Bordeaux hat seine Führung am Sekundärmarkt für Spitzenweine ausgebaut. Laut dem Wochenbericht der Handelsplattform Liv-ex vom 2. November 2026 entfielen 41 Prozent des gehandelten Werts auf die Region. Für Vermögensverwalter und Family Offices mit Weinbeständen zählt vor allem, welche Jahrgänge diesen Umsatz tragen.
Was hinter dem Marktanteil steckt
Die Zahlen beruhen auf Abschlüssen zwischen den Mitgliedern von Liv-ex, darunter Händler und Investmentfirmen. Den größten Umsatz brachten die Jahrgänge 2019 und 2020 ein. Aber auch die älteren Jahrgänge 2005, 2006 und 2009 wechselten rege den Besitzer. Zu den meistgehandelten Einzelweinen zählten Calon Ségur 2006 und Lynch-Bages 1996.
Burgund legte ebenfalls zu, sein Anteil stieg binnen einer Woche von 15,7 auf 20,8 Prozent. Champagner fiel dagegen deutlich zurück, die Toskana hatte eine starke Woche. Solche Sprünge deuten darauf hin, dass einzelne Wochenwerte stark von wenigen großen Abschlüssen abhängen.
Zugleich senkten Käufer aus Großbritannien und den USA ihre Ausgaben um jeweils mehr als 20 Prozent. Europäische Käufer kauften etwas mehr. Ein hoher Anteil am Handelswert belegt deshalb keine steigenden Preise. Er zeigt zunächst, wo Liquidität vorhanden ist.
Warum reife und junge Jahrgänge auseinanderlaufen
Die Aktivität bei gereiften Jahrgängen passt zu Beobachtungen aus Asien. Ein Liv-ex-Broker berichtet nach einer Reise nach Hongkong und Singapur, dass Überbestände bei raren Weinen und älteren Jahrgängen teils abgebaut sind. Bei jüngeren Bordeaux kommt dagegen weiter Ware auf den Markt und drückt dort die Preise.
Als Ursache nennt er unter anderem Jahrgänge, die Jahr für Jahr zu falschen Preisen auf den Markt kamen. Die Nachfrage in der Region richtet sich nach seinem Eindruck derzeit eher auf Champagner und Burgund. Private Kunden kaufen demnach weniger für den Keller und mehr zum Trinken.
Liv-ex selbst bezeichnete Bordeaux im Bericht zur Subskriptionskampagne vom Frühjahr als wichtigste Region am Sekundärmarkt. Den Bordeaux 500, den Index für 500 führende Weine der Region, sah die Plattform in einer Seitwärtsphase. Der Jahrgang 2024 galt dort als leicht verfügbar.
Worauf Anleger mit Weinbeständen achten
Für Entscheider ergibt sich ein geteiltes Bild. Reife Bordeaux mit etabliertem Ruf finden derzeit Käufer, junge Jahrgänge konkurrieren mit reichlich vorhandener Ware. Aus Sicht von altii sollte, wer Bestände bewertet oder Verkäufe plant, beide Segmente getrennt betrachten.
Wochendaten taugen dabei nur als Signal. Sie spiegeln die Abschlüsse auf einer einzelnen Plattform und können mit wenigen großen Transaktionen deutlich schwanken. Aussagekräftiger ist, ob die Nachfrage nach gereiften Jahrgängen über mehrere Monate anhält und ob Käufer aus Großbritannien und den USA zurückkehren. Offen bleibt auch, ob die Châteaux bei der nächsten Subskription Preise setzen, zu denen junge Jahrgänge wieder Abnehmer finden.
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