KI-Kompetenzen in der EU: Viele Nutzer, wenige Spezialisten

AIKI-Kompetenzen in der EU: Viele Nutzer, wenige Spezialisten

Rund 61 Millionen Beschäftigte in der EU nutzen KI-Werkzeuge, aber nur etwa 3,7 Millionen haben vertieftes KI-Wissen. Das zeigt ein Factsheet des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mit Daten für das Jahr 2025, erstellt für das European Employers’ Institute. Für Asset Manager und Banken verschiebt sich damit die Frage. Entscheidend ist weniger, ob KI im Haus genutzt wird, als wer sie entwickeln, prüfen und verantworten kann.

Was die Stellenanzeigen zeigen

Die IW-Ökonomen Jan Büchel, Jan Engler und Armin Mertens haben rund 182 Millionen Online-Stellenanzeigen aus allen 27 Mitgliedstaaten ausgewertet. Der Zeitraum reicht von 2022 bis 2025. Ein mehrsprachiges Modell erkennt, ob eine Anzeige vertiefte KI-Kenntnisse verlangt. Weil Online-Anzeigen IT- und Managementberufe überzeichnen, gewichten die Autoren nach den tatsächlichen Beschäftigtenanteilen.

Der Anteil solcher Anzeigen hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt und lag 2025 bei 1,7 Prozent. Damit nennt etwa jede sechzigste Stellenanzeige KI ausdrücklich. Als wahrscheinlichen Auslöser nennen die Autoren den Durchbruch generativer KI, der Ende 2022 begann. Hochgerechnet auf die Beschäftigung ergeben sich daraus die 3,7 Millionen stark KI-exponierten Beschäftigten.

Nutzung ist keine Umsetzungsfähigkeit

Die 61 Millionen Nutzer sind eine grobe Rechnung der Autoren auf Basis einer EU-weiten Befragung. Beide Größen messen Unterschiedliches. Wer einen Chatbot bedient, kann noch kein Modell anpassen, validieren oder in Prozesse einbinden. Ein hoher Nutzungsgrad sagt daher wenig über die technische Umsetzungsfähigkeit eines Hauses.

Für regulierte Häuser ist genau diese Lücke kritisch. Seit Februar 2025 gilt Artikel 4 der KI-Verordnung der EU für Anbieter und Betreiber von KI-Systemen. Sie müssen danach für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals sorgen. Hinzu kommen Erwartungen der Aufsicht an Modellrisiko, Datenqualität und Auslagerung.

Breite Schulungen decken die Anwenderseite ab. Für Architektur, Validierung und Governance braucht es dagegen Spezialisten, die Modelle verstehen und Risiken bewerten können. Gerade in Kontrollfunktionen wie Risikomanagement und Compliance dürfte dieser Bedarf nach unserer Einschätzung weiter steigen.

Worauf Entscheider jetzt achten

Die Autoren betonen, dass Anzeigen nur eine Untergrenze der Nachfrage abbilden. Viele Unternehmen bauen Wissen über Weiterbildung oder externe Dienstleister auf. Umgekehrt unterstellt die Hochrechnung, dass jede ausgeschriebene Stelle besetzt wird. Die 3,7 Millionen sind deshalb eine Näherung.

Auffällig ist die Dynamik: Osteuropa holt am schnellsten auf, Westeuropa wächst am langsamsten. Absolut liegt Deutschland vorn, konkurriert aber mit Industrie und Technologiebranche um denselben Pool. Nach unserer Einschätzung wird der Zugang zu Spezialisten damit zu einem Kriterium, das Investoren bei der Bewertung von KI-Strategien prüfen sollten. Das gilt etwa für Asset Manager, Verwahrstellen oder Plattformanbieter.

Offen bleibt, ob Ausbildung und Weiterbildung mit dem Bedarf Schritt halten. Das IW empfiehlt, die konkreten KI-Anforderungen der Unternehmen laufend zu beobachten. Wie schnell sich die Lücke schließt, entscheidet mit darüber, wie viel der erhofften KI-Produktivität in Europa tatsächlich ankommt.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.