Ein Beitrag von Volker Schilling von Greiff capital management:
Larry Fink warnt, ein langsamerer Ausbau von Rechenzentren könne Amerika in die Rezession treiben. Ich glaube, der Chef des weltweit größten Vermögensverwalters stellt die falsche Frage. Entscheidend ist nicht nur, was geschieht, wenn Amerika weniger investiert. Anleger müssen wissen, was geschieht, wenn plötzlich alle zu viel investieren.
„Die Börse braucht eine neue Kennzahl. ROI steht künftig nicht mehr nur für Return on Investment, sondern für Return on Intelligence. Dieser misst nicht, was eine KI theoretisch leisten kann. Er misst, was nach Strom, Chips, Finanzierung und Abschreibungen für den Kapitalgeber übrig bleibt.“
Die Milliardenprüfung
Die laufende Berichtssaison macht aus der KI-Euphorie erstmals eine überprüfbare Rechnung. Noch vor wenigen Monaten wurde nahezu jede Erhöhung der Investitionen gefeiert. Mehr Chips, mehr Rechenzentren und mehr Strom galten automatisch als mehr Zukunft. Inzwischen fragt die Börse genauer nach.
SpaceX erzielte im dritten Quartal einen Umsatz von 14,6 Milliarden Dollar. Davon stammten bereits 7,6 Milliarden Dollar aus dem KI-Geschäft. Gleichzeitig investierte das Unternehmen 19,6 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal stellte das Management sogar 35 bis 40 Milliarden Dollar in Aussicht.
Das Wachstum ist beeindruckend. Der Kapitaleinsatz ist es allerdings auch.
Super Micro zeigt, wie der Markt inzwischen unterscheidet. Der Anbieter von KI-Servern stellte vorläufige Quartalsumsätze von 18,5 bis 19,5 Milliarden Dollar in Aussicht. Die bisherige Prognose hatte lediglich zwischen 14,5 und 15,5 Milliarden Dollar gelegen.
Die Aktie sprang daraufhin zweistellig an. Hier wird aus der KI-Nachfrage bereits unmittelbar Umsatz.
Bei Lam Research verlief die Reaktion genau umgekehrt. Der Chipausrüster steigerte seinen Umsatz um 55 Prozent auf 8,22 Milliarden Dollar und den bereinigten Gewinn je Aktie um 75 Prozent. Trotzdem verlor die Aktie zeitweise rund zehn Prozent. Der Ausblick war gut, aber eben nicht besser als die ohnehin hohen Erwartungen.
Meta wiederum erhöht seine Investitionsplanung auf rund 135 Milliarden Dollar. Gleichzeitig wachsen die Kosten des KI-Ausbaus schneller als die daraus erzielten Erlöse. Der technologische Fortschritt ist sichtbar. Die endgültige Renditerechnung bleibt offen.
Damit verändert sich die Logik des Marktes. In der ersten Phase des KI-Booms wurde belohnt, wer die größten Investitionen ankündigte. In der nächsten Phase wird belohnt, wer daraus die höchsten Erträge erwirtschaftet.
Die künstliche Intelligenz kann inzwischen schreiben, programmieren, Bilder erzeugen und Raketen steuern. Nur ihre eigene Kapitalrendite bleibt erstaunlich unklar.
Deshalb braucht die Börse eine neue Kennzahl. ROI steht künftig nicht mehr nur für Return on Investment, sondern für Return on Intelligence. Dieser misst nicht, was eine KI theoretisch leisten kann. Er misst, was nach Strom, Chips, Finanzierung und Abschreibungen für den Kapitalgeber übrig bleibt.
IBM-Chef Arvind Krishna bestätigte diese Entwicklung in dieser Woche indirekt. Großunternehmen prüften inzwischen wesentlich genauer, welchen tatsächlichen Ertrag ihre KI-Ausgaben bringen. Einige befürchteten bereits, dass die Kosten ausufern könnten, ohne entsprechende Ergebnisse zu liefern. Selbst die Kunden beginnen also, nach dem Return on Intelligence zu fragen.
Larry Fink stellt die falsche Frage
Fink hält einen schnelleren Ausbau der KI-Infrastruktur für unverzichtbar. Amerika müsse in den kommenden Jahren sieben bis neun Billionen Dollar mobilisieren, um seine technologische Führungsposition zu behaupten. Zusätzliche Kapazitäten würden Rechenleistung günstiger machen. Verzögerungen erhöhten dagegen die Kosten, trieben Investitionen ins Ausland und könnten sogar eine Rezession auslösen.
Volkswirtschaftlich ist diese Argumentation nachvollziehbar. Aus Sicht des Anlegers enthält sie jedoch einen entscheidenden Widerspruch. Wenn immer mehr Rechenleistung bereitgestellt wird und deren Preis dadurch sinkt, profitieren vor allem die Nutzer. Unternehmen können KI günstiger einsetzen, Prozesse automatisieren und ihre Produktivität steigern.
Für die Betreiber der Infrastruktur bedeuten zusätzliches Angebot und sinkende Preise möglicherweise niedrigere Margen und längere Amortisationszeiten. Was KI für die Volkswirtschaft günstiger macht, kann sie für ihre Geldgeber unrentabler machen. Herr Fink, Sie erklären überzeugend, weshalb Amerika seine KI-Infrastruktur erweitern muss. Sie beantworten aber nicht, wer mit all diesen Rechenzentren am Ende Geld verdient.
„Wenn ein Boom nicht mehr gebremst werden darf, ohne die Konjunktur zu gefährden, ist er nicht nur Wachstumsmotor. Dann ist er bereits eine fatale Abhängigkeit.“
Auch die Warnung vor einer möglichen Rezession sollte Anleger nicht beruhigen. Sie sollte sie beunruhigen.
Wenn die amerikanische Konjunktur inzwischen davon abhängt, dass immer größere Summen in KI-Infrastruktur fließen, ist das nicht nur ein Zeichen wirtschaftlicher Stärke. Wenn ein Boom nicht mehr gebremst werden darf, ohne die Konjunktur zu gefährden, ist er nicht nur Wachstumsmotor. Dann ist er bereits eine fatale Abhängigkeit.
Revolutionär ist nicht gleich rentabel
Die Geschichte kennt genügend Technologien, die unsere Welt verändert und trotzdem zahlreiche Anleger ruiniert haben. Eisenbahnen verbanden Kontinente. Elektrizität revolutionierte Industrie und Alltag.
Glasfasernetze ermöglichten das Internet. Dennoch verdienten nicht alle Unternehmen und Investoren an ihrem Aufbau.
„Eine Technologie kann revolutionär und ihre Finanzierung trotzdem ruinös sein. Die Anbieter von Chips, Stromtechnik und Kühlsystemen verdienen bereits am Ausbau. Die Betreiber der Rechenzentren müssen ihre hohen Investitionen erst zurückverdienen.“
Der volkswirtschaftliche Nutzen neuer Infrastruktur fällt häufig bei den späteren Anwendern an. Die Betreiber tragen zunächst die Investitionen, die Finanzierungskosten und das Risiko von Überkapazitäten. Eine Technologie kann deshalb revolutionär und ihre Finanzierung trotzdem ruinös sein.
Die Anbieter von Chips, Stromtechnik und Kühlsystemen verdienen bereits am Ausbau. Die Betreiber der Rechenzentren müssen ihre hohen Investitionen erst zurückverdienen. Die Anwender könnten am Ende die größten Gewinner sein, wenn sie günstige Rechenleistung nutzen, ohne die gesamte Infrastruktur selbst finanzieren zu müssen.
Ich zweifle deshalb nicht an der Zukunft der künstlichen Intelligenz. Ich zweifle an der Vorstellung, jede Investition in diese Zukunft müsse automatisch eine gute Kapitalanlage sein.
Larry Fink fragt, was geschieht, wenn Amerika nicht weiterbaut. Ich frage, was geschieht, wenn alle gleichzeitig bauen. Die Zukunft gehört zweifellos der künstlichen Intelligenz. Über die Rendite entscheidet jedoch am Ende der Return on Intelligence.
* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.