KI steuert in Banken immer mehr Prozesse, von der Betrugserkennung bis zum Zahlungsverkehr. Fällt ein solches System aus, muss der Kernbetrieb trotzdem weiterlaufen. Armin Warda, Chief Technologist bei Red Hat, beschreibt im IT Finanzmagazin, wie sich Institute auf diesen Fall vorbereiten.
Was hinter der Minimum Viable Bank steckt
Die Minimum Viable Bank ist der Notbetrieb: Nur die überlebenswichtigen Funktionen laufen weiter, notfalls eingeschränkt. Welche das sind, legen laut Warda die Fachbereiche fest. KI-Systeme rücken zunehmend in diese Kategorie, weil sie Geschäftsprozesse immer öfter selbst abwickeln.
Warda nennt mehrere Auslöser für einen Ausfall. Neue KI-Modelle finden Softwarelücken schneller als bisher und erhöhen so den Druck beim Patchen. Dazu kommen Abhängigkeiten von Modellanbietern und Clouds, nachlassende Modellgenauigkeit und gezielte Angriffe auf Modelle. Im Ernstfall müssen Systeme isoliert oder abgeschaltet werden.
Wechseloptionen als Pflicht unter DORA
Regulatorisch ist das Thema nicht neu. Der Digital Operational Resilience Act (DORA) ist seit Januar 2025 anwendbar. Für IKT-Dienstleistungen, die kritische oder wichtige Funktionen stützen, verlangt Artikel 28 Absatz 8 Ausstiegsstrategien. Die Delegierte Verordnung (EU) 2024/1773 fordert dazu dokumentierte Exit-Pläne je Vertrag.
Warda empfiehlt eine offene Hybrid-Cloud-Plattform, Open-Weight-Modelle und mehrere Cloud-Anbieter. Frei verfügbare Modelle lassen sich auch bei europäischen Clouds betreiben, was das Risiko geopolitisch bedingter Zugangssperren senkt. Eine Zwischenschicht, oft Model Router genannt, verteilt Anfragen auf verschiedene Modelle. Ein Anbieterwechsel braucht dann keine neue Integration.
Entscheidend ist die Vorbereitung: Die Alternative muss erprobt sein, bevor sie gebraucht wird. Wardas Absender gehört dabei zur Einordnung. Red Hat vertreibt selbst Hybrid-Cloud- und KI-Plattformen auf Open-Source-Basis. Die Empfehlung ist fachlich nachvollziehbar, aber nicht anbieterneutral, denn Exit-Pläne lassen sich auch mit anderen Architekturen umsetzen.
Wo der Notbetrieb an Grenzen stößt
Im Notbetrieb darf ein Ersatzmodell ungenauer arbeiten, schreibt Warda. Die Risiken sind dabei ungleich verteilt. Übersieht ein Ersatzmodell mehr Betrugsfälle, entsteht direkter Schaden. Zusätzliche Fehlalarme verzögern dagegen zunächst nur Freigaben, bei starkem Anstieg überlasten sie aber die Teams.
Hier liegt der Kern des Problems. Müssen Menschen alle Aufgaben eines abgeschalteten Agenten übernehmen, reicht die Kapazität womöglich nicht einmal für den Grundbetrieb. Warda fordert deshalb klare Leitplanken für KI-Agenten, laufende Tests und für jeden Agenten einen fachlich verantwortlichen Owner.
Bei der menschlichen Kontrolle unterscheidet er zwei Modelle. Beim Human in the Loop gibt ein Mensch jede kritische Aktion frei, was Tempo kostet. Beim Human on the Loop überwacht er nur und greift im Nachgang ein. Das setzt ein Monitoring voraus, das neben Ein- und Ausgaben auch Agentenidentitäten, Abhängigkeiten und Autorisierungsschritte erfasst.
Was Entscheider jetzt prüfen sollten
DORA erfasst neben Kreditinstituten auch Verwalter alternativer Investmentfonds und OGAW-Verwaltungsgesellschaften. Wer KI im Handel, im Reporting oder in der Compliance einsetzt, steht damit vor derselben Frage. Nach Einschätzung von altii zeigt sich Resilienz erst im getesteten Ausweichbetrieb, nicht im Vertragswerk.
Offen bleibt, wie die Aufsicht KI-spezifische Exit-Pläne künftig prüft. Für Entscheider wird relevant, ob Prüfer gezielt nach erprobten Ausweichmodellen und realistischen Kapazitätsplänen für den Notbetrieb fragen.
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