Cyberrisiken belasten deutsche Unternehmenschefs inzwischen so stark wie die schwache Konjunktur. Je 40 Prozent zählen beides zu ihren drei größten Belastungen. Das zeigt der im Oktober veröffentlichte CEO Outlook Survey von EY-Parthenon. Für Vorstände im Finanzsektor wiegt ein anderer Befund schwerer: Kompetenzaufbau und Kostensteuerung halten mit dem KI-Einsatz nicht Schritt.
Gelassen heißt nicht gut aufgestellt
EY-Parthenon hat 1.200 CEOs in 21 Ländern befragt, davon 100 in Deutschland. Weitere 100 deutsche Unternehmen gaben Auskunft zu ihren KI-Kosten. Technologische und KI-Risiken bewerten deutsche Chefs etwas gelassener als der weltweite Schnitt. Zu beachten ist, dass EY selbst zu diesen Themen berät.
Beim eigenen Können fällt das Urteil deutlich kritischer aus. 53 Prozent der deutschen CEOs sagen, ihr Unternehmen baue Kompetenzen zu langsam auf, um mit KI Schritt zu halten. Nur in Japan und China ist der Anteil höher. Martin Gerber, CFO von EY Deutschland, sagt dazu: „Den Unterschied machen die Menschen, die damit auch umgehen können.“
Sandra Krusch leitet EY-Parthenon in Deutschland als Managing Partner. Sie beobachtet, dass US-Technologiekonzerne und gut finanzierte Start-ups KI-Talenten oft bessere Perspektiven bieten. Für Banken und Asset Manager wiegt das nach unserer Einschätzung besonders schwer. Sie konkurrieren um dieselben Fachleute und müssen ihre Modelle zugleich gegenüber der Aufsicht erklären.
Produktivität kommt bisher eher aus Prozessen
Deutsche Unternehmen holen ihre Produktivität derzeit vor allem aus schlankeren Abläufen. 62 Prozent nennen die Vereinfachung von Prozessen und die Automatisierung von Routinen als wichtigsten Hebel. Weltweit sind es 46 Prozent.
Krusch sieht darin einen pragmatischen Weg, weil KI auf veralteten Prozessen wenig bringt. Zugleich gibt ihr zu denken, dass diese Potenziale nach mehreren schwachen Jahren noch nicht gehoben sind. Für Finanzhäuser mit gewachsenen IT-Landschaften dürfte dieser Befund vertraut klingen.
Wer die KI-Kosten verantwortet
24 Prozent der deutschen Unternehmen haben keinen verlässlichen Überblick über ihre KI-Kosten und deren Rendite. Nur ein Fünftel rechnet alle größeren KI-Initiativen mit einem Business Case durch. Bei 47 Prozent liegt die Kostenverantwortung beim CIO oder in der IT.
Gerber hält diese Zuordnung für ein Steuerungsproblem. Die Kosten gehören aus seiner Sicht dorthin, wo der Nutzen entsteht. Dabei wächst der Posten spürbar. Mehr als ein Viertel der deutschen Firmen rechnet damit, dass sich die Ausgaben für generative KI binnen drei Jahren mehr als verdoppeln.
Was Finanzhäuser daraus ableiten können
Die Umfrage ist branchenübergreifend und weist keine Werte für Finanzdienstleister aus. Die Muster lassen sich nach unserer Einschätzung dennoch übertragen. Wo KI in Research, Reporting oder Kundenservice arbeitet, gehört das Budget in den jeweiligen Bereich. Erst dann wird sichtbar, welcher Einsatz sich trägt.
Für institutionelle Investoren dürfte die Kostentransparenz zum Prüfpunkt im Gespräch mit Managern und Beteiligungen werden. Wer KI-Kosten nicht misst, kann ihre Wirkung auf Marge und Risiko kaum belegen. Offen bleibt, ob die erwarteten Mehrausgaben durch messbare Produktivität gedeckt werden.
* DE: Die ergänzenden Inhalte können KI-generiert sein. EN: The additional content may be AI-generated.