Kai-Fu Lee, Chef des chinesischen KI-Unternehmens 01.AI und früher Präsident von Google China, hält das mittlere Management trotz KI-Agenten für nötig. Seine Begründung hat er Ende Oktober in der Financial Times dargelegt, Golem hat den Text auf Deutsch veröffentlicht. Für Banken und Asset Manager ist die Frage akut, denn erste Häuser bauen ihre Teams bereits um.
Was Kai-Fu Lee dem Management zutraut
Lees Ausgangspunkt ist ökonomisch. Wenn das Sammeln und Abgleichen von Unternehmensinformationen kaum noch etwas kostet, müssen sich die Rollen ändern, die genau dafür entstanden sind. In seinem Unternehmen nutzt er ein System, das an alle Unterlagen und die interne Kommunikation angebunden ist. Es habe zwei Teams entdeckt, die drei Monate lang dieselbe Funktion bauten, ohne voneinander zu wissen.
Den Schluss, Manager seien damit überflüssig, zieht Lee trotzdem nicht. Beziehungen zu anderen Abteilungen, Partnern und Kunden blieben menschliche Arbeit, auch wenn Agenten den Großteil der Ausführung übernehmen. Je mehr Arbeit die KI erledigt, desto wertvoller werden aus seiner Sicht Führungskräfte. Ihre Aufgabe verschiebt sich von der Kontrolle der Ausführung zu Vertrauen, Beziehungen und Orientierung in unsicheren Lagen.
Goldman Sachs verlagert Führung an die Front
Wie konkret die Frage in der Finanzbranche ist, zeigt Goldman Sachs. Kevin Sneader, Leiter des Asien-Pazifik-Geschäfts, sagte am 8. Oktober in Singapur, Berufseinsteiger steuerten bereits KI-Agenten. Die Führungsaufgabe liege damit nicht mehr im mittleren Management, sondern an der Front, berichtete Bloomberg. Was mit dieser Gruppe geschieht, sei noch offen.
Das Marktforschungshaus Gartner hatte schon im Oktober 2024 eine Prognose veröffentlicht. Danach verflachen bis Ende 2026 20 Prozent der Organisationen ihre Hierarchie mit KI. Dabei fallen mehr als die Hälfte der Stellen im mittleren Management weg (Gartner). Dieselbe Prognose warnt vor den Folgen: Mentoring und Lernpfade könnten abreißen, Nachwuchskräften fehlten dann Entwicklungschancen.
Was das für Asset Manager und Investoren bedeutet
Asset Manager sind ähnlich aufgebaut wie Investmentbanken. Analysten liefern zu, erfahrene Kollegen prüfen, das Portfoliomanagement entscheidet. Übernehmen Agenten die Zulieferung, entfällt ein Teil der Ausbildung, in der Nachwuchs gute von bloß plausibler Arbeit unterscheiden lernt. Nach unserer Einschätzung liegt hier die eigentliche Schwachstelle der Verflachung: Wer Agenten prüfen soll, braucht Urteilsvermögen, das bisher im Mittelbau entstand.
Für institutionelle Investoren folgt daraus eine Frage für die Due Diligence. Es genügt nicht zu wissen, ob ein Manager KI einsetzt. Wichtiger ist, wer die Ergebnisse verantwortet, wie Prüfschritte dokumentiert sind und wie das Haus künftige Entscheider ausbildet. Wer den Mittelbau streicht, ohne diese Fragen zu beantworten, spart aus unserer Sicht nur kurzfristig.
Offen bleibt, wie schnell sich die Strukturen tatsächlich ändern. Lee und Sneader beschreiben dieselbe Verschiebung, bewerten die Folgen für den Mittelbau aber unterschiedlich. Die Antworten werden sich voraussichtlich in den Kostenquoten ebenso zeigen wie in der Qualität der Anlageentscheidungen.
* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.