Steigende Renditen bei Staatsanleihen
Die Rendite französischer Staatsanleihen (OATs) liegt erstmals seit 2009 über 4 Prozent. Parallel dazu erreichen 30-jährige US-Staatsanleihen Renditen wie zuletzt 2007, und zehnjährige japanische Staatsanleihen nähern sich 3 Prozent. Diese Entwicklungen spiegeln die globalen Zinsanstiege wider und führen zu vermehrter Nervosität an den Aktienmärkten.
Zwei treibende Faktoren: KI-Finanzierung und Staatsverschuldung
Die aktuellen Marktbewegungen sind durch zwei zentrale Themen geprägt: der Verschlechterung der öffentlichen Finanzen in westlichen Staaten und dem enormen Finanzierungsbedarf für Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Beide Effekte verstärken sich gegenseitig und erhöhen den Druck auf die Anleihemärkte.
Wachsender Anteil von KI-Anleihen
Technologieunternehmen, insbesondere Hyperscaler, nutzen vermehrt den Anleihemarkt, um KI-Projekte zu finanzieren. Während 2024 KI-Anleihen noch weniger als 1 Prozent der weltweiten Investment-Grade-Emissionen ausmachten, stieg ihr Anteil im ersten Halbjahr 2026 auf 18 Prozent. Das globale Emissionsvolumen nahm seit Jahresbeginn um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu.
Verdrängung langlaufender Staatsanleihen
Die Finanzierung durch langfristige Verbindlichkeiten der Hyperscaler konkurriert direkt mit Staatsanleihen. Rund 70 Prozent der von den Hyperscalern emittierten Anleihen haben Laufzeiten von mindestens sieben Jahren, bei einem Durchschnitt von 15 bis 17 Jahren. Über 40 Prozent aller weltweiten Investment-Grade-Emissionen mit Laufzeiten über 15 Jahren entfallen laut aktueller Studie auf diese Unternehmen.
Hinzu kommen attraktive Renditeaufschläge bei KI-Anleihen gegenüber Staatsanleihen. Beispielhaft wurde kürzlich eine 20-jährige Anleihe von Alphabet mit 6,95 Prozent Rendite in australischen Dollar emittiert, während die entsprechende Staatsanleihe bei 5,45 Prozent liegt.
Veränderung der Investorenstruktur
Investoren der Hyperscaler-Anleihen und Staatsanleihen überschneiden sich zunehmend. Insbesondere in den USA halten private Investoren mittlerweile 73 Prozent der US-Staatsschulden, ein Anstieg von 50 Prozent vor zehn Jahren. Diese Investoren neigen dazu, kreditwürdige Unternehmensanleihen mit attraktiven Renditen und ähnlichen Laufzeiten den Staatsanleihen vorzuziehen, da sie geringeren fiskalischen Risiken ausgesetzt sind.
Zukunftsausblick
Der Verdrängungseffekt auf den Anleihemärkten durch KI-Finanzierungen steht erst am Anfang. Der Finanzierungsbedarf der KI wird in den kommenden Quartalen weitere Anleiheemissionen in Milliardenhöhe nach sich ziehen. Parallel steigt der Finanzierungsbedarf der Staaten, sei es durch anhaltende Defizite oder strukturelle Investitionen.
Ohne eine Rückkehr zu umfangreichen Anleihekäufen der Zentralbanken dürfte der Wettbewerb um Kapital zu weiter steigenden Renditen führen. Dies birgt langfristig Risiken für die Finanzierung der Weltwirtschaft.
Anmerkungen
- Investment-Grade: Ratings zwischen AAA und BBB (S&P/Moody’s), mit geringem Ausfallrisiko.
- Studie von Goldman Sachs: “IG Credit – Too Much, Too Fast”, Juli 2026.
DE: Bei der Erstellung dieses Beitrags wurde KI unterstützend eingesetzt.EN: AI was used to assist in the creation of this post.