Immersive Leitwarten: Was XR für Netz- und Anlagenbetreiber bedeutet

NewsImmersive Leitwarten: Was XR für Netz- und Anlagenbetreiber bedeutet

Leitwarten steuern Stromnetze, Raffinerien und Industrieanlagen rund um die Uhr. Der XR-Softwareanbieter Exxar beschreibt in einem aktuellen Beitrag den Übergang zu immersiven Bedienoberflächen. Für Investoren in Energie und Infrastruktur berührt das eine Kernfrage: wie sicher und effizient ihre Anlagen künftig gesteuert werden.

Warum der Bildschirm an Grenzen stößt

Heutige Leitwarten arbeiten mit Monitoren, Videowänden und zweidimensionalen Prozessbildern. Forscher der Australian National University halten in einer Übersichtsarbeit fest, dass Leitwarten teuer in Aufbau und Unterhalt sind. Zudem begrenzen Raum und klassische 2D-Oberflächen, wie viel Information Bediener erfassen können. Virtuelle Umgebungen sollen das Lagebild verbessern und entfernte Fachleute einbinden.

Erste Belege kommen aus der Forschung. Eine Masterarbeit der University of Calgary verglich 2025 eine XR-Steuerung für Drohnenflotten mit kommerzieller Software. Die Teilnehmer berichteten von besserem räumlichem Verständnis und geringerer gefühlter Belastung. Solche Studien arbeiten mit kleinen Gruppen, ihre Ergebnisse sind deshalb erste Hinweise.

Wo Netzbetreiber heute stehen

Am weitesten ist die Entwicklung bei digitalen Zwillingen, also Echtzeitmodellen realer Netze. Die TU Delft betreibt einen „Control Room of the Future“ mit Partnern wie TenneT, Stedin und Siemens. Laut TU Delft ließ sich dort im Mai 2022 rund ein Viertel des niederländischen Netzes simulieren.

Der wissenschaftliche Leiter Alex Stefanov beschrieb die Netzführung damals als rein manuellen Prozess. Mit wachsendem Anteil erneuerbarer Erzeugung wird sie komplexer. Stefanov sieht Bediener deshalb künftig als Aufsicht über KI-Assistenten, langfristig mit VR-Brillen statt Bildschirmen.

Im Projekt TwinEU arbeiten 77 Partner aus 15 Ländern an einem digitalen Zwilling des europäischen Stromnetzes (Stand 2023). Die immersive Darstellung ist eine Schicht über solchen Modellen. Nach unserer Einschätzung bleibt eine VR-Leitwarte ohne belastbaren Zwilling eine bloße Visualisierung.

Was Investoren beobachten sollten

Für Eigentümer von Netzen, Kraftwerken und Industrieanlagen ist zunächst die Ausbildung relevant. Fortum und das finnische Forschungsinstitut VTT haben untersucht, wie sich sicherheitskritische Leitwarten in VR validieren lassen. Mehrere Bediener arbeiteten dabei gleichzeitig in einer virtuellen Kopie, einschließlich der Notfallprozeduren. Solche Anwendungen dürften Kosten bei Umbauten und Schulungen senken, bevor sie den Regelbetrieb verändern; das ist eine Einschätzung.

Im laufenden Betrieb bleiben die Hürden hoch. Leitwarten unterliegen strengen Anforderungen an Ergonomie und IT-Sicherheit. Die Normenreihe ISO 11064 regelt ihre Gestaltung, der Teil zur Bewertung wurde 2025 bestätigt. Headsets müssten sich in diese Prüfprozesse einfügen, und jedes neue Endgerät vergrößert die Angriffsfläche.

Offen ist, wer die Wertschöpfung für sich gewinnt. Hersteller von Leitsystemen, Anbieter von Simulationssoftware und XR-Spezialisten wie Exxar konkurrieren um dieselbe Schnittstelle. In der Due Diligence von Netz- und Energiebeteiligungen lohnt daher die Frage nach dem Reifegrad der digitalen Zwillinge. Aufschlussreich wird sein, ob Betreiber sie zuerst für Training nutzen oder direkt in die Steuerung einbinden.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.