EZB-Direktor Lane: KI treibt das Kreditwachstum im Euroraum

AIEZB-Direktor Lane: KI treibt das Kreditwachstum im Euroraum

Künstliche Intelligenz ist im Euroraum zu einem messbaren Treiber von Investitionen und Krediten geworden. Das zeigt eine Rede von EZB-Direktoriumsmitglied Philip R. Lane vom 30. Oktober 2026 in San Francisco. Für Investoren ist vor allem relevant, wie das europäische Finanzsystem den Ausbau finanziert und wo neue Risiken entstehen.

Was die Umfragen der EZB zeigen

Lane stützt sich auf Umfragen der EZB unter Unternehmen und Haushalten. In der Telefonumfrage der Notenbank berichten Unternehmen, dass KI ihre Investitionspläne in diesem Jahr um rund zehn Prozent erhöht hat. Der Anteil der Beschäftigten, die KI bei der Arbeit nutzen, hat sich seit 2024 etwa verdoppelt.

Die Nutzung bleibt aber oft oberflächlich. Nur eine kleine Minderheit der Unternehmen setzt KI in nennenswertem Umfang ein, die meisten experimentieren noch. Lane spricht selbst von einem frühen Stadium. Wie stark und wann KI die gesamte Wirtschaft verändert, hält er für höchst unsicher.

Wie Europa den KI-Ausbau finanziert

Die meisten Unternehmen bezahlen KI-Projekte aus eigenen Mitteln. Wer externes Kapital braucht, greift vor allem zu Bankkrediten und Leasing. Entscheidend ist laut EZB die Besicherung: Hardware und Dateninfrastruktur werden eher extern finanziert, Schulungen der Mitarbeiter meist intern. Lane sieht darin eine mögliche Finanzierungslücke für immaterielle Investitionen.

Auf Ebene des Euroraums ist der Effekt bereits sichtbar. Nach internen Schätzungen der EZB steuert der KI-Boom rund 0,9 Prozentpunkte zum jährlichen Kreditwachstum bei (Stand erstes Quartal 2026). Das ist etwa ein Viertel des gesamten Wachstums. KI-Unternehmen haben ihre Verschuldung seit Anfang 2025 stärker erhöht als vergleichbare Firmen, vor allem über Anleihen.

Europäische Anleger finanzieren zudem den Ausbau in den USA mit. Sie kaufen Euro-Anleihen amerikanischer Hyperscaler und reduzieren dafür ihre Käufe von US-Staatsanleihen. Eine nennenswerte Verdrängung europäischer Emittenten sieht die EZB bislang nicht.

Wo Bewertungen und Risiken liegen

An den Märkten zahlt sich KI-Nähe bislang aus. KI-exponierte Unternehmen zahlen geringere Risikoaufschläge auf Anleihen und erzielten höhere Aktienrenditen. Lane merkt aber an, dass darin auch Marktoptimismus stecken könnte, der sich nicht bestätigt. Für Allokationsentscheidungen ist das eine wichtige Einschränkung.

Für Banken wächst zugleich das operationelle Risiko. Der Anteil von IT- und Cybervorfällen an ihren operationellen Schadensereignissen hat sich seit 2018 fast verdoppelt. Zudem reagiert die Innovationstätigkeit von KI-Firmen stärker auf Zinserhöhungen, weil sie stark von Krediten abhängen.

Was als Nächstes zu beobachten ist

Das Wachstumspotenzial ist groß, aber bislang ein Rechenmodell. In einem EZB-Szenario steigt die Produktivität von IT-Dienstleistern weltweit um 30 Prozent. Die Wirtschaftsleistung des Euroraums läge dann 2030 um 3,8 Prozent höher. Lane stellt das ausdrücklich als eines von mehreren möglichen Szenarien dar.

Für die Banken zeichnet sich ein klarer Schwerpunkt ab. In der Umfrage zum Kreditgeschäft vom Oktober 2026 erwarten mehrere Institute eine anhaltend steigende Kreditnachfrage für Rechenzentren. Wie belastbar diese Engagements sind, falls sich die Erwartungen an KI eintrüben, lässt die Rede ausdrücklich offen.

* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.