Markterwartungen zur EZB-Entscheidung
Laut Portfoliomanager für Multi-Asset-Lösungen bei Allspring Global Investments haben die Märkte eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 0,25 Prozent bereits eingepreist. Die Entscheidungsträger signalisieren öffentlich eine restriktivere Politik, dennoch wird erwartet, dass die Reaktion des Marktes gering ausfallen wird.
Inflation und Zinskurve
Die Kerninflation dürfte aufgrund von Basiseffekten in den kommenden Monaten weiter hoch bleiben. Höhere Inflationserwartungen entlang der gesamten Zinskurve verstärken diesen Effekt. Die Aufmerksamkeit der Märkte richtet sich zudem auf das Risiko steigender Rohstoffpreise, die das robuste Wirtschaftswachstum gefährden könnten. Dies begrenzt den Handlungsspielraum der EZB für eine lockerere Geldpolitik.
Geopolitische Einflüsse und Energiepreise
Die globale geopolitische Lage beeinflusst die Stimmung in der Eurozone negativ. Neben dem Einfluss des Ölpreises wirkt sich auch der nahende Winter sowie der Anstieg der Erdgaspreise belastend aus. Die saisonbereinigten Gasreserven sind auf dem niedrigsten Stand seit fast 15 Jahren, was eine mögliche negative Rückkopplung bewirken könnte. Trotz einer Reduzierung des Gasverbrauchs um rund 20 Prozent seit 2022 bleibt die Abhängigkeit von Energiemärkten hoch.
Der Ölpreis für Brent-Öl liegt deutlich über dem mittleren Prognose-Szenario der EZB und erreicht mit 94,6 USD pro Barrel den höchsten Stand seit Beginn des Nahost-Konflikts. Dies führt zu global höheren Crack-Spreads. Daher wird keine wesentliche Änderung der Wachstums- und Inflationsprognosen der EZB erwartet.
Wirtschaftliche Entwicklung der Eurozone
Die Eurozone hat 2026 mit stärkerem Wachstum überrascht, als zu Jahresbeginn angenommen. Trotz positiver Konjunkturüberraschungen wird erwartet, dass der anhaltende Schock durch geopolitische und energetische Herausforderungen das Wachstum langfristig belastet. Zudem hemmt das Fehlen fiskalpolitischer Maßnahmen eine kräftigere Wirtschaftserholung. Die EZB dürfte das relativ positive Wachstum nutzen, um ihre Politik restriktiv zu gestalten und den Fokus auf aktuelle Daten zu legen.
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