentzen ist Marktführer im Private-Label-Geschäft mit Spirituosen, beliefert unter anderem Edeka und Rewe und setzt neun von zehn Euro über den Lebensmittelhandel um. Hinzu kommen zwei eigene Abfüllwerke mit fast 200 Millionen Litern Kapazität.

Billiger Eintritt in die deutschen Supermärkte

Für einen Amerikaner, der seine Marken in Europa ausrollen will, ist das eine Eintrittskarte, die derzeit an der Börse nur rund 40 Millionen Euro kostet. Dass Berentzen so billig zu haben ist, hat einen Grund: Das Geschäft schrumpft. Minus elf Prozent Umsatz, minus achtzig Prozent Betriebsergebnis im ersten Halbjahr und eine gesenkte Prognose. Die Deutschen trinken weniger, und der Bund plant, das Wenige höher zu besteuern, sowohl beim Alkohol als auch bei der Limonade.

Noch Luft nach oben im Kurs

Ein Käufer mit guter Bilanz und globalem Vertrieb kann aus den Werken deutlich mehr machen als ein Mittelständler, der sich seit Jahren im Sparmodus befindet. Die Frage ist nur, ob Sazerac für einen strategischen Zugang zahlt oder für einen Sanierungsfall. Mit Blick auf die Größenverhältnisse, die Aktionärsstruktur und die Bewertungen der Konkurrenz ist da selbst nach dem heutigen Kurssprung noch jede Menge Luft nach oben.

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