Die deutsche Wirtschaft bevorzugt KI aus Deutschland, will dafür aber weder mehr zahlen noch auf Funktionen verzichten. Das zeigt eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom, veröffentlicht zum Digital-Gipfel der Bundesregierung. Für Finanzinstitute, die gerade ihre KI-Strategie festlegen, wird die Anbieterwahl damit zur Abwägung zwischen Leistung und Abhängigkeit.
Was die Umfrage zeigt
96 Prozent der befragten Unternehmen würden bevorzugt KI-Anwendungen deutscher Anbieter nutzen. Zugleich sind 64 Prozent nicht bereit, dafür einen höheren Preis oder weniger Funktionen hinzunehmen. Bitkom Research hat dafür 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten telefonisch befragt, zwischen Mitte Juli und Mitte August 2026.
Bei ausländischen Anbietern verschiebt sich das Bild deutlich. US-Anbieter würden nur noch 41 Prozent bevorzugt nutzen, vor einem Jahr waren es 51 Prozent. Frankreich und andere EU-Staaten gewinnen dagegen hinzu, chinesische KI verliert an Zuspruch.
Präferenz ist noch keine Kaufentscheidung
Der eigentliche Befund liegt im Abstand zwischen Wunsch und Zahlungsbereitschaft. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst benennt ihn selbst: Souveräne Angebote müssten unabhängig vom Standort des Anbieters im Wettbewerb bestehen. Digitale Souveränität hänge davon ab, ob Deutschland Schlüsseltechnologien selbst entwickeln und international vermarkten könne.
Hinter der Hinwendung zu Europa steht nach unserer Einschätzung vor allem die geopolitische Lage. Die Abhängigkeit von US-Plattformen gilt zunehmend als Risiko, das sich vertraglich kaum vollständig absichern lässt. Solange europäische Modelle bei Leistung und Preis nicht mithalten, bleibt die Präferenz jedoch eine Absichtserklärung.
Was das für Finanzinstitute bedeutet
Für Banken, Asset Manager und Versicherer ist die Anbieterwahl mehr als eine Einkaufsfrage. Seit Januar 2025 gilt die EU-Verordnung über die digitale operationale Resilienz, kurz DORA. Sie verpflichtet Finanzunternehmen, Risiken aus IKT-Drittdienstleistern zu steuern. Dazu gehören ausdrücklich Konzentrationsrisiken bei wenigen großen Anbietern.
Gerade bei KI-Diensten zählt neben dem Firmensitz auch der Ort der Datenverarbeitung. Bitkom hat deshalb auch gefragt, ob Unternehmen einen Dienst bevorzugen, der Daten nur in Deutschland verarbeitet und vor ausländischem Zugriff schützt. Für Institute mit Kundendaten und vertraulichen Research-Inhalten ist das nach unserer Einschätzung die eigentlich relevante Frage.
Aus unserer Sicht spricht die Umfrage für eine zweigleisige Planung. Leistungsstarke US-Modelle bleiben in vielen Instituten vorerst im Einsatz. Parallel lohnt es, Ausweichoptionen aufzubauen, etwa europäische Modelle oder eine Verarbeitung in eigener Infrastruktur. Wer Schnittstellen heute offen gestaltet, kann später ohne großen Umbau wechseln.
Worauf es jetzt ankommt
Von der Politik fordert die Wirtschaft laut Bitkom nahezu geschlossen mehr Investitionen in Schlüsseltechnologien und eine Stärkung der digitalen Souveränität. Knapp zwei Drittel wünschen sich zudem mehr Hyperscaler, also sehr große Cloud-Anbieter, in Deutschland. Ob der Digital-Gipfel daraus konkrete Programme ableitet, ist offen.
Für Finanzinstitute entscheidet sich die Frage an anderer Stelle: ob europäische Anbieter in den kommenden Jahren technisch und preislich aufschließen. Bis dahin hängt die Souveränität eines Instituts stärker an seiner eigenen IT-Architektur als an der Herkunft seiner KI-Anbieter.
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