Am 18. November versteigert Sotheby’s in New York Vincent van Goghs „Châtaigniers en fleurs“. Das Haus erwartet rund 180 Millionen US-Dollar, fast 63 Millionen mehr als der bisherige Rekord für den Künstler. Seit dieser Woche ist zudem eine Lücke in der Herkunft des Bildes geschlossen. Für Family Offices und Vermögensverwalter zeigt der Abend, wie tief der Markt für Werke in Museumsqualität derzeit ist.
Herkunft
Van Gogh malte das Bild am 24. Mai 1890 in Auvers-sur-Oise, gut zwei Monate vor seinem Tod. Es misst 70 mal 58 Zentimeter, so die Losbeschreibung von Sotheby’s. Nach seinem Tod ging es an den Bruder Theo, später an dessen Witwe Johanna van Gogh-Bonger. Von den Landschaften aus Auvers sind laut Sotheby’s nur acht in Privatbesitz.
Neu ist ein Eintrag im Rechnungsbuch des Sammlers Gustave Fayet. Wie The Art Newspaper am 23. Oktober berichtete, zahlte Fayet am 9. Januar 1909 dafür 3.800 Francs. Verkäufer war der Pariser Händler Eugène Druet. Im November 1909 hatte Fayet das Bild bereits an die Galerie Bernheim-Jeune weitergegeben.
Später gehörte es dem Verleger Samuel Fischer und dem Capitol-Records-Mitgründer George DeSylva. 1975 kaufte es die Familie Blaquier bei Wildenstein, so ARTnews. Bis zum 8. März 2027 zeigt die Fondation Louis Vuitton Fayets Sammlung in Paris. Das Bild steht im Katalog, die Leihe wurde aber kurzfristig zurückgezogen.
Preis und Wertentwicklung
Auf der Losseite nennt Sotheby’s die Schätzung nur auf Anfrage. Öffentlich hat das Haus rund 180 Millionen Dollar kommuniziert, für alle zwölf Werke der Sammlung rund 450 Millionen, berichtete AP. Hinzu kommt ein gestaffeltes Aufgeld, das seit Februar 2026 gilt (Masterworks). Es beträgt 28 Prozent bis 2 Millionen Dollar Zuschlag, 22 Prozent bis 8 Millionen und 15 Prozent darüber.
Bei 180 Millionen Zuschlag ergibt das nach unserer Rechnung 27,7 Millionen Aufgeld, zusammen rund 207,7 Millionen Dollar. Der bisherige Rekord liegt bei 117,18 Millionen inklusive Aufgeld, erzielt 2022 bei Christie’s mit „Verger avec cyprès“ (Guinness World Records). Ein Ergebnis auf Höhe der Schätzung läge damit rund 77 Prozent darüber.
Einen Vergleichsfall lieferte Sotheby’s vor einem Jahr. Klimts „Bildnis Elisabeth Lederer“ erzielte dort 236,4 Millionen Dollar bei 150 Millionen Schätzung (Knight Frank).
Der Gesamtmarkt wächst deutlich langsamer. Laut Art Basel und UBS stieg der weltweite Kunstumsatz 2025 um 4 Prozent auf 59,6 Milliarden Dollar. Der Knight Frank Luxury Investment Index schloss das Jahr mit minus 0,4 Prozent. Das spricht dafür, dass Rekorde derzeit an der Spitze entstehen, wo vollständig dokumentierte Werke auf wenige Bieter treffen.
Für wen es sich eignet
Realistisch ist aus unserer Sicht ein kleiner Kreis: einzelne Privatsammler, Stiftungen, Museen mit Stiftern. Sotheby’s-Vizepräsident Scott Niichel hält nach der Vorbesichtigung in Hongkong einen Käufer aus Asien für möglich, berichtete AFP. Für ein Family Office gehört ein solches Bild eher in eine Sammlung oder Stiftung als in eine Allokation. Es bringt keinen laufenden Ertrag, kostet Versicherung, Lagerung und Konservierung und lässt sich nur über Auktion oder Privatverkauf wieder veräußern.
Wer am Segment teilhaben will, ohne ein Werk allein zu halten, kann auf Bruchteilsmodelle oder Kunstkredite ausweichen. Dort kommen Plattform-, Bewertungs- und Liquiditätsrisiken hinzu. Bieter sollten nach unserer Einschätzung die Besitzwechsel zwischen 1933 und 1945 lückenlos belegt sehen. Das gilt für jedes Werk mit Vorbesitz in Deutschland.
Service
- Termin: 18. November 2026, 18 Uhr New Yorker Zeit (0 Uhr MEZ), Los 7 (Sotheby’s)
- Ort: Sotheby’s New York, 945 Madison Avenue
- Besichtigung: 7. bis 17. November (The Art Newspaper, Stand 2. Oktober 2026)
- Anreise: Direktflüge ab Frankfurt nach JFK und Newark; Gebote auch telefonisch, Bieterbüro +1 212 606 7414
- Fristen: Registrierung vor der Auktion beim Bieterbüro (Auktionsseite)
- Paris: Fayet-Ausstellung bis 8. März 2027, Eintritt 18 Euro (Paris je t’aime, Stand Juli 2026)
- Quelle und Stand: Sotheby’s, abgerufen am 23. Oktober 2026
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