Neue Weltordnung, neuer Investmentansatz: Drei Erkenntnisse
Die aktuelle Krise zeigt langfristige Trends, die für Anleger von Bedeutung sind. Vincent Mortier, Group CIO bei Amundi, hat drei zentrale Erkenntnisse für den Investmentansatz in der neuen Weltordnung formuliert.
Erste Erkenntnis: Traditionelle sichere Häfen funktionieren nicht mehr
Nach der jüngsten Krise erfüllten klassische sichere Anlagen wie Staatsanleihen, der US-Dollar und Gold nicht ihre erwartete Schutzfunktion. Hochwertige Unternehmensanleihen und Aktien bestimmter multinationaler Unternehmen bewährten sich hingegen besser. Dies spiegelt eine Verschlechterung der öffentlichen Finanzen wider und verdeutlicht, dass Regierungen weniger in der Lage sind, finanzielle Schocks zu absorbieren, ohne ihre Bonität zu schädigen.
Außerdem nimmt die Geldentwertung zu, da immer mehr US-Dollar in Umlauf gebracht werden, während die Zahl der Käufer stagniert. Die US-Regierung strebt an, die langfristigen Zinsen bei etwa 4 bis 4,2 % für zehnjährige Anleihen zu halten, weshalb der Dollar als Anpassungsvariable voraussichtlich an Wert verlieren wird.
Relativ dazu könnte Europa besser abschneiden, da die Eurozone eine geringere durchschnittliche Verschuldung als die USA aufweist und eine klarere Agenda hinsichtlich Defizitbekämpfung, industrieller Souveränität, Spar- und Investitionsunion sowie geänderter Wettbewerbspolitik verfolgt. Diese Entwicklungen deuten auf einen bedeutenden Wandel hin, auch wenn die tatsächlichen Fortschritte noch abzuwarten sind.
Zweite Erkenntnis: Das große Comeback der Sachwerte
Aktien besitzen gegenüber unbegrenzt von Regierungen ausgegebenen Schuldtiteln einen strukturellen Vorteil, da die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien kaum verändert wird. Sie sind erneut als Sachwerte relevant. Auch Gold sollte weniger als Rohstoff, sondern vielmehr als alternative Währung betrachtet werden, was besonders im Kontext anhaltender Währungsabwertung wichtig ist.
Dritte Erkenntnis: Diversifizierung ist Notwendigkeit, nicht Annehmlichkeit
Die 20 größten US-Marktkapitalisierungen verändern sich alle zehn Jahre nahezu vollständig. Die Konzentration auf etablierte Gewinner, einschließlich der sogenannten “Magnificent 7”, ignoriert die rasante technologische Veränderung, insbesondere durch Künstliche Intelligenz (KI). Infrastrukturprojekte können schnell veralten, und Risiken wie Quantencomputing gefährden die IT-Sicherheit. Die bevorstehende KI-Revolution in der physischen Welt wird die Märkte nachhaltig prägen.
Die strategische Reaktion fordert nüchternen Optimismus und eine Neuausrichtung der Asset-Allokation entsprechend der geänderten weltwirtschaftlichen Logik. Diversifikation sollte über Regionen, Sektoren, Unternehmensgrößen und Währungen erfolgen. Beispiele wie die Elektrifizierung der Welt zeigen, dass Wertschöpfung auch ohne Berücksichtigung von ESG-Kriterien zukünftige Gewinne bringen kann. Die Gewinner der Wirtschaft im Jahr 2030 werden vermutlich andere Länder und Unternehmen umfassen als heute.
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