Argentinien rückt im globalen Energiesystem stärker in den Fokus

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Seit die Straße von Hormus gesperrt ist, geht ein unerwarteter Dollar-Regen (oder Yuan-Regen) auf die ölexportierenden Länder nieder. Abgesehen von den großen Exporteuren wie Brasilien, Russland oder den USA, die von dieser Krise profitieren, könnte auch Argentinien aufgrund der Situation am Persischen Golf eine tiefgreifende Transformation durchmachen und seinerseits zu einer Umgestaltung des weltweiten Energiesystems beitragen.

Vaca Muerta eröffnet neue Perspektiven für die Energieproduktion

Das Land, in dem Fußball mit der „Hand Gottes“ gespielt wird, erfreut sich nämlich eines anderen Segens, und zwar dem der „Vaca Muerta“, einer Region mit enormen Kohlenwasserstoff-Vorkommen in Patagonien. Laut der US Energy Information Administration (EIA) gibt es dort Lagerstätten von Öl und Gas von Weltklasseniveau: das viertgrößte Vorkommen von technisch abbaubarem Schieferöl und das zweitgrößte von Schiefergas. Für ein Land, das seit Jahrzehnten gegen den wirtschaftlichen Abstieg kämpft, ist dies ein wahres Wunder.

Steigende Energiepreise stärken Wirtschaft und Währung

Der Anstieg der Ölpreise schlägt sich bereits in der Wirtschaft des Landes nieder: Seit zwei Jahren  verzeichnet Argentinien  Exportüberschüsse von Energie, die rasant zunehmen. Laut einem Kommentar von JPMorgan, der bei Bloomberg veröffentlicht wurde, hat Argentiniens Energiebilanz im März einen historischen Höchststand erreicht. Die Zentralbank kann ihre Dollarreserven nun endlich wieder aufstocken. Ein untrügliches Zeichen für die Verbesserung der Lage ist die Entwicklung des Pesos. Die traditionell abwärts tendierende Währung wurde in diesem Jahr gegenüber dem Dollar um 6 % aufgewertet.

Der argentinische Staatschef treibt diese Entwicklung mit ökologischen und ökonomischen Deregulierungsmaßnahmen weiter voran. Seit seinem Amtsantritt Ende 2023 hat er per Dekret bereits eine ganze Reihe solcher Maßnahmen veranlasst. Im Jahr 2024 verstärkte das Programm RIGI (Régimen de Incentivo para Grandes Inversiones) mit Anreizen für ausländische Investoren zur Entwicklung der Wirtschaftszweige Energie und Bergbau diesen Prozess. Abgerundet werden diese Bestrebungen durch das argentinische Gletschergesetz, das vor allem den Bergbau im Blick hat.

Reformen und Investitionsanreize treiben die Entwicklung voran

Wie bei anderen Exportländern – einschließlich der USA – sind diese wirtschaftlichen Zugewinne jedoch keine Einbahnstraße. Die Inflation, die nach dem Amtsantritt von Javier Milei deutlich zurückgegangen war, steigt nun wieder an. Für 2026 wird eine Teuerungsrate von 29 % prognostiziert. Zwar ist das immer noch moderat im Vergleich zu den vergangenen Jahren, dennoch werden die Hoffnungen der Argentinier enttäuscht: Die Wachstumserwartungen für 2026 wurden parallel auf 3,3 % gesenkt (laut Bloomberg-Konsens).

Folglich sind die für Dezember 2027 geplanten Präsidentschaftswahlen trotz Mileis Erfolgen in den Bereichen Öl, Gas und Landwirtschaft bei weitem noch nicht gewonnen. Laut einer Umfrage von Latam Pulse ist die Beliebtheit des Präsidenten seit seinem Einstieg in die Politik auf etwa 36 % gesunken.

Argentinien gewinnt an Bedeutung für die globale Energieversorgung

In Bezug auf die Region Vaca Muerta steht jedoch nicht nur die Zukunft des Präsidenten auf dem Spiel: Ihre Entwicklung hat eine Tragweite, die sogar über Argentinien hinausreicht. Ein Teil des weltweiten Wirtschaftssystems hängt nämlich vom Wachstum der Vaca Muerta ab, da die Importeure von Energie zunehmend versuchen, ihre Beschaffung außerhalb des Persischen Golfs zu diversifizieren. Argentinien spielt dabei, wie andere Länder Lateinamerikas auch, eine Schlüsselrolle. Zwar liegt seine Erdöl-Fördermenge unter 1 % der weltweiten Produktion, sie nimmt jedoch rasant zu. Die größte Herausforderung besteht im Transport. Derzeit befinden sich Pipelines im Bau, mit denen sich der Erdölexport ab 2027 deutlich steigern lässt. Bis 2030 und darüber hinaus könnte das Land im Bereich Öl und Gas eine führende Rolle einnehmen und zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beitragen. Wieder einmal scheint Gott seine Hand im Spiel zu haben, wenn es um das Schicksal des Landes geht – 40 Jahre nach dem argentinischen Wunder bei der Weltmeisterschaft.

Bild © LFDE

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