Erwartungen an die EZB-Sitzung
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird voraussichtlich die Leitzinsen um 25 Basispunkte auf 2,25 % erhöhen. Dabei liegt der Fokus weniger auf der Zinserhöhung selbst, sondern auf dem Signal, welches die Notenbank an die Märkte sendet.
Unsicherheit bei der Kommunikation
Die Unsicherheit bei der EZB-Entscheidung ergibt sich zum einen aus geopolitischen Unsicherheiten, wie den möglichen oder ausbleibenden Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran, die kurzfristig den makroökonomischen Ausblick beeinflussen können. Zum anderen ist die Entscheidungslogik der EZB nicht vollständig transparent, sodass Marktteilnehmer besonders aufmerksam auf neue Prognosen, das geldpolitische Statement sowie den Tonfall der EZB-Präsidentin reagieren dürften.
Eine vorsichtige Kommunikationsweise der Zinserhöhung wird von den Märkten möglicherweise unterschätzt. Es wird erwartet, dass die EZB keine explizite Forward Guidance zu weiteren Zinsschritten geben wird.
Signalwirkungen möglicher Szenarien
Ein deutliches Signal für zukünftige Straffungen wäre eine Bestätigung, dass der EZB-Rat weiterhin eine implizite Tendenz zu Zinserhöhungen verfolgt. Allerdings könnte dies von den Märkten als unverbindlich interpretiert werden, da bereits zwei weitere Zinsschritte in diesem Jahr eingepreist sind.
Ein klar zurückhaltendes Signal wäre eine Charakterisierung der Zinserhöhung als Maßnahme des “Risikomanagements”, womit die EZB ihre Position so definiert, dass sie flexibel auf Extremrisiken reagieren kann, statt den Beginn eines längeren Zinserhöhungszyklus zu signalisieren.
Fokus auf Inflationsentwicklung und Zweitrundeneffekte
Die EZB wird sich bei ihrer weiteren Orientierung weniger auf den Energieschock konzentrieren, sondern auf mögliche Zweitrundeneffekte, insbesondere mittelfristige Inflationserwartungen und die Lohnentwicklung.
Derzeit bleibt der Inflationsdruck vor allem auf den Energiesektor konzentriert. Hinweise auf ausgeprägte Zweitrundeneffekte sind begrenzt, und Lohnindikatoren zeigen kaum Anzeichen steigender Lohnforderungen, was den Inflationsdurchschlag im Dienstleistungssektor begrenzen dürfte.
Szenario und Risiken
Unter Annahme, dass die Ölpreise auf 90 US-Dollar je Barrel fallen und weiter sinken, könnte die Zinserhöhung im Juni die letzte in diesem Jahr sein. Die Risiken sind jedoch nach oben gerichtet, da stärkere Zweitrundeneffekte oder ein erneuter Energieschock zu deutlich entschlossenerem Handeln der EZB führen könnten.
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